Streetart von Banksy – meine persönliche Graffiti-Sammlung

Streetart von Banksy in Dover - trauriger Kommentar zum Brexit

Wer Graffiti-Kunst mag, kommt an Streetart von Banksy nicht vorbei. Er ist vermutlich der weltweit bekannteste Streetart-Künstler der Welt, was nicht nur an der Qualität seiner Werke liegt, sondern auch an seiner cleveren Art der Vermarktung. Er betreibt typisches Guerilla-Marketing: Die Öffentlichkeit kennt ihn nur unter seinem Künstlernamen, seine wahre Persönlichkeit und seinen Namen konnte er bisher geheimhalten. Neue Werke entstehen buchstäblich über Nacht und sorgen genauso schnell für Furore. Vor allem, weil sie oft politische oder gesellschaftliche Themen aufgreifen. Aber auch, weil Banksy selbst sie auf seiner Website veröffentlicht und in seinen eigenen Büchern kommentiert.

Streetart von Banksy – meine Sammlung ist klein, aber fein

Da einige seiner ersten Graffiti in Bristol auftauchten, mutmaßen viele, dass Banksy aus dieser Stadt stammt oder zumindest einige Zeit dort lebte.

Banksy in Bristol

2003 tauchte zum Beispiel sein Bild Gevatter Tod in Bristol auf einem Nachtclub-Schiff namens Thekla auf. Da es dort stark von der Verwitterung bedroht war, erlaubte der Künstler dem Bristol Museum, es aus der Außenwand des Schiffs herauszuschneiden. Heute wird es im M-Shed gezeigt, einem höchst sehenswerten Museum zur Stadtgeschichte. So kommt es zu der etwas merkwürdigen Tatsache, dass ein Straßenkunst-Bild nicht auf der Straße, sondern in einem Museum besichtigt werden kann. Immerhin ist der Eintritt kostenlos.

Banksy - Gevatter Tod am Steuer in Bristol

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass Banksy meist Schablonengraffiti macht. Insofern ist der Tod am Steuer auf dem Nachtclubschiff typisch für Streetart von Banksy. Auch was den etwas eigenwilligen Humor angeht. Der zeigt sich auch am zweiten Motiv, das ich aus Bristol mitgebracht habe: der nackte Liebhaber.

Banksy in Bristol - der Liebhaber am Fenster

Er hängt an einer recht unscheinbaren Hausfassade in der Park Street. Früher war in dem Haus wohl eine Praxis, in der Geschlechtskrankheiten behandelt wurden. Offenbar hat das Bild nicht allen Betrachtern so gut gefallen wie mir, denn irgendjemand hatte es mit Farbbeuteln beworfen. Dabei finde ich die Szene ziemlich köstlich.

Streetart von Banksy in Bristol - der nackte Liebhaber am Fenster

Banksy in Dover

Man darf davon ausgehen, dass der Künstler den Brexit für eine schlechte Idee hält. Das entnehme ich jedenfalls seinem riesigen Werk, das er im Mai 2017 in Dover veröffentlichte. Auch hier ist die Fassade unscheinbar. Die blaue EU-Fahne ist aber schon von Weitem zu sehen.

Streetart von Banksy - das Anti-Brexit-Graffito in Dover

Aus der Nähe kann man sehen, wie ein Handwerker einen Stern aus dem Kreis herausmeißelt. Nicht nur der (britische) Stern zerbröselt dabei, das ganze Ensemble bekommt Risse. Ganz schön traurig, das Ganze.

Streetart von Banksy in Dover - trauriger Kommentar zum Brexit

Banksy in Calais

Richtig traurig ist die Situation in Calais, wo die gesamte Zufahrt zum Hafen durch riesige Metallzäune abgeriegelt ist. Überall sind Kameras, jedes Auto wird penibel untersucht, damit nur ja kein unerwünschter Migrant nach Dover übersetzen kann. Dabei leben immer noch Hunderte unter schlimmen Bedingungen in Calais. Meist haben sie Verwandte in Großbritannien, zu denen sie sich durchschlagen möchten. Dafür nehmen sie notfalls sogar den Tod in Kauf.

Wahrscheinlich deswegen hat Banksy ausgerechnet den Posten der Wasserwacht am Strand gleich neben dem Hafen von Calais als passenden Ort für dieses Kunstwerk ausgesucht.

Streetart von Banksy in Calais - das Kind am Strand

Sehnsuchtsvoll sieht das Kind hinüber zu den weißen Klippen von Dover. Aber der Geier wartet schon …

Immerhin wurde dieses Werk nicht wie Banksys „Floß der Medusa“ (er hatte es ebenfalls in Calais gemalt) übermalt, sondern mit einer Plexiglasscheibe vor den Elementen geschützt.

Streetart von Banksy

Falls Sie sich grundsätzlich für Streetart interessieren, empfehle ich meine Impressionen aus Chemnitz sowie meinen kleinen Streetart-Streifzug durch Chemnitz. Einige schöne Werke habe ich auch bei meiner Radtour durch Hamburg-Wilhelmsburg entdeckt.

Mein blauer ADAC-Reiseführer Allgäu ist erschienen!

ADAC Reiseführer Allgäu blaue Reihe

Der ADAC-Reiseführer Allgäu aus der blauen Reihe ist ja schon der dritte Allgäu-Reiseführer, den ich geschrieben bzw. überarbeitet habe. Er ist bereits zur Buchmesse erschienen, nun sind auch meine Autorenexemplare eingetroffen. Es ist doch immer wieder ein schönes Gefühl, so eine Kiste auszupacken und ein Buch, das zuvor nur virtuell existierte, endlich gedruckt in der Hand zu halten!

ADAC-Reiseführer Allgäu - meine Autorenexemplare

Das neue Reihenkonzept gefällt mir zudem sehr gut: Es ist kompakt, gut strukturiert, übersichtlich und von der Gestaltung her ansprechend. Zielgruppe sind Allgäu-Neulinge, die einen guten Überlick über lohnende Ziele in der Region und praktische Tipps für einen gelungenen Urlaub haben wollen. Natürlich sind auch Adressen zum Einkehren, Einkaufen und Übernachten drin sowie Tipps zu Verkehrsmitteln, Parkmöglichkeiten und zum Sparen.

ADAC-Reiseführer Allgäu - Blick ins Buch

Ich bin sehr zufrieden mit meinem blauen ADAC-Reiseführer Allgäu und hoffe, die Leser werden es auch sein …

Mein persönlicher Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse 2018

Allgäu mit Kindern - Buchcover

Seit zehn Jahren fahre ich nun schon als Autorin auf die Frankfurter Buchmesse, aber dieses Jahr war alles anders: Ich war nicht an den Fachbesuchertagen dort, sondern am Sonntag. Normalerweise fahre ich allein, aber diesmal hat mich meine Familie begleitet. Ich höre sonst immer gerne bei Lesungen und Podiumsgesprächen zu. Diesmal aber saß ich selbst auf dem Podium und wurde interviewt. Das war ein sehr interessanter Perspektivwechsel.

Mein Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Eingeladen hatte der Peter Meyer Verlag (pmv), in dem mein Reiseführer Allgäu mit Kindern erschienen ist. Ich durfte gemeinsam mit der pmv-Autorin Kirsten Wagner (sie hat u. a. den Band Harz mit Kindern geschrieben), an einem Podiumsgespräch teilnehmen. Die hr-Moderatorin Ariane Wick stellte unsere Bücher vor, fragte nach Tipps und nach unseren Erfahrungen als Reiseführerautorinnen.

Ariane Wick und Barbara Kettl-Römer im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Einen Ausschnitt dieses Gesprächs können Sie hier im Video ansehen:

Ich finde es übrigens sehr gewöhnungsbedürftig, mich selbst im Video zu sehen. Mein Respekt vor Politikern und anderen Menschen, die ständig vor Kameras stehen, um dort Statements anzugeben, ist enorm gewachsen.

Wir hatten erfreulicherweise etliche interessierte Zuhörer. Im Anschluss wurden am Messestand des Verlags kleine Leckereien verkostet. Bei Mulsum, Wurst und Allgäuer Bergkäse war für uns Autoren noch Gelegenheit, mit Lesern und Interessenten plaudern und uns untereinander auszutauschen. Den Mulsum, einen römischen Würzwein, hatten wir übrigens Klaus Nissen zu verdanken, dem Autor des Bandes Limeswandern. Das war ein rundum gelungenes Event – herzlichen Dank dafür an die rührige Verlegerin Annette Sievers und das Team des Peter Meyer Verlags!

Buchmesse Frankfurt 2018 - das Team des Peter Meyer Verlags

Noch ein kleiner Bummel über die Messe

Da am Sonntag auch Privatbesucher kommen dürfen, war es trotz des schönen Wetters rappelvoll.

uchmesse Frankfurt - Messegelände

Das macht den Besuch natürlich anstrengend. Andererseits freut es mich, dass so viele Menschen Bücher genug lieben, um an einem so strahlenden Sonntag zur Frankfurter Buchmesse zu fahren. Ich habe selbst ein bisschen gestöbert und auf meinem Rundgang auch noch meinen Allgäu-Reiseführer von Marco Polo besucht. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie umfassend das Angebot dieser Reihe ist:

Bücherwand von Marco Polo auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Und ja, da ist er, mein kleiner Band:

Marco Polo-Reiseführer auf der Buchmesse Frankfurt

Da meine Familie die Zeit für einen ausgiebigeren (Einkaufs)Bummel über die Frankfurter Buchmesse genutzt hatte, schleppten wir am Ende ziemlich schwere Taschen zurück ins Parkhaus. Trotz der langen Fahrzeit waren wir uns einig: Es war ein rundum gelungener Messebesuch. Wir kommen gerne wieder!

Treffen Sie mich auf der Buchmesse Frankfurt 2018!

Allgäu mit Kindern - Buchcover

Für Bücherfreunde ist sie ohnehin ein Pilgerziel, für mich ist die Buchmesse Frankfurt 2018 aber ein ganz besonderer Höhepunkt: Ich werde diesmal nicht nur als Autorin und Fachbesucherin auf der Messe sein, sondern als Teilnehmerin eines Podiumsgesprächs, das von der hr-Moderatorin Ariane Wick moderiert wird. Organisiert wird die Veranstaltung vom Peter Meyer Verlag (PMV), in dem mein Reiseführer Allgäu mit Kindern erschienen ist. Mit mir wird die PMV-Autorin Kirsten Wagner auf der Bühne sitzen, die den Band Harz mit Kindern geschrieben hat.

Themen des Podiumsgesprächs sind die Fragen, welche Tipps Familien für einen gelungenen Urlaub brauchen und wie ein familiengerechter Reiseführer ensteht. Wir Autorinnen plaudern also ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Anschließend haben die Zuhörer die Gelegenheit, mit uns ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Anregungen zu geben. Dabei werden auch Spezialitäten aus dem Harz und dem Allgäu zur Verkostung angeboten. Ich bringe köstlichen Bergkäse aus der Sellthürner Käskuche mit und bin schon gespannt darauf, was es Feines aus dem Harz gibt. Wein aus Rheinhessen wurde uns auch versprochen …

Treffen Sie mich auf der Buchmesse Frankfurt am 14. Oktober 2018 ab 14 Uhr in Halle 3.1 an der Bühne H85.

 

Veranstaltungen mit Barbara Kettl-Römer auf der Buchmesse Frankfurt 2018

Das komplette Veranstaltungsprogramm des Peter Meyer Verlags zur diesjährigen Buchmesse finden Sie übrigens hier.

Wetterfahnen in Südengland – Skurriles über englischen Dächern

Zackenfisch als Wetterfahne auf einer Kirche in Poole

Wetterfahnen über englischen Dächern? Was ist das denn für ein Thema? Tja, seit ich als Bloggerin und Reisejournalistin über das Allgäu schreibe, bekomme ich diesen Blogger-Blick auch im Urlaub nicht weg. Plötzlich sehe ich überall kleine Dinge, die ich früher nicht bemerkt hätte und stoße laufend auf interessante Themen. Bei unserem Spätsommerurlaub in Südengland fiel mir jedenfalls abends auf unserer Dachterrasse eine lustige Wetterfahne auf einem der Nachbarhäuser auf, von der ich gleich ein Foto machte. Wahrscheinlich bekam ich in diesem Moment den Wetterfahnen-Blick. Wo immer wir hinfuhren, überall waren da diese ungewöhnlichen Dachobjekte. So ist eine kleine Fotosammlung entstanden, die ich Ihnen hier zeigen möchte.

Daher weht also der Wind – meine Lieblingsstücke unter den südenglischen Wetterfahnen

Auf diesem Dach zeigen Hund und Katz, wie der Wind steht (das war das Exemplar, das die Initialzündung für meinen Wetterfahnen-Tick gab).

Wetterfahne mit Hund und Katz

Meistens zeigten die Wetterfahnen aber Maritimes, was in einer Küstengegend ja naheliegend ist. In Portsmouth zeigt zum Beispiel eine Möwe die Windrichtung an.

Möwe als Wetterfahne in Portsmouth

Oder ein Schiffchen.

Portsmouth - Haus mit Schiff als Wetterfahne

Erst der Zoom zeigt, wie liebevoll und detailfreudig es gestaltet ist:

Schiff auf dem Dach eines Hauses in Portsmouth

Ist das nicht herrlich? Ich war jedenfalls hingerissen.

Auch der Turm der Portsmouth Anglican Cathedral schmückt sich mit einem Schiff, und zwar mit einem, das angemessen gülden glänzt.

Wetterfahne in Form eines goldenen Segelschiffs aus Portsmouth

Ein ebenfalls goldglänzendes, aber nicht ganz so üppiges Exemplar findet sich am Pier in Bournemouth:

Wetterfahne mit Schiff am Pier in Bournemouth

Wetterfahnen auf Kirchendächern sind in Südengland oft in Form eines Fisches gestaltet. Das hängt gewiss nicht nur mit der Meeresnähe zusammen, sondern auch damit, dass der Fisch ein sehr altes Symbol für Jesus Christus ist. Für alle, die es ganz genau wissen wollen: Wenn man die Anfangsbuchstaben der altgriechischen Worte für „Jesus Chistus, Sohn Gottes, Erlöser“ zusammenfügt, ergibt sich das Wort ichtys, zu Deutsch: Fisch.

So erhebt sich beispielsweise über der St. Mary’s Church in Wareham ein kleiner Fisch.

St Mary's Church in Wareham

Fisch auf dem Turm der Kirche in Wareham

Sehr witzig fand ich den zackigen Luftschwimmer auf der Kirche St. James in Poole:

Zackenfisch als Wetterfahne auf einer Kirche in Poole

Das einzige nicht-gegenständliche Exemplar einer Wetterfahne habe ich in Swanage gefunden. Es weht aber auf einem Türmchen, das ursprünglich in London gestanden hatte und erst später nach Swanage transferiert wurde. Hübsch ist es trotzdem.

schnörkelige Wetterfahne in Swanage

Ich hoffe, Sie hatten beim Betrachten dieser typisch südenglischen Wetterfahnen so viel Spaß wie ich beim Entdecken und Fotografieren …

Wetterfahnen in Südengland – Skurriles über englischen Dächern

Da mache ich nicht mit! Bekenntnisse einer WhatsApp-Verweigerin

Als Wirtschaftsjournalistin kann ich den Aufstieg von WhatsApp nur bewundern: Das ist eine Wahnsinns-Erfolgsgeschichte. Es ist wirklich unglaublich, wie sich dieser Messaging-Dienst binnen weniger Jahre zum allgegenwärtigen Kommunikationsmedium entwickelt hat. Zu DEM Kommunikationsmedium, ohne das im Freundeskreis, im Verein, in der Familie und immer häufiger sogar im Beruf nichts mehr geht. Kein Wunder: WhatsApp ist praktisch. Es ist einfach. Es kostet nichts. Alle haben es.

Na ja, fast alle.

Leute über 80 nutzen es eher nicht. Und ich, ich nutze es auch nicht.

Ein Leben ohne WhatsApp? Undenkbar!

Ich bin in meinem Freundes- und Bekanntenkreis fast die einzige, die WhatsApp nicht auf ihrem Smartphone installiert hat. Ich bekomme einiges nicht mit. Wenn zum Beispiel lustige Fotos und Videos ausgetauscht werden, über die sich beim nächsten Treffen alle amüsieren. Oder wenn im Sportverein Organisatorisches geklärt wird. Wenn ich dann darum bitte, mir doch eine E-Mail zu schreiben oder mir beim nächsten Training einfach zu erzählen, was besprochen wurde, stoße ich auf Unverständnis: „Selbst schuld, dann leg dir doch auch WhatsApp zu.“

Meine Freunde haben sich dagegen an meine Macken gewöhnt und meine Kinder leben schon länger damit, dass ihre Mama in manchen Dingen irgendwie seltsam ist.

Bin ich wahrscheinlich auch. Ich frage mich nämlich, wie das passieren konnte:

Ist das nicht irgendwie verrückt?

Warum haben heute so viele Menschen ihr Smartphone nicht nur immer dabei, sondern auch pausenlos angeschaltet? Nicht mehr nur in der Handtasche, sondern permanent griffbereit: in der Jacke oder Hosentasche, auf dem Tisch im Lokal, auf dem Schreibtisch neben ihrem Computerbildschirm, auf dem Nachttisch neben dem Bett? Wann ist es eigentlich üblich geworden, dass man die eingehenden Nachrichten checkt, während man fernsieht, isst, im Konzert oder Kino sitzt, mit anderen spricht oder gar Auto fährt? Wie kann es sein, dass irgendwelche App-News grundsätzlich bedeutsamer sind als die Menschen, mit denen man gerade zusammen ist?

Wieso werden Mütter unruhig, wenn sie sehen, dass ihre 17-jährige Tochter, die abends mit Freunden unterwegs ist, zwischendrin mal nicht online ist? Und warum nur fällt es so vielen Menschen schwer, zu einer Verabredung verbindlich zuzusagen und sie dann auch einzuhalten? Wie konnte es völlig normal werden, noch Minuten vor einer Verabredung von unterwegs zu schreiben, man komme leider zwei Stunden später oder überhaupt nicht, weil leider, leider ganz kurzfristig etwas dazwischengekommen sei?

Nach allem, was ich beobachte, verdanken wir diese Entwicklungen überwiegend WhatsApp. Eben weil es so einfach und bequem ist.

Puh, jetzt klinge ich wie eine steinalte Kulturpessimistin. Aber trotzdem:

Da mache ich nicht mit!

Ich bin keine Social Media-Verweigerin. Ich blogge, ich nutze Facebook, Pinterest und neuerdings Instagram. Aber ich brauche keine WhatsApp-Familiengruppe, denn meine Kinder können mit ihren Smartphones auch telefonieren und zumindest mein Anrufbeantworter hört ihnen jederzeit zu. Oder wir sprechen auf altmodische Art direkt miteinander ab, wer wann wo ist und gegebenenfalls abgeholt wird. Wir schreiben uns manchmal sogar Zettel, die wir auf den Küchentisch legen!

Mit meinen Freunden halte ich den Kontakt per Telefon und E-Mail. Okay, manchmal auch per Facebook. Oder wir machen bei einem Treffen aus, wann das nächste wo stattfindet. Das funktioniert erstaunlich gut. Nur meine Freundin B. notiert die Termine immer in ihrem Smartphone, wo sie sie dann vergisst. Da braucht es regelmäßig einen Erinnerungsanruf.

Im Verein bekomme ich zwar einiges nicht mit. Aber wenn ich zum Beispiel als Tischbesetzung auf einem Wettkampf gebraucht werde, klappt es komischerweise jedes Mal: Dann werde ich nämlich persönlich angesprochen und darum gebeten. Na also, geht doch!

Natürlich habe ich den Vorteil, dass ich im Homeoffice arbeite und daher tagsüber sowieso viel Zeit am PC und neben dem (Festnetz-)Telefon verbringe. Meine Verwandten und Bekannten wissen, dass sie mich da ziemlich sicher erreichen. Andererseits: Ist das nicht bei den meisten anderen Menschen ähnlich? Man würde natürlich nicht so einfach wegen unwichtiger Dinge unter der Firmennummer anrufen. Andererseits geht es genauso zu Lasten der bezahlten Arbeitszeit, wenn Mitarbeiter am Arbeitsplatz nebenher ihre WhatsApp-Nachrichten auf ihrem Privathandy abrufen und beantworten. Und das tun wirklich viele.

Und wie funktioniert ein Leben ohne WhatsApp?

Einerseits stoße ich oft auf Unverständnis und muss mich mitunter sogar rechtfertigen, warum ich dermaßen altmodisch bin. „Schrullig“ nannte es neulich ein Freund (das gefällt mir :-)). Wahrscheinlich sind manche Bekanntschaften auch immer loser geworden, weil man mir keine WhatsApp-Nachrichten schicken kann, sondern ich nur so umständlich zu kontaktieren bin.

Andererseits schenkt diese Abstinenz mir Freiraum und Zeit:

Ich bekomme keine Blödelnachrichten, keine Mama-kannst-du-mich-doch-früher-oder-später-oder-woanders-abholen-und-auf-dem-Weg-noch-mein-Lieblingssmoothie-besorgen-Botschaften. Nachdem Anrufe und SMS offensichtlich so aufwendig sind, bekomme ich sie nur, wenn es wirklich wichtig ist. All die Terminabstimmungsrunden in irgendwelchen Gruppen spare ich mir, denn ich mache Termine persönlich oder telefonisch aus, und meine Zusage gilt. Ich weiß, dass die Menschen, die trotzdem mit mir Kontakt halten, Wert auf meine Freundschaft legen.

Ich muss nicht alle paar Minuten auf mein Smartphone schauen. Beim Arbeiten werde ich nicht ständig unterbrochen. Ich mache das Handy überhaupt nur an, wenn ich unterwegs bin. Ich kann am Bahnhof stehen oder im Café sitzen und Leute beobachten oder einfach nur nachdenken. Im Lokal kann ich mein Essen genießen und mich auf die Menschen konzentrieren, die mit mir am Tisch sitzen. Ich habe WhatsApp-frei!

Wäre das nicht auch etwas für Sie?

Da mache ich nicht mit! Bekenntnisse einer WhatsApp-Verweigerin

Warum Sie keine Null-Prozent-Finanzierung nutzen sollten

Null-Prozent-Finanzierung - 0 Prozent Finanzierung

Verlockend ist sie ja schon, so eine Null-Prozent-Finanzierung: Wenn man sie nutzt, muss man nicht mühsam ansparen und warten, bis man die benötigte Summe zusammenhat. Sondern man kann die schicke Couchgarnitur gleich bestellen, das neue Tablet sofort mitnehmen. Statt den ganzen Batzen Geld sofort auf den Tisch zu legen, zahlt man die Summe häppchenweise über eine lange Laufzeit zurück. So werden beispielsweise aus stolzen 795 Euro über zwölf Monate handliche 66,25-Euro-Raten. Ist doch super. Oder?

Eine Null-Prozent-Finanzierung hat drei gravierende Nachteile

Wie so oft in Geldangelegenheiten, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Auch wenn die Deutschen immer öfter auf Pump einkaufen. So las ich kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, dass rund zwei Drittel der Verbraucher in den vergangenen fünf Jahren mindestens einen Kredit aufgenommen hätten. 20 Prozent nutzten spezielle Autokredite, 14 Prozent Null-Prozent-Finanzierungen.

Nachteil 1: Sie kaufen teurer

Der kostenlose Kredit garantierte Ihnen noch lange nicht den besten Preis. Im Gegenteil: Selbst wenn der Anbieter keine Restschuldversicherung will und auch sonst keine Zusatzkosten wie eine Bearbeitungsgebühr anfallen, können Sie davon ausgehen, dass Sie mit Kredit mehr bezahlen als ohne. Schließlich hat kein Händler etwas zu verschenken, sondern er wird den Zusatzaufwand für den Kredit in seine Preise einkalkulieren. Dann ist das Tablet halt etwas teurer. Oder Sie bekommen für das Auto oder das Möbelstück nicht den Rabatt, den Sie bei Barzahlung oder Vorauskasse bekommen hätten.

Nachteil 2: Je länger Sie zahlen, desto geringer wird der Gegenwert

Sie können sich bei einem Ratenkauf nicht damit trösten, einen echten Gegenwert für Ihr Geld zu haben. Denn wenn das kreditfinanzierte Gut endlich wirklich Ihnen gehört, ist es nicht mehr neu. Für den Fall, dass Sie es wegen akuter Geldnot verkaufen müssten, würden Sie für die gebrauchten Stücke nur noch einen Bruchteil ihres Neuwerts erlösen können.

Das 795 Euro teure Sofa können Sie vielleicht nach einem halben Jahr noch für 250 Euro über Ebay losschlagen. Dumm nur, dass Sie bei einer Null-Prozent-Finanzierung über zwölf Monate dann noch fast 400 Euro abzuzahlen haben.

Nachteil 3: Sie engen Ihren finanziellen Spielraum ein

Der große Vorteil eines Ratenkredits ist, dass ein vergleichsweise großer Betrag in kleinere Raten aufgeteilt wird. Wie im Eingangsbeispiel: 795 Euro auf einen Schlag haben Sie vielleicht nicht, aber 66,25 Euro im Monat können Sie aufbringen.

Nur: Wenn Sie das können, könnten Sie doch auch einfach ein Jahr lang jeden Monat 66,25 Euro sparen und erst dann Ihr neues Sofa kaufen. Mit Barzahlerrabatt und ohne jeden Monat eine Rate zahlen zu MÜSSEN, egal ob gerade die Waschmaschine kaputtgegangen oder die Kfz-Versicherung fällig ist. Viele Menschen unterschätzen schlichtweg, dass sie auch mit den vermeintlich kleinen Raten zeitweise finanziell überfordert sein könnten. Insbesondere, wenn sie mehrere Finanzierungen parallel laufen haben.

Ein Ratenkauf bedeutet, dass Sie erst kaufen und dann sparen. Sie sparen also sozusagen rückwärts. Mein Empfehlung lautet andersherum: Erst sparen, dann kaufen. Vorwärtssparen.

Guter Kredit, böser Kredit?

Heißt das, dass Sie niemals und unter gar keine Umständen einen Ratenkauf mit oder ohne Null-Prozent-Finanzierung tätigen sollen? Nein.

Aber Sie sollten gut abwägen: Angenommen, Sie haben kein Auto, benötigen aber eines für eine neue, attraktive Arbeitsstelle. Dann ist es natürlich sinnvoller, das Auto zu finanzieren, als auf den Job zu verzichten. In diesem Fall ist das Auto eine Investition, die sich auszahlt. Das ist ein guter Kredit. Die meisten Ratenkredite werden aber für Elektronikartikel und Möbel aufgenommen, auf die man auch vorwärts sparen könnte. Diese Kredite sind verzichtbar. Selbst wenn das alte Sofa inzwischen ziemlich durchgesessen ist.

Mehr Tipps dazu, wie Sie auch mit wenig Einkommen gut auskommen, lesen Sie im Ratgeber Niemals pleite! Alles über die ersten Finanzen (Partnerlink*), den ich gemeinsam mit meine Kollegin Cordula Natusch geschrieben habe. Er richtet sich speziell an junge Leute, die ihren ersten eigenen Hausstand führen. Die darin beschriebenen Strategien und Werkzeuge sind aber auch für alle anderen Leute nützlich, die ihr Geld im Griff haben wollen.

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme.

Null-Prozent-Finanzierung - nein, danke!

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Hamburg abseits der Pfade: ein Streifzug durch Hamburg-Wilhelmsburg

die Windmühle Johanna in Hamburg-Wilhelmsburg

Kürzlich war ich in Hamburg und habe dort meine Freundin Cordula Natusch besucht, die derzeit an der Erweiterung und Neuauflage ihres Reiseführers Hamburg abseits der Pfade arbeitet, der im November 2018 im Braumüller Verlag erscheint. (Nein, das ist kein Partnerlink, an dem ich etwas verdiene, sondern ein Link zu Amazon aus Servicegründen für meine Leser.) Anlässlich meines Besuchs durfte ich sie auf einer Recherchetour durch den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg begleiten, und zwar mit dem Fahrrad.

Falls Sie in Hamburg jemals ein Fahrrad mieten wollen: Ich empfehle gerne die Zweiradperle in der Altstädter Straße. Wir waren mit der Auswahl, dem Service und dem Zustand der Räder sehr zufriedem. (Auch dies ist keine irgendwie geartete Werbung, sondern eine Empfehlung aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen als ