Wetterfahnen in Südengland – Skurriles über englischen Dächern

Zackenfisch als Wetterfahne auf einer Kirche in Poole

Wetterfahnen über englischen Dächern? Was ist das denn für ein Thema? Tja, seit ich als Bloggerin und Reisejournalistin über das Allgäu schreibe, bekomme ich diesen Blogger-Blick auch im Urlaub nicht weg. Plötzlich sehe ich überall kleine Dinge, die ich früher nicht bemerkt hätte und stoße laufend auf interessante Themen. Bei unserem Spätsommerurlaub in Südengland fiel mir jedenfalls abends auf unserer Dachterrasse eine lustige Wetterfahne auf einem der Nachbarhäuser auf, von der ich gleich ein Foto machte. Wahrscheinlich bekam ich in diesem Moment den Wetterfahnen-Blick. Wo immer wir hinfuhren, überall waren da diese ungewöhnlichen Dachobjekte. So ist eine kleine Fotosammlung entstanden, die ich Ihnen hier zeigen möchte.

Daher weht also der Wind – meine Lieblingsstücke unter den südenglischen Wetterfahnen

Auf diesem Dach zeigen Hund und Katz, wie der Wind steht (das war das Exemplar, das die Initialzündung für meinen Wetterfahnen-Tick gab).

Wetterfahne mit Hund und Katz

Meistens zeigten die Wetterfahnen aber Maritimes, was in einer Küstengegend ja naheliegend ist. In Portsmouth zeigt zum Beispiel eine Möwe die Windrichtung an.

Möwe als Wetterfahne in Portsmouth

Oder ein Schiffchen.

Portsmouth - Haus mit Schiff als Wetterfahne

Erst der Zoom zeigt, wie liebevoll und detailfreudig es gestaltet ist:

Schiff auf dem Dach eines Hauses in Portsmouth

Ist das nicht herrlich? Ich war jedenfalls hingerissen.

Auch der Turm der Portsmouth Anglican Cathedral schmückt sich mit einem Schiff, und zwar mit einem, das angemessen gülden glänzt.

Wetterfahne in Form eines goldenen Segelschiffs aus Portsmouth

Ein ebenfalls goldglänzendes, aber nicht ganz so üppiges Exemplar findet sich am Pier in Bournemouth:

Wetterfahne mit Schiff am Pier in Bournemouth

Wetterfahnen auf Kirchendächern sind in Südengland oft in Form eines Fisches gestaltet. Das hängt gewiss nicht nur mit der Meeresnähe zusammen, sondern auch damit, dass der Fisch ein sehr altes Symbol für Jesus Christus ist. Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Wenn man die Anfangsbuchstaben der altgriechischen Worte für „Jesus Chistus, Sohn Gottes, Erlöser“ zusammenfügt, ergibt sich das Wort ichtys, zu Deutsch: Fisch.

So erhebt sich beispielsweise über der St. Mary’s Church in Wareham ein kleiner Fisch.

St Mary's Church in Wareham

Fisch auf dem Turm der Kirche in Wareham

Sehr witzig fand ich den zackigen Luftschwimmer auf der Kirche St. James in Poole:

Zackenfisch als Wetterfahne auf einer Kirche in Poole

Das einzige nicht-gegenständliche Exemplar einer Wetterfahne habe ich in Swanage gefunden. Es weht aber auf einem Türmchen, das ursprünglich in London gestanden hatte und erst später nach Swanage transferiert wurde. Hübsch ist es trotzdem.

schnörkelige Wetterfahne in Swanage

Ich hoffe, Sie hatten beim Betrachten dieser typisch südenglischen Wetterfahnen so viel Spaß wie ich beim Entdecken und Fotografieren …

Wetterfahnen in Südengland – Skurriles über englischen Dächern

Da mache ich nicht mit! Bekenntnisse einer WhatsApp-Verweigerin

Als Wirtschaftsjournalistin kann ich den Aufstieg von WhatsApp nur bewundern: Das ist eine Wahnsinns-Erfolgsgeschichte. Es ist wirklich unglaublich, wie sich dieser Messaging-Dienst binnen weniger Jahre zum allgegenwärtigen Kommunikationsmedium entwickelt hat. Zu DEM Kommunikationsmedium, ohne das im Freundeskreis, im Verein, in der Familie und immer häufiger sogar im Beruf nichts mehr geht. Kein Wunder: WhatsApp ist praktisch. Es ist einfach. Es kostet nichts. Alle haben es.

Na ja, fast alle.

Leute über 80 nutzen es eher nicht. Und ich, ich nutze es auch nicht.

Ein Leben ohne WhatsApp? Undenkbar!

Ich bin in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fast die einzige, die WhatsApp nicht auf ihrem Smartphone installiert hat. Ich bekomme einiges nicht mit. Wenn zum Beispiel lustige Fotos und Videos ausgetauscht werden, über die sich beim nächsten Treffen alle amüsieren. Oder wenn im Sportverein Organisatorisches geklärt wird. Wenn ich dann darum bitte, mir doch eine E-Mail zu schreiben oder mir beim nächsten Training einfach zu erzählen, was besprochen wurde, stoße ich auf Unverständnis: „Selbst schuld, dann leg dir doch auch WhatsApp zu.“

Meine Freunde haben sich dagegen an meine Macken gewöhnt und meine Kinder leben schon länger damit, dass ihre Mama in manchen Dingen irgendwie seltsam ist.

Bin ich wahrscheinlich auch. Ich frage mich nämlich, wie das passieren konnte:

Ist das nicht irgendwie verrückt?

Warum haben heute so viele Menschen ihr Smartphone nicht nur immer dabei, sondern auch pausenlos angeschaltet? Nicht mehr nur in der Handtasche, sondern permanent griffbereit: in der Jacke oder Hosentasche, auf dem Tisch im Lokal, auf dem Schreibtisch neben ihrem Computerbildschirm, auf dem Nachttisch neben dem Bett? Wann ist es eigentlich üblich geworden, dass man die eingehenden Nachrichten checkt, während man fernsieht, isst, im Konzert oder Kino sitzt, mit anderen spricht oder gar Auto fährt? Wie kann es sein, dass irgendwelche App-News grundsätzlich bedeutsamer sind als die Menschen, mit denen man gerade zusammen ist?

Wieso werden Mütter unruhig, wenn sie sehen, dass ihre 17-jährige Tochter, die abends mit Freunden unterwegs ist, zwischendrin mal nicht online ist? Und warum nur fällt es so vielen Menschen schwer, zu einer Verabredung verbindlich zuzusagen und sie dann auch einzuhalten? Wie konnte es völlig normal werden, noch Minuten vor einer Verabredung von unterwegs zu schreiben, man komme leider zwei Stunden später oder überhaupt nicht, weil leider, leider ganz kurzfristig etwas dazwischengekommen sei?

Nach allem, was ich beobachte, verdanken wir diese Entwicklungen überwiegend WhatsApp. Eben weil es so einfach und bequem ist.

Puh, jetzt klinge ich wie eine steinalte Kulturpessimistin. Aber trotzdem:

Da mache ich nicht mit!

Ich bin keine Social Media-Verweigerin. Ich blogge, ich nutze Facebook, Pinterest und neuerdings Instagram. Aber ich brauche keine WhatsApp-Familiengruppe, denn meine Kinder können mit ihren Smartphones auch telefonieren und zumindest mein Anrufbeantworter hört ihnen jederzeit zu. Oder wir sprechen auf altmodische Art direkt miteinander ab, wer wann wo ist und gegebenenfalls abgeholt wird. Wir schreiben uns manchmal sogar Zettel, die wir auf den Küchentisch legen!

Mit meinen Freunden halte ich den Kontakt per Telefon und E-Mail. Okay, manchmal auch per Facebook. Oder wir machen bei einem Treffen aus, wann das nächste wo stattfindet. Das funktioniert erstaunlich gut. Nur meine Freundin B. notiert die Termine immer in ihrem Smartphone, wo sie sie dann vergisst. Da braucht es regelmäßig einen Erinnerungsanruf.

