Warum Sie keine Null-Prozent-Finanzierung nutzen sollten

Null-Prozent-Finanzierung - 0 Prozent Finanzierung

Verlockend ist sie ja schon, so eine Null-Prozent-Finanzierung: Wenn man sie nutzt, muss man nicht mühsam ansparen und warten, bis man die benötigte Summe zusammenhat. Sondern man kann die schicke Couchgarnitur gleich bestellen, das neue Tablet sofort mitnehmen. Statt den ganzen Batzen Geld sofort auf den Tisch zu legen, zahlt man die Summe häppchenweise über eine lange Laufzeit zurück. So werden beispielsweise aus stolzen 795 Euro über zwölf Monate handliche 66,25-Euro-Raten. Ist doch super. Oder?

Eine Null-Prozent-Finanzierung hat drei gravierende Nachteile

Wie so oft in Geldangelegenheiten, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Auch wenn die Deutschen immer öfter auf Pump einkaufen. So las ich kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, dass rund zwei Drittel der Verbraucher in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Kredit aufgenommen hätten. 20 Prozent nutzten spezielle Autokredite, 14 Prozent Null-Prozent-Finanzierungen.

Nachteil 1: Sie kaufen teurer

Der kostenlose Kredit garantierte Ihnen noch lange nicht den besten Preis. Im Gegenteil: Selbst wenn der Anbieter keine Restschuldversicherung will und auch sonst keine Zusatzkosten wie eine Bearbeitungsgebühr anfallen, können Sie davon ausgehen, dass Sie mit Kredit mehr bezahlen als ohne. Schließlich hat kein Händler etwas zu verschenken, sondern er wird den Zusatzaufwand für den Kredit in seine Preise einkalkulieren. Dann ist das Tablet halt etwas teurer. Oder Sie bekommen für das Auto oder das Möbelstück nicht den Rabatt, den Sie bei Barzahlung oder Vorauskasse bekommen hätten.

Nachteil 2: Je länger Sie zahlen, desto geringer wird der Gegenwert

Sie können sich bei einem Ratenkauf nicht damit trösten, einen echten Gegenwert für Ihr Geld zu haben. Denn wenn das kreditfinanzierte Gut endlich wirklich Ihnen gehört, ist es nicht mehr neu. Für den Fall, dass Sie es wegen akuter Geldnot verkaufen müssten, würden Sie für die gebrauchten Stücke nur noch einen Bruchteil ihres Neuwerts erlösen können.

Das 795 Euro teure Sofa können Sie vielleicht nach einem halben Jahr noch für 250 Euro über Ebay losschlagen. Dumm nur, dass Sie bei einer Null-Prozent-Finanzierung über zwölf Monate dann noch fast 400 Euro abzuzahlen haben.

Nachteil 3: Sie engen Ihren finanziellen Spielraum ein

Der große Vorteil eines Ratenkredits ist, dass ein vergleichsweise großer Betrag in kleinere Raten aufgeteilt wird. Wie im Eingangsbeispiel: 795 Euro auf einen Schlag haben Sie vielleicht nicht, aber 66,25 Euro im Monat können Sie aufbringen.

Nur: Wenn Sie das können, könnten Sie doch auch einfach ein Jahr lang jeden Monat 66,25 Euro sparen und erst dann Ihr neues Sofa kaufen. Mit Barzahlerrabatt und ohne jeden Monat eine Rate zahlen zu MÜSSEN, egal ob gerade die Waschmaschine kaputtgegangen oder die Kfz-Versicherung fällig ist. Viele Menschen unterschätzen schlichtweg, dass sie auch mit den vermeintlich kleinen Raten zeitweise finanziell überfordert sein könnten. Insbesondere, wenn sie mehrere Finanzierungen parallel laufen haben.

Ein Ratenkauf bedeutet, dass Sie erst kaufen und dann sparen. Sie sparen also sozusagen rückwärts. Mein Empfehlung lautet andersherum: Erst sparen, dann kaufen. Vorwärtssparen.

Guter Kredit, böser Kredit?

Heißt das, dass Sie niemals und unter gar keine Umständen einen Ratenkauf mit oder ohne Null-Prozent-Finanzierung tätigen sollen? Nein.

Aber Sie sollten gut abwägen: Angenommen, Sie haben kein Auto, benötigen aber eines für eine neue, attraktive Arbeitsstelle. Dann ist es natürlich sinnvoller, das Auto zu finanzieren, als auf den Job zu verzichten. In diesem Fall ist das Auto eine Investition, die sich auszahlt. Das ist ein guter Kredit. Die meisten Ratenkredite werden aber für Elektronikartikel und Möbel aufgenommen, auf die man auch vorwärts sparen könnte. Diese Kredite sind verzichtbar. Selbst wenn das alte Sofa inzwischen ziemlich durchgesessen ist.

Mehr Tipps dazu, wie Sie auch mit wenig Einkommen gut auskommen, lesen Sie im Ratgeber Niemals pleite! Alles über die ersten Finanzen (Partnerlink*), den ich gemeinsam mit meine Kollegin Cordula Natusch geschrieben habe. Er richtet sich speziell an junge Leute, die ihren ersten eigenen Hausstand führen. Die darin beschriebenen Strategien und Werkzeuge sind aber auch für alle anderen Leute nützlich, die ihr Geld im Griff haben wollen.

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme.

Null-Prozent-Finanzierung - nein, danke!

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