Im Verein bekomme ich zwar einiges nicht mit. Aber wenn ich zum Beispiel als Tischbesetzung auf einem Wettkampf gebraucht werde, klappt es komischerweise jedes Mal: Dann werde ich nämlich persönlich angesprochen und darum gebeten. Na also, geht doch!

Natürlich habe ich den Vorteil, dass ich im Homeoffice arbeite und daher tagsüber sowieso viel Zeit am PC und neben dem (Festnetz-)Telefon verbringe. Meine Verwandten und Bekannten wissen, dass sie mich da ziemlich sicher erreichen. Andererseits: Ist das nicht bei den meisten anderen Menschen ähnlich? Man würde natürlich nicht so einfach wegen unwichtiger Dinge unter der Firmennummer anrufen. Andererseits geht es genauso zu Lasten der bezahlten Arbeitszeit, wenn Mitarbeiter am Arbeitsplatz nebenher ihre WhatsApp-Nachrichten auf ihrem Privathandy abrufen und beantworten. Und das tun wirklich viele.

Und wie funktioniert ein Leben ohne WhatsApp?

Einerseits stoße ich oft auf Unverständnis und muss mich mitunter sogar rechtfertigen, warum ich dermaßen altmodisch bin. „Schrullig“ nannte es neulich ein Freund (das gefällt mir :-)). Wahrscheinlich sind manche Bekanntschaften auch immer loser geworden, weil man mir keine WhatsApp-Nachrichten schicken kann, sondern ich nur so umständlich zu kontaktieren bin.

Andererseits schenkt diese Abstinenz mir Freiraum und Zeit:

Ich bekomme keine Blödelnachrichten, keine Mama-kannst-du-mich-doch-früher-oder-später-oder-woanders-abholen-und-auf-dem-Weg-noch-mein-Lieblingssmoothie-besorgen-Botschaften. Nachdem Anrufe und SMS offensichtlich so aufwendig sind, bekomme ich sie nur, wenn es wirklich wichtig ist. All die Terminabstimmungsrunden in irgendwelchen Gruppen spare ich mir, denn ich mache Termine persönlich oder telefonisch aus, und meine Zusage gilt. Ich weiß, dass die Menschen, die trotzdem mit mir Kontakt halten, Wert auf meine Freundschaft legen.

Ich muss nicht alle paar Minuten auf mein Smartphone schauen. Beim Arbeiten werde ich nicht ständig unterbrochen. Ich mache das Handy überhaupt nur an, wenn ich unterwegs bin. Ich kann am Bahnhof stehen oder im Café sitzen und Leute beobachten oder einfach nur nachdenken. Im Lokal kann ich mein Essen genießen und mich auf die Menschen konzentrieren, die mit mir am Tisch sitzen. Ich habe WhatsApp-frei!

Wäre das nicht auch etwas für Sie?

Da mache ich nicht mit! Bekenntnisse einer WhatsApp-Verweigerin

Warum Sie keine Null-Prozent-Finanzierung nutzen sollten

Null-Prozent-Finanzierung - 0 Prozent Finanzierung

Verlockend ist sie ja schon, so eine Null-Prozent-Finanzierung: Wenn man sie nutzt, muss man nicht mühsam ansparen und warten, bis man die benötigte Summe zusammenhat. Sondern man kann die schicke Couchgarnitur gleich bestellen, das neue Tablet sofort mitnehmen. Statt den ganzen Batzen Geld sofort auf den Tisch zu legen, zahlt man die Summe häppchenweise über eine lange Laufzeit zurück. So werden beispielsweise aus stolzen 795 Euro über zwölf Monate handliche 66,25-Euro-Raten. Ist doch super. Oder?

Eine Null-Prozent-Finanzierung hat drei gravierende Nachteile

Wie so oft in Geldangelegenheiten, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Auch wenn die Deutschen immer öfter auf Pump einkaufen. So las ich kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, dass rund zwei Drittel der Verbraucher in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Kredit aufgenommen hätten. 20 Prozent nutzten spezielle Autokredite, 14 Prozent Null-Prozent-Finanzierungen.

Nachteil 1: Sie kaufen teurer

Der kostenlose Kredit garantierte Ihnen noch lange nicht den besten Preis. Im Gegenteil: Selbst wenn der Anbieter keine Restschuldversicherung will und auch sonst keine Zusatzkosten wie eine Bearbeitungsgebühr anfallen, können Sie davon ausgehen, dass Sie mit Kredit mehr bezahlen als ohne. Schließlich hat kein Händler etwas zu verschenken, sondern er wird den Zusatzaufwand für den Kredit in seine Preise einkalkulieren. Dann ist das Tablet halt etwas teurer. Oder Sie bekommen für das Auto oder das Möbelstück nicht den Rabatt, den Sie bei Barzahlung oder Vorauskasse bekommen hätten.

Nachteil 2: Je länger Sie zahlen, desto geringer wird der Gegenwert

Sie können sich bei einem Ratenkauf nicht damit trösten, einen echten Gegenwert für Ihr Geld zu haben. Denn wenn das kreditfinanzierte Gut endlich wirklich Ihnen gehört, ist es nicht mehr neu. Für den Fall, dass Sie es wegen akuter Geldnot verkaufen müssten, würden Sie für die gebrauchten Stücke nur noch einen Bruchteil ihres Neuwerts erlösen können.

Das 795 Euro teure Sofa können Sie vielleicht nach einem halben Jahr noch für 250 Euro über Ebay losschlagen. Dumm nur, dass Sie bei einer Null-Prozent-Finanzierung über zwölf Monate dann noch fast 400 Euro abzuzahlen haben.

Nachteil 3: Sie engen Ihren finanziellen Spielraum ein

Der große Vorteil eines Ratenkredits ist, dass ein vergleichsweise großer Betrag in kleinere Raten aufgeteilt wird. Wie im Eingangsbeispiel: 795 Euro auf einen Schlag haben Sie vielleicht nicht, aber 66,25 Euro im Monat können Sie aufbringen.

Nur: Wenn Sie das können, könnten Sie doch auch einfach ein Jahr lang jeden Monat 66,25 Euro sparen und erst dann Ihr neues Sofa kaufen. Mit Barzahlerrabatt und ohne jeden Monat eine Rate zahlen zu MÜSSEN, egal ob gerade die Waschmaschine kaputtgegangen oder die Kfz-Versicherung fällig ist. Viele Menschen unterschätzen schlichtweg, dass sie auch mit den vermeintlich kleinen Raten zeitweise finanziell überfordert sein könnten. Insbesondere, wenn sie mehrere Finanzierungen parallel laufen haben.

Ein Ratenkauf bedeutet, dass Sie erst kaufen und dann sparen. Sie sparen also sozusagen rückwärts. Mein Empfehlung lautet andersherum: Erst sparen, dann kaufen. Vorwärtssparen.

Guter Kredit, böser Kredit?

Heißt das, dass Sie niemals und unter gar keine Umständen einen Ratenkauf mit oder ohne Null-Prozent-Finanzierung tätigen sollen? Nein.

Aber Sie sollten gut abwägen: Angenommen, Sie haben kein Auto, benötigen aber eines für eine neue, attraktive Arbeitsstelle. Dann ist es natürlich sinnvoller, das Auto zu finanzieren, als auf den Job zu verzichten. In diesem Fall ist das Auto eine Investition, die sich auszahlt. Das ist ein guter Kredit. Die meisten Ratenkredite werden aber für Elektronikartikel und Möbel aufgenommen, auf die man auch vorwärts sparen könnte. Diese Kredite sind verzichtbar. Selbst wenn das alte Sofa inzwischen ziemlich durchgesessen ist.

Mehr Tipps dazu, wie Sie auch mit wenig Einkommen gut auskommen, lesen Sie im Ratgeber Niemals pleite! Alles über die ersten Finanzen (Partnerlink*), den ich gemeinsam mit meine Kollegin Cordula Natusch geschrieben habe. Er richtet sich speziell an junge Leute, die ihren ersten eigenen Hausstand führen. Die darin beschriebenen Strategien und Werkzeuge sind aber auch für alle anderen Leute nützlich, die ihr Geld im Griff haben wollen.

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme.

Null-Prozent-Finanzierung - nein, danke!

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Hamburg abseits der Pfade: ein Streifzug durch Hamburg-Wilhelmsburg

die Windmühle Johanna in Hamburg-Wilhelmsburg

Kürzlich war ich in Hamburg und habe dort meine Freundin Cordula Natusch besucht, die derzeit an der Erweiterung und Neuauflage ihres Reiseführers Hamburg abseits der Pfade arbeitet, der im November 2018 im Braumüller Verlag erscheint. (Nein, das ist kein Partnerlink, an dem ich etwas verdiene, sondern ein Link zu Amazon aus Servicegründen für meine Leser.) Anlässlich meines Besuchs durfte ich sie auf einer Recherchetour durch den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg begleiten, und zwar mit dem Fahrrad.

Falls Sie in Hamburg jemals ein Fahrrad mieten wollen: Ich empfehle gerne die Zweiradperle in der Altstädter Straße. Wir waren mit der Auswahl, dem Service und dem Zustand der Räder sehr zufriedem. (Auch dies ist keine irgendwie geartete Werbung, sondern eine Empfehlung aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen als ganz normale Kundin.) Bei der Zweiradperle bieten sie auch geführte Radtouren an, aber ich würde für Wilhelmsburg jederzeit die Tour aus Hamburg abseits der Pfade II wählen: Wir hatten einen tollen, abwechslungsreichen Tag. Schön flach ist es in Hamburg ja sowieso, das Radeln ist also keineswegs anstrengend.

Mit dem Fahrrad unterwegs in Hamburg-Wilhelmsburg

Zunächst sind wir zu den Landungsbrücken gefahren und von dort aus weiter mit der Hafenfähre Nr. 73 bis zur Ernst-August-Schleuse. Die Fähre kann mit dem ganz normalen HVV-Ticket benutzt werden. Wie Busfahren, nur viel cooler. Kurz nach der Schleuse musste ich schon wieder vom Fahrrad absteigen, denn hinter einem Straßendamm gab es so tolle Streetart zu fotografieren!

Mauer mit Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Das wollte ich mir natürlich ganz genau ansehen:

Junge mit Schlange - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Scifi - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Gefällt mir sehr gut!

Hirschkäfer - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Auf der anderen Straßenseite lockte gleich das nächste Motiv.

Häuserwand - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Da wir ja nicht wegen der Streetart gekommen waren, sondern wegen der Recherchtour, fuhren wir erst einmal weiter nach Wilhelmsburg hinein, bis zum Energiebunker. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der inzwischen zu einem regenerativen Kraftwerk mit Großwärmespeicher ausgebaut wurde. Oben drauf ist ein Café mit dem schönen Namen Vju. Tatsächlich hat man von der Caféterrase aus einen tollen Blick auf die Stadt. Ich habe aber erst einmal das Graffito fotografiert.

Der Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg

Graffito auf dem Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg

Sehr sehenswert: der Inselpark, Willi Villa, eine alte Windmühle und die Bunthäuser Spitze

Vom Energiebunker ist es nicht weit zum IGA-Gelände von 2013, das heute als Wilhelmsburger Inselpark für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es ist ein ganz reizender Park, in dem auch ein nettes Café liegt, nämlich die Willi Villa.

Willi Villa in Hamburg-Wilhelmsburg

Seeterrasse an der Willi Villa in Hamburg-Wilhelmsburg

Spätestens hier war ich davon überzeugt, dass das Gerücht unmöglich stimmen kann, wonach Wilhelmsburg eine „schlechte Gegend“ in Hamburg sei. Wenn Ihnen das jemand erzählt, brauchen Sie es nicht zu glauben. Es ist sicher ziemlich multikulti dort, auch eine witzige Mischung aus Urbanität und Ländlichkeit, vor allem aber richtig schön.

Sehr gepflegt ist es in der Gegend rund um die Kreuzkirche.

Kreuzkirche in Hamburg-Wilhelmsburg

Besonders die alte Mühle fand ich toll; so etwas gibt es bei uns im Allgäu nicht!

die Wilhelmsburger Windmühle in Hamburg

Sie trägt übrigens den Namen Johanna und es gibt einen eigenen Verein, der diverse Veranstaltungen in der Wilhelmsburger Windmühle organisiert.

Ausgesprochen ländlich wirkt Hamburg-Wilhelmsburg im südöstlichen Bereich. Dort stehen nur noch wenige Häuser, dafür gibt es viele Felder und das Naturschutzgebiet Heuckenlock. Das haben wir uns nicht näher angesehen, sondern wir sind weiter an den südöstlichsten Zipfel der Wilhelmsburger Insel geradelt: an die Bunthäuser Spitze, wo sich die Elbe in die Norder- und Süderelbe teilt. Dort steht sogar ein sehr niedlicher Leuchtturm.

Leuchtturm an der Bunthäsuer Spitze in Hamburg-Wilhelmsburg

Das Café am Campingplatz nebenan hatte zu, deswegen haben wir hier nur eine kleine Brotzeitpause gemacht und auf die Elbe geschaut. Rechts von der Bunthäuser Spitze beginnt schon Niedersachsen.

die Bunthäuser Spitze in der Elbe bei Hamburg

Flach, aber interessant: der Energieberg Georgswerder

Das war sicher der lustigste Teil unserer Recherche: Wir suchten die den Energieberg, fanden ihn aber erst nicht, weil er mit seinen 40 Metern Höhe so niedrig ist, dass er hinter Bäumen und Häusern nicht zu sehen war. Im Allgäu würde der nicht einmal als richtiger Hügel durchgehen … es ist sowieso keine natürlich Erhebung, sondern eine ehemalige Mülldeponie. Heute befindet sich darauf zum einen ein Informationszentrum,

Informationszentrum zum Energieberg Georgswerder

zum anderen wird dort tatsächlich Energie für über 4.000 Haushalte gewonnen: durch Windräder, Photovolatikanlagen und das Gas, das bei den Zersetzungsprozessen in der Deponie entsteht.

der Energieberg in Hamburg-Wilhelmsburg

Auf dem baumlosen Gipfel befindet sich ein Rundweg, von dem aus man weit ins Umland schauen kann.

Auf dem Energieberg in Hamburg-Georgswerder

Wobei der Blick nicht ganz so idyllisch ist, wie ich das vom Alpenrand kenne.

Blick vom Energieberg auf Hamburg

Wie schön, dass ich Hamburg-Wilhelmsburg unter so kundiger Führung und in fröhlicher Gesellschaft kennenlernen durfte! Am besten gefallen haben mir der Inselpark und die Bunthäuser Spitze. Vielleicht schaffe ich es ja einmal zum Mühlentag zur Windmühle Johanna …

Ein Streifzug durch Hamburg-Wilhelmsburg

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Der Waldmops in Brandenburg – eine Fotosafari auf Loriots Spuren

Impressionen aus Chemnitz: Kunst & Kontraste

Kleiner Streetart-Streifzug durch Chemnitz

Achtung: Negative Sprache führt zu negativem Denken

Frau mit negativen Gedanken

Wieso ist negative Sprache ein Thema? Ganz einfach: Unsere Sprache prägt unser Denken. Wir können keine Gedanken formulieren, für die uns die Worte fehlen. Umgekehrt bringen uns bestimmte Worte in bestimmte Gedanken- und Stimmungswelten. Daher beunruhigt es mich, wie unsere Sprache sich im öffentlichen Diskurs gerade verändert.

Zum ersten Mal bin ich stutzig geworden, als plötzlich an vielen Stellen von „Gutmenschen“ zu lesen war. Bezogen war das auf die Anhänger jener kurzlebigen Willkommenskultur, die mit Kleider- und Lebensmittelspenden am Bahnhof standen und applaudierten, wenn neue Flüchtlinge ankamen. Ein bisschen naiv war das gewiss. Aber auch sympathisch und liebenswert. Und immerhin ein Versuch, Gutes zu tun.

„Gutmensch“ ist heute eine abwertende Bezeichnung, fast ein Schimpfwort, für Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Selbst in solide bürgerlichen Kreisen höre ich diese Bezeichnung heute öfter mit diesem verächtlichen Unterton.

Was ist schlecht an einem Menschen, der versucht, anderen Gutes zu tun?

Negative Sprache – von der Welle zur Krise

Dann wurde aus den zunehmend ankommenden Flüchtlingen und Asylsuchenden eine Flüchtlingswelle. Assoziiert mit Tsunamis, Riesenwellen, die alles überfluten und zerstören.

2015 kamen wirklich sehr viele Menschen nach Deutschland, die hier Asyl oder sonstigen Schutz suchten. Inzwischen sind es wesentlich weniger; derzeit kommen nur etwa so viele Asylsuchende in Deutschland an wie Anfang der 90er Jahre (Beleg hier). Ist Deutschland überspült und verwüstet worden? Leben wir in einem Land, das von einer Katastrophe heimgesucht wurde und sie nur knapp überlebt hat? Kämpfen wir verzweifelt ums Überleben?

Wohl kaum. Die Wirtschaft wächst, die Renten steigen. Die Staatsverschuldung sinkt, die Arbeitslosigkeit und auch die Zahl der Straftaten sind so niedrig wie seit Jahren nicht. Was nicht heißt, dass hier alles perfekt wäre. Es fehlen Wohnungen, am Sozialsystem gilt es noch einiges umzubauen. Die Digitalisierung stellt uns vor neue Herausforderungen. Wir leben nicht im Paradies. Aber doch wohl weit entfernt vom Untergang.

Wer heute auch nur „flüch“ bei Google eingibt, bekommt an Platz drei der häufigsten Suchbegriffe bereits die „Flüchtlingskrise“ angeboten.

Wieso eigentlich nicht die „Flüchtlingschance“ oder wenigstens die „Flüchtlingsherausforderung“? Normalerweise ist doch von jeder Krise zu lesen, sie sei auch eine Chance. Bei den Flüchtlingen soll das aber offenbar nicht so sein, hier wird auf dem Krisenmodus bestanden. Obwohl doch nach und nach erste Erfolge der Integrationsarbeit sichtbar werden: Immer mehr Flüchtlinge bestehen ihre Deutsch-Prüfungen auf Niveau B1 oder B2, finden Arbeit, schließen Ausbildungsverträge. Sie lindern den Fachkräftemangel, zahlen Steuern und Sozialabgaben und tragen zur Wertschöpfung in unserem Land bei. Ausbildung und Integration von Flüchtlingen lohnen sich für eine Gesellschaft, wie auch dieses Interview mit dem Historiker Phlipp Ther zeigt.

Negative Sprache dient auch dazu, Menschen abzuwerten

Wer vor Krieg, Terror, Verfolgung und Perspektivlosigkeit geflohen ist, wurde in den letzten Monaten zum Wirtschaftsflüchtling oder illegalen Einwanderer umdeklariert. „Illegal“ ist ein Flüchtling dann, wenn er unerlaubt eingereist ist und „unerlaubt“ heißt: ohne Pass und Visum. Das trifft naturgemäß auf die meisten Menschen zu, die aus akuter Gefahr fliehen und ihre Flucht nicht von langer Hand vorbereiten können.

Wer keinen Pass beibringen kann, ist ein „Identitätsverweigerer“. Selbst dann, wenn er in seinem Heimatland nie einen Pass besessen hat (ja, das gibt es, und zwar gar nicht so seltem) und die Behörden dort sich weigern, ihm einen auszustellen. Selbst dann, wenn er alles versucht hat, um trotzdem einen Pass zu bekommen. Wer es nicht schafft, wird zum Verweigerer erklärt. Das genügt als Grund für eine Abschiebung.

Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und dafür sorgen, dass sie die ihnen zustehenden Rechte wahrnehmen können, sind im Sprachgebrauch von durchaus bürgerlichen Politikern zu „Abschiebe-Saboteuren“ bzw. zur „Abschiebeverhinderungs-Industrie“ mutiert. Als wären sie Kriminelle oder würden aus der Flüchtlingshilfe ein Geschäft machen und damit fragwürdige Reichtümer anhäufen. Dabei bringen Flüchtlingshelfer sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten ein. Und Anwälte tun das, was ihr Job ist.

Auf der anderen Seite wird sprachlich schöngefärbt

Die „Abschiebung“ wird mitunter als „Rückführung“ deklariert. Das klingt nett, wie wenn man ein verirrtes Schäfchen nachhause bringen würde. Dabei werden die Menschen gegen ihren Willen nachts oder frühmorgens von der Polizei abgeholt und in einen Flieger verfrachtet. Oder vorher noch ins Gefängnis gesteckt. Das ist keineswegs ein sanftes Rückführen in den friedlichen Schoß des Heimatlandes.

Ein Geniestreich der pseudopositiven Sprache sind auch die geplanten Ankerzentren. Ein Anker steht schließlich für festen Halt auf unsicherem Grund. Selbst der Dreiklang aus Ankunft, Entscheidung und Rückführung, aus dem das Wort gebildet wurde, klingt noch positiv, so zupackend. Faktisch handelt es sich um Massenunterkünfte, in denen Flüchtlinge ohne Geldleistungen, ohne Deutschkurse, ohne Beschäftigungs- oder Arbeitsmöglichkeiten kaserniert werden, bis über ihren Fall entschieden ist. Da die meisten Asylanträge abgelehnt werden, werden viele Menschen dort bleiben müssen, bis sie abgeschoben werden. Monatelang, oft jahrelang. Für sie bieten diese Zentren alles andere als einen Anker. Der korrekte Name wäre „Abschiebelager“.

Das mag das sein, was viele Menschen in unserem Land tatsächlich wollen. Es sollte dann aber auch klar und ohne Verlogenheit als das benannt werden, was es ist.

Die versprochene „Grenzsicherung“ bedeutet übrigens vor allem verstärkte Überwachung und Kontrollen an allen innereuropäischen Grenzen. Das heißt: Stau, lange Wartezeiten bei der Einreise, Verzögerungen im Warenverkehr. Das wollen wahrscheinlich nicht so viele Bürger. Darum wird dieses Vorgehen ja auch „Sicherung“ genannt. Das klingt gleich viel besser.

Negative Sprache setzt einen Rahmen für negative Gedanken, schönfärberisch positive Sprache verführt zu Fehleinschätzungen in die andere Richtung. Ich denke, wir sollten versuchen, ehrlich miteinander zu sein. Wir sollten Probleme benennen und ruhig auch miteinander streiten. Aber ohne Andersdenkende abzuwerten, ohne Schutzsuchende zu entmenschlichen (Welle/Flut/Illegale). Und ansonsten aufmerksam dafür bleiben, wenn Sprache gezielt manipulativ eingesetzt wird.

Achtung: Negative Sprache führt zu negativem Denken

Und trotzdem: Ein Plädoyer für das Reisen mit der Bahn

Reisen mit der Bahn - Szene am Hauptbahnhof Frankfurt

Das Reisen mit der Bahn ist manchmal äußerst nervig: Züge kommen verspätet oder fallen komplett aus, drinnen ist es wahlweise zu kalt oder zu warm. Wenn es richtig heiß wird, fällt die Klimaanlage aus. Die Toiletten sind meist belegt, oft in erbärmlichem Zustand, manchmal wegen Funktionsunfähigkeit gesperrt. Das Bordbistro ist entweder voll oder ausverkauft oder kaputt. Teuer ist es sowieso.

Und dann erst die Mitfahrer: Vergleichsweise gut dran ist der Reisende, dessen Sitznachbar friedlich schläft, selig vor sich hin schnarcht und sich vertrauensvoll gegen ihn lehnt. Schlimmer hat es den getroffen, der neben einem Dauertelefonierer sitzt und dessen höchst private oder berufliche Angelegenheiten in ausführlicher und lautstarker Erörterung mithören darf. Oder die Musik in den Kopfhörern des Nachbarn.

Und trotzdem: Ich empfehle jedem das Reisen mit der Bahn

Dafür gibt es eine Menge guter Gründe:

  1. Bahnfahren ist ökologisch wesentlich verträglicher als Autofahren oder gar Fliegen.
  2. Wer mit der Bahn fährt, braucht sich um Unfälle, Staus und Parkplätze keine Gedanken zu machen. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Sie stehen als Autofahrer nicht im Stau, Sie sind der Stau!
  3. Es gibt etliche Strecken, auf denen die Bahn genauso schnell oder sogar schneller ist als das Auto (besonders wenn das Reiseziel in der Innenstadt liegt).
  4. Für Alleinfahrer ist die Bahn auch preislich oft günstiger als das Auto; jedenfalls, wenn man frühzeitig bucht und die Parkgebühren in die Vergleichsrechnung einbezieht.
  5. Die Zeit im Auto ist verlorene Zeit – während Sie fahren, können Sie schließlich nichts anderes tun außer vielleicht Radio bzw. Hörbücher zu hören oder zu telefonieren. Im Zug dagegen können Sie auch dösen, lesen, nachdenken, Leute beobachten, Filme ansehen, Spiele spielen und sogar arbeiten. Dieser Text beispielsweise ist auf einer Fahrt nach Darmstadt entstanden.
  6. Beim Autofahren ist Müdigkeit gefährlich. Beim Bahnfahren dürfen Sie unkonzentriert sein, nach einem langen Tag einfach nur abschalten oder sogar schlafen (dabei aber bitte den Kopf nicht auf der Schulter des Sitznachbarn ablegen).
  7. Wer in einen Zug steigt, verlässt seine Filter- und Lebensblase. Am Bahnhof und im Zug bildet sich eine höchst gemischte Gesellschaft: Hier treffen junge Familien und Rentnergruppen aufeinander, Schüler und Geschäftsreisende, Touristen und Asylbewerber, Studenten, Arbeitslose, Obdachlose, Professoren, Freiberufler – einfach alle außer denen, die lieber allein für sich im Auto sitzen als dem prallen Leben zu begegnen.
  8. Zugfahren lehrt Geduld mit den Mitmenschen. Man kann genervt sein von den Mitreisenden. Man kann sie aber auch beobachten und sich an der Vielfalt freuen und daran, wie es in diesem ganz besonderen Biotop auf Zeit menschelt.
  9. Reisen mit der Bahn schult die geistige Flexibilität und lehrt Demut. Wenn der reservierte Sitzplatz von einer alten Dame belegt ist, suche ich mir eben einen anderen. Hat ein Zug zu viel Verspätung für meinen geplanten Anschluss, finde ich schon eine andere Verbindung. Dauert die Fahrt dadurch länger, lese oder schreibe ich eben noch etwas mehr. Es gibt Schlimmeres, ehrlich.

voller Bahnsteig am Bahnhof Darmstadt

Mit ein paar Tipps gelingt das Reisen mit der Bahn noch besser

  1. Buchen Sie bevorzugt Verbindungen, bei denen Sie nicht mehr als einmal umsteigen müssen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Sie einigermaßen pünktlich ankommen, wenn Sie zwei- oder mehrmals umsteigen müssen.
  2. Reservieren Sie einen Sitzplatz, wenn Sie eine beliebte Strecke fahren. Ganz besonders, wenn Sie das am Montagmorgen oder freitags tun.
  3. Nehmen Sie auch an warmen Tagen eine Jacke mit. Unter so mancher Klimaanlage zieht die Luft so kühl heran, dass Sie sonst eine Erkältung riskieren.
  4. Packen Sie bei längeren Fahrten immer eine Flasche Wasser und einen kleinen Snack für unterwegs ein. Auf das Bordbistro ist kein Verlass.
  5. Nehmen Sie eine Beschäftigungsmöglichkeit mit; falls Sie Umgebungsgeräusche ausschalten wollen, ruhig auch Ihre Kopfhörer. Ich persönlich finde es allerdings schade, wenn Reisende sich so abschotten – Sie verpassen dann einiges.

Nein, auch ich fahre nicht immer mit der Bahn. Manche Orte sind von meinem Wohnort tief im Allgäu aus auf der Schiene so schlecht zu erreichen, dass ich dann doch das Auto nehme. Und ja, ich gebe zu, dass ich meine Mitreisenden nicht immer genieße und beim zweiten verpassten Anschluss auch mal die Geduld verliere.

Und trotzdem: Ich mag das Reisen mit der Bahn. Probieren Sie es doch auch mal aus. Und erzählen Sie mir von Ihren Erfahrungen.

9 gute Gründe für das Reisen mit der Bahn

Mein aktuelles Projekt: der ADAC-Reiseführer Allgäu

Cover ADAC-Reiseführer Allgäu blau

Die klassischen ADAC-Reiseführer in Blau oder Gelb kannte ich natürlich schon lange. Dass ich einmal selbst einen schreiben würde, hätte ich aber nicht gedacht – bis die Anfrage bei mir ankam: Beide Reiseführerreihen sollten komplett überarbeitet und neu gestaltet werden. Ob ich nicht die beiden Allgäu-Bände übernehmen wolle, denn die bisherige Autorin habe keine Zeit dafür? Klar wollte ich.

Und daran arbeite ich schon seit einigen Wochen. Ganz schön intensiv. Denn es geht um weit mehr als um eine Aktualisierung: Der komplette Text wird neu strukturiert, es gibt neue Rubriken, neue Service-Elemente, eine neue Kapitelstruktur und auch ein völlig neues Design. Ich bin also fleißig am Umbauen, Streichen, Ergänzen, Recherchieren und Aktualisieren. Es geht stetig voran und inzwischen habe ich das neue Konzept der „blauen Reihe“ der ADAC-Reiseführer schon so gut verinnerlicht, dass ich nicht mehr ständig im (über 100-seitigen) Autorenleitfaden blättern muss.

So wird der neue ADAC-Reiseführer Allgäu aussehen

Das Cover steht bereits fest und gefällt mir sehr gut:

Cover ADAC-Reiseführer Allgäu blau

Kühe und Königsschlösser kommen natürlich darin vor. Aber auch noch eine ganze Menge mehr, so viel kann ich versprechen.

Der Band wird im September 2018 erscheinen, ist aber derzeit schon vorbestellbar. Zum Beispiel hier bei Amazon (Partnerlink*):

ADAC Reiseführer Allgäu: Der Kompakte mit den ADAC Top Tipps und cleveren Klappkarten

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme.

Und wenn der blaue ADAC-Reiseführer übers Allgäu fertig ist, mache ich mich an den Band aus der gelben Reihe. Die ist nämlich umfangreicher und hat eine Menge Platz für „magazinige“ Texte für Allgäu-Fans. Auf die freue ich mich schon!

Der Waldmops in Brandenburg – eine Fotosafari auf Loriots Spuren

Waldmops am Mühlentorturm in Brandenburg

Wer Brandenburg an der Havel das erste Mal besucht, weiß wahrscheinlich gar nicht, dass in dieser hübschen Stadt Vicco von Bülow alias Loriot geboren wurde – und dass hier heute auch der wilde Waldmops zuhause ist. Ich wusste es jedenfalls nicht. Genau genommen sind es sogar ziemlich viele Waldmöpse, die sich rund um die Johanniskirche, in der Altstadt und auf der Dominsel tummeln. Nachdem ich den ersten entdeckt hatte, machte ich mich auf die Jagd nach den anderen. Hier ist das Ergebnis meiner Fotosafari.

Der Waldmops in Brandenburg - eine Fotosafari auf Loriots Spuren

Was bitte ist ein Waldmops?

Ach so, ja, das sollten wir vorab noch klären. Dazu gibt es einen Sketch von Loriot, in dem er als Tierforscher auftritt und den Mops evolutionär auf den Elch zurückführt. Er sei aber inzwischen durch die menschliche Züchtung degeneriert, da 14-Ender nicht auf den Schoß älterer Damen gepasst hätten. Nur der scheue Waldmops habe die Würde seiner wilden Vorfahren bewahrt, streife noch durch die Wälder und nehme Vogelnester aus. Der wilde Waldmops hat kurze Hörner und ein Ringelschwänzchen. So wie dieses Exemplar, das sich vor der Tourist Info in Brandenburg räkelt.

Loriot'scher Waldmops an der Tourist Information in Brandenburg an der Havel

Und wie kommt der mythische Waldmops nun nach Brandenburg an der Havel?

Nach dem Tod Loriots wollte die Stadt ihm ein Denkmal setzen. Beim Gestaltungswettbewerb reichte die Innenarchitekturstudentin Clara Walter den Entwurf eines „Waldmops-Zentrums“ an der St.-Johannis-Kirche ein. Dazu gehörten drei von ihr gestaltete, 50 Zentimeter hohe Mops-Skulpturen aus Bronze. Die Jury war begeistert. Und das Mops-Rudel wuchs und wuchs.

Waldmöpse rund um die Jahrtausendbrücke in Brandenburg

Die Brücke ist ein Wahrzeichen der Stadt, das die beiden Stadtzentren rechts und links der Brandenburger Niederhavel miteinander verbindet.

Die Jahrtausendbrücke in Brandenburg an der Havel

Hier ruht ein Waldmops friedlich am Ufer und beobachtet die Enten …

liegender Waldmops an der Jahrtausendbrücke in Brandenburg

dort steigt er die Treppe vom Uferbereich hinauf.

Mops an der Jahrtausendbrücke in Brandenburg an der Havel

Ein weiteres Exemplar hat es sich vor der ehemaligen Brandenburger Werft, in der sich heute in schickes Lokal befindet, gemütlich gemacht.

Waldmops an der Werft in Brandenburg

Dieser freche Geselle ist einer der ersten drei Waldmöpse; im Hintergrund ist die Johanniskirche zu sehen bzw. das, was nach dem Zweiten Weltkrieg von ihr übrig geblieben ist.

Loriotscher Waldmops an der Johanniskirche in Brandenburg an der Havel

Unweit davon schnüffelt der nächste Mops im Gras,

Mops in der Nähe der Johanniskirche

und hinter der Kirche hebt sogar einer frech sein Bein.

urinierender Waldmops an der Johanniskirche

Der hier dagegen tut, als könnte er kein Wässerchen trüben.

sitzender Waldmops an der Havel

Weitere Wahrzeichen und Waldmops-Exemplare

Wachsam steht der Ritter Roland vor dem Altstädtischen Rathaus.

Altstädtisches Rathaus in Brandenburg an der Havel

Was er wohl über den Waldmops denkt, der auf dem Rathausplatz neugierig über den Brunnenrand lugt?

Walsmops am Brunnen vor dem Altstädtischen Rathaus

Auf der Mops-Safari in Brandenburg an der Havel habe ich übrigens noch andere niedliche Tiere gefunden. Im Plauer Torturm lugen sie vorwitzig aus den Schießscharten. Ein Kamel, ein Schwein, ein Ochs und eine Schlange.

der Plauer Torturm in Brandenburg an der Havel

Und eine Maus. Sie scheint evolutionär nicht mit dem wilden Waldmops verwandt zu sein.

Maus im Plauer Torturm in Brandenburg

Von denen steht das nächste Exemplar gleich gegenüber, auf der anderen Straßenseite.

trinkender Waldmops am Plauer Torturm

Auch in der Neustadt finden sich Möpse, und zwar nicht nur vor der Tourist-Info, sondern auch am Brandenburger Stadtkanal. Der Walsmops liebt anscheinend das Wasser.

liegender Waldmops von hinten an der Havel

Hier späht einer über ein Mühlrad am Mühlentorturm.

Waldmops am Mühlentorturm in Brandenburg

Und der hier scharrt interessiert auf der Dominsel herum.

Mops in der Nähe des Brandenburger Doms

Der uralte Brandenburger Dom St. Peter und Paul ist übrigens ein sehr lohnendes Besichtigungsziel. Überhaupt hat es mir in der Havelstadt gut gefallen. Aber am meisten Spaß hatte ich mit den Möpsen. Wie Loriot schon sagte:

Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.

Herausfordernd: der Kommunikationsmix für eine multiple Personenmarke

bkr - mein Kürzel

Marken sind für Menschen ungeheuer nützlich: Wenn etwas „markiert“ ist, erkennen wir es wieder. Wir finden über einen markierten Weg durch unbekanntes Gelände. Marken geben Orientierung.

Kunden entscheiden sich für Markenprodukte, weil sie wissen, was sie erwartet. Eine Marke steht schließlich für ein Qualitätsniveau, ein typisches Design, ein bestimmtes Image. Daher erzeugt sie Vertrauen. Das ist nicht nur bei Produkten so, sondern auch bei Personen, die man als Dienstleister, Berater, Trainer sucht. Kunden beauftragen Menschen, die sie für kompetent und vertrauenswürdig halten und die klar positioniert sind.

Meine Positionierung sagt,

  • wer ich bin,
  • welche Leistungen ich für wen anbiete und
  • warum mein Angebot einzigartig ist.

So können meine potenziellen Kunden erkennen, dass genau ich die Person bin, die ihr aktuelles Problem/ihre Aufgabe am besten lösen kann. Natürlich nur, wenn sie mich und mein Angebot überhaupt finden und wiedererkennen. Ich muss also auch als Person eine Marke sein. Nun hätte ich mich selbst nicht unbedingt solche bezeichnet. Bis ich diese Definition las:

Jeder von uns ist eine Personenmarke – auf die eine oder andere Weise; öffentlich oder im privaten Kreis; beruflich oder ehrenamtlich. In dem Moment, in dem wir mit anderen interagieren (oder auch uns bewusst entscheiden, nicht zu interagieren) erzeugen wir bei anderen einen Eindruck, ein Bild. Wir haben eine Reputation, ein Image.
(…)
Eine Personenmarke ist nicht das, was ich selbst aufbaue, sondern das, was andere über mich wahrnehmen. Ich kann also bewusstes Personal Branding betreiben. Kontrollieren kann ich es aber nur bedingt. Denn die Personenmarke (…) entsteht erst im Auge, im Ohr, im Kopf meiner Empfänger und Gesprächspartner.

Sie stammt von der von mir sehr geschätzten Social-Media-Expertin Dr. Kerstin Hoffmann, die zu einer Blogparade aufgerufen hat, an der ich mit diesem Beitrag teilnehme:

Mein persönlicher Kommunikationsmix – Blog- und Webparade für Personenmarken #personalbrandmix

Was macht meine Personenmarke aus?

Da Sie hier auf meiner Website gelandet sind, ist das für Sie einfach zu erkennen: Ich bin Barbara Kettl-Römer. Ich schreibe Einfach gute Texte. Sie können mich auf der Startseite auf einem großen Foto sehen und sich buchstäblich ein Bild von mir machen.

Sartseite der Website kettl-roemer.de

Meine Website dient als Visitenkarte im Netz. Und als Kommunikationsplattform, denn hier blogge ich auch. Aber nicht nur hier.

Meine Positionierung hat mir durchaus Kopfzerbrechen bereitet, denn ganz so klar und eindeutig wie zum Beispiel bei Dr. Kerstin Hoffmann kann sie angesichts meiner unterschiedlichen Themenfelder (und Blogs) nicht ausfallen.

Als Personenmarke bin ich nämlich eine multiple Persönlichkeit

Als Diplom-Kauffrau bin ich spezialisiert auf Wirtschaftsthemen und Ratgebertexte. Also blogge ich auf meiner Website über Finanzthemen, rezensiere Fachbücher, gebe Tipps zum Selbstmanagement, kommentiere aktuelle Entwicklungen und erzähle von meinen Eindrücken, wenn ich auf einer Messe oder zu einem Seminar unterwegs war. Dadurch werde ich als Person stärker sichtbar, als ich es über eine statische Website jemals sein könnte.

Gleichzeitig bin ich mit meiner Kollegin und Freundin Judith Engst als Die Briefprofis unterwegs. Die Grundidee war, Unternehmen und Privatpersonen beim Schreiben kniffliger Briefe zu unterstützen bzw. es für sie zu übernehmen. Für Privatpersonen schreiben wir heute nur in Ausnahmefällen, für Unternehmen schreiben wir Werbebriefe, überarbeiten Textbausteine und Musterbriefe und halten Inhouse-Workshops. Unser Briefprofi-Blog mit Tipps rund ums Schreiben im Beruf zieht jeden Monat über 10.000 Besucher an.

Satrseite von diebriefprofis-blog.de - Teil meiner Personenmarke

Meine dritte Netzpersönlichkeit ist die als Reisejournalistin für das Allgäu. Die Keimzelle dafür war mein (privates) Reiseblog Tief im Allgäu, das ich 2012 gestartet habe.

Satrseite von Tief im Allgäu - Teil meiner Personenmarke

Inzwischen habe ich über das Blog auch die Aufmerksamkeit von Verlagen geweckt. So habe ich 2016 den Marco Polo Reiseführer Allgäu als Bearbeiterin übernommen und einen neuen Reiseführer Allgäu mit Kindern geschrieben, der 2017 im Peter Meyer Verlag erschienen ist. Gerade habe ich den Vertrag für einen weiteren Allgäu-Reiseführer in einem dritten Verlag unterschrieben.

Mein Erscheinungsbild ist entsprechend vielschichtig

Mein Auftritt als Reisejournalistin unterscheidet sich deutlich dem als Briefprofi und dem auf meiner Website. Ich halte das für sachlich geboten, weil ich mit ersterem Privatleute anspreche, mit den anderen beiden Themen Unternehmen.

Ich bin auf Recherche oft mit meiner Familie oder einer Freundin unterwegs, wodurch die Posts automatisch einen etwas persönlicheren Charakter bekommen. (Persönlich, nicht privat! Und ich mache niemals Selfies, weil ich die einfach doof finde.) Meine Portraitfotos sind ebenfalls unterschiedlich, weil ich nicht in Businesskleidung auf Recherchetour oder zum Wandern gehe.

Möglicherweise verwischt das mein Profil und damit meine Personenmarke. Vielleicht zeigt es auch nur, dass ich eine Person mit mehreren Facetten bin. Da bin ich mir nicht sicher. Da ich auf keinen der drei Bereiche verzichten möchte, habe ich aber keine andere Lösung.

Trotzdem versuche ich, ein klares Profil zu zeigen:

Jeder meiner Kunden bekommt von mir Einfach gute Texte. Das ist die Klammer über meine drei Themenbereiche Wirtschaft, Korrespondenz, Reise/Allgäu.

Und jeder Kunde bekommt automatisch etwas von meinen Werten ab: Ich bin Dienstleisterin, arbeite aber auf Augenhöhe. Ich schreibe nur über Dinge, von denen ich etwas verstehe oder frage bei meinem Kunden so lange nach, bis ich es verstehe. Bei mir gibt es Klartext, kein Geschwurbel. Ich stehe in jedem meiner Themenbereiche für Professionalität und Qualität.

So sieht mein Kommunikationsmix konkret aus

Auf dem Briefprofi-Blog posten wir wöchentlich im Wechsel, auf Tief im Allgäu poste ich alle acht bis zehn Tage einen neuen Beitrag. Auf kettl-roemer.de möchte ich zweimal im Monat einen substanziellen Text bringen. Meistens klappt das.

Auf keinem der drei Blogs mache ich irgendwelche bezahlten „Kooperationen“ oder werblichen Aktionen. Einzige Ausnahme sind Partnerlinks zu meinen eigenen Büchern oder zu welchen, die ich in einer Rezension für gut befunden habe. Das ist für mich eine Frage der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit. Ich mache aber gerne bei Blog- und Fotoparaden mit; die Vernetzung mit anderen Bloggern macht mir Spaß und ich lerne jedes Mal etwas dazu.

Ich bin bei Facebook als Barbara Kettl-Römer aktiv. Dort verlinke ich vor allem Berufsbezogenes und alles, was ich auf meiner Website veröffentliche. Manchmal mischt sich aber auch Persönlicheres oder sogar etwas Politisches darunter. Durch Letzteres mache ich mich möglicherweise angreifbar, aber ich finde es angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen wichtig, auch hier Profil zu zeigen.

Zusätzlich habe ich auf Facebook eigene Fanpages für die Briefprofis und Tief im Allgäu, wo ich meine jeweiligen Posts und andere passende Inhalte verlinke. Bei Facebook führe ich also auch eine Parallelexistenz in unterschiedlichen Themenwelten; einerseits bin ich in diversen Allgäu-Gruppen aktiv, andererseits tausche ich mich mit anderen Selbstständigen aus und bin bei PRINZIP KOSTENLOS, der FB-Gruppe von Kerstin Hoffmann.

Auf Pinterest bin ich seit 2017 ebenfalls unter meinen Namen angemeldet und pinne auf die unterschiedlichsten Boards von Allgäu mit Kindern über diverse Reise-Gruppenboards über Job im Griff und Geld im Griff bis Schreiben im Beruf.

XING ist für mich eine Art Adressbuch. Twitter habe ich noch nicht probiert und habe es auch nicht vor. Instagram möchte ich gerne erkunden, wenn ich mal etwas Zeit dafür habe (wann das wohl sein wird?). Auf den ersten Blick gefällt mir die typische, ziemlich künstliche Bildwelt dort nicht so gut, aber das muss ich mir eben noch genauer ansehen.

Und so funktioniert meine Positionierung samt Kommunikationsmix

Kernelemente meiner Kommunikation sind meine drei Blogs. Die Besucherzahlen steigen kontinuierlich. Nur auf meinem Website-Blog sind sie noch recht niedrig. Das ist auch die Quittung dafür, dass ich dort in den letzten Jahren deutlich weniger aktiv war als in den anderen beiden Blogs.

Auf Facebook habe ich nette Kontakte geknüpft und pflege sie. Von dort kommen aber nicht so sehr viele Besucher auf meine Blogs und auch keine konkreten Anfragen.

Pinterest hat dagegen speziell für mein Allgäu-Blog einen Riesenschub gebracht, wodurch meine Beiträge auch bei Google ordentlich aufgestiegen sind. Zwei meiner drei Reiseverlagskunden haben mich über dieses Blog gefunden, insofern erfüllt es seine Markierungsfunktion. Ich hoffe, das tut es auch für potenzielle Reiseführerkäufer …

Ach ja, beinahe hätte ich meinen YouTube-Kanal vergessen. Hier veröffentliche ich kleine Allgäu-Videos, die ich in meine Blogbeiträge einbinde. Die Abonnentenzahl ist recht überschaubar, aber einige Videos haben ganz ordentliche Aufrufzahlen. Das ist aber auch mehr ein Spaßprojekt, das vermutlich nicht besonders auf meine Personenmarke einzahlt. Videos, in denen ich selbst zu sehen bin und irgendwelche Ratschläge gebe, kann ich mir zumindest derzeit nicht vorstellen.

Zum Briefprofi-Blog finden die meisten Leser über die Google-Suche. Auf diesem Weg kommen auch die Unternehmen zu uns, die Text- oder Seminaraufträge haben. Es gibt aber auch eine steigende Anzahl von Stammlesern und Kommentaren auf dem Blog. Das freut mich, weil dadurch mehr Dialog entsteht.

#personalbrandmix - der Kommunikationsmix für meine multiple Personenmarke

Puh, das ist ein langer Beitrag geworden. Es ist aber auch ein komplexes Thema. Und ein spannendes. Ich kann auch die anderen Beiträge zu dieser Blogparade nur empfehlen, ich habe in jedem etwas Interessantes gefunden.

Noch mehr zum Thema Personenmarke …

Schön knackig und kurz ist der Beitrag von Biggi Mestmäcker, sehr gut gefallen haben mir die Überlegungen von Dr. Annika Lamer zur Markenpersönlichkeit einer Texterin. Neu entdeckt habe ich durch diese Blogparade das Kulturblog von Tanja Praske. Da muss ich gleich noch ein bisschen stöbern.
Sehr interessant, weil meiner eigenen Aufstellung ähnlich (wenn auch in einem anderen Themenbereich) fand ich den Beitrag der Texterin und Food-Bloggerin Sabine Schlimm.
Lustig fand ich den Beitrag von Ulrike Zecher: Meine Marke will witziger. Ich bin dabei! Wohltuend ehrlich schreibt Jutta Biehl-Herzfeld über ihre digitale Entwicklung (spät, aber heftig).

Vermögenswirksame Leistungen – bitte nehmen Sie das Geldgeschenk an!

Geldgeschenk

Immer wieder wundere ich mich darüber, wie viele Leute sich kein bisschen für Vermögensbildung und Altersvorsorge interessieren. Vermögenswirksame Leistungen (VL) sind ein besonders krasses Beispiel: Die meisten Menschen, die ich danach frage, wissen nicht, was das ist und erst recht nicht, ob es sie in ihrem Unternehmen gibt. Andere antworten: „Hm, ich glaube schon, dass es die bei uns gibt“. Sie haben aber nie weiter danach gefragt. Wie kann das sein? Und wie ist das bei Ihnen?

Vermögenswirksame Leistungen sind tatsächlich geschenktes Geld

Konkret handelt es sich um Geld, das der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt zahlt und für den Arbeitnehmer anlegt. Es soll dazu dienen, dass die Arbeitnehmer ein (wenigstens kleines) eigenes Vermögen aufbauen können. Die rechtliche Basis dafür ist das Fünfte Vermögensbildungsgesetz, das bereits 1965 in Kraft getreten ist. Nicht jeder Arbeitgeber zahlt VL, aber viele sind durch einen Tarifvertrag dazu verpflichtet, haben eine entsprechende Betriebsvereinbarung abgeschlossen oder sagen die Zahlung im Arbeitsvertrag zu. Danach fragen müssen die Arbeitnehmer aber schon noch selbst. Und sagen, dass sie sie haben wollen.

Wie funktionieren die VL konkret?

Ganz einfach: Der Arbeitnehmer entscheidet sich für ein förderfähiges Finanzprodukt (dazu gleich mehr) und teil dies seinem Arbeitgeber mit. Letzterer zahlt sechs Jahre lang jeden Monat den zugesagten Betrag auf das betreffende Konto ein. Anschließend muss nochmals eine einjährige Sperrfrist eingehalten werden, danach kann der Arbeitnehmer über das angelegte Geld frei verfügen.

Der monatliche VL-Betrag liegt je nach Arbeitgeber zwischen 6,65 Euro (öffentlicher Dienst) und 40 Euro im Monat. Allerdings gilt er als steuer- und abgabenpflichtiges Einkommen, netto landet also entsprechend weniger auf dem Sparkonto. Je weniger Sie verdienen, umso mehr lohnt sich das Ganze also; aber auch wer gut verdient, sollte Geldgeschenke nicht ausschlagen.

Grundsätzlich sind mehrere Anlageformen möglich, darunter sind die gängigsten ein Bank- oder Aktienfondssparplan, eine betriebliche Altersvorsorge, eine Kapitallebensversicherung, ein Bausparvertrag oder die Tilgung eines Baukredits. Man kann die VL auch für bereits bestehende (Kredit-)Verträge verwenden.

Noch attraktiver wird die Sache durch die Arbeitnehmer-Sparzulage vom Staat

Weil der Staat ja möchte, dass die Bürger privat vorsorgen, legt er bei Fondssparplänen und Bausparverträgen noch ein Sümmchen dazu. Jedenfalls für Arbeitnehmer, die nicht über bestimmten Jahreseinkommensgrenzen liegen. Gemeint ist damit nicht das Bruttoeinkommen, sondern das zu versteuernde Einkommen.

Bei Fondssparplänen liegt diese Einkommensgrenze bei 20.000 Euro für Ledige (40.000 Euro für Verheiratete) im Jahr. Die Zulage vom Staat beträgt 20 Prozent der Anlagesumme bis 400 Euro, also 80 Euro.

Bei Bausparverträgen liegen die Einkommensgrenzen bei 17.900 bzw. 35.800 Euro. Die Zulage beträgt dann 9 Prozent von maximal 470 Euro, also 42,30 Euro

Die Arbeitnehmer-Sparzulage selbst ist übrigens, anders als die Arbeitgeberzahlungen zu den VL, steuerfrei.

Es ist ganz einfach, die Arbeitnehmer-Sparzulage zu beantragen: Sie müssen nur in Ihrer Einkommensteuererklärung „Antrag auf Festsetzung der Arbeitnehmer-Sparzulage“ ankreuzen. Das war’s schon. Früher musste man auch noch die Anlage „Bescheinigung zu VL“ mit der Steuererklärung einreichen. Für vermögenswirksame Leistungen, die ab dem 01.01.2017 angelegt werden, ist das nicht mehr notwendig, sondern der Anbieter, bei dem das Geld angelegt wird, schickt eine elektronische Bescheinigung direkt an das Finanzamt.

Lohnt sich das? Dazu ein Beispiel:

Meine älteste Tochter befindet sich derzeit in der Ausbildung und verdient daher deutlich unter 20.000 Euro im Jahr. Sie hat gerade ihre Probezeit abgeschlossen und damit Anspruch auf die VL ihres Arbeitgebers; dieser zahlt 26,59 Euro im Monat. (Man fragt sich wirklich, wie die Unternehmen immer auf diese krummen Beträge kommen …)

Sie wird weitere 14 Euro monatlich aus eigener Tasche dazulegen und das Geld in einen Aktienfondssparplan einzahlen. Dann beträgt die jährliche Anlagesumme

12 x 26,59 Euro vom Arbeitgeber = 319,08 Euro
12 x 20 Euro Eigenanteil = 168 Euro
20 % von 400 Euro = 80 Euro

Das heißt: Auf ihrem Vermögensbildungskonto landen jährlich 567,80 Euro, von denen sie gerade einmal 168 Euro selbst beigesteuert hat. Selbst wenn von den 240 Euro des Arbeitgebers noch die Sozialbeiträge abgezogen werden (Steuern zahlt sie noch keine), ergibt das eine Rendite von über 200 Prozent! Die ist durch keine andere legale Anlageform zu toppen.

Die (hoffentlich) positive Kursentwicklung der Fondsanteile ist da noch gar nicht berücksichtigt. Sollten die Börsenkurse bei Auslaufen der siebenjährigen Frist gerade ungünstig sein, macht das nichts: Man kann einfach abwarten und sie später verkaufen, wenn die Kurse wieder gestiegen sind.

Rein von der Förderung her ist auch ein Bausparvertrag interessant

Dafür kann man nämlich zusätzlich zur Arbeitnehmer-Sparzulage noch die Wohnungsbauprämie beantragen. Für die gelten nochmals andere Einkommensgrenzen – sonst wäre es ja auch zu einfach. Sie beträgt 8,8 Prozent von maximal 512 Euro, also rund 45 Euro. Da ich Bausparverträge aber derzeit grundsätzlich für keine besonders sinnvolle Anlageform halte, rate ich nicht dazu, einen abzuschließen. Auch wenn vermögenswirksame Leistungen geschenktes Geld sind, sollte man die Rendite darauf nicht verschenken …

Vermögenswirksame Leistungen - geschenktes Geld, das man annehmen sollte

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie Sie auch mit geringem Einkommen gut mit Ihrem Geld auskommen, empfehle ich Ihnen meinen Ratgeber Niemals pleite! Alles über die ersten Finanzen (Partnerlink*)

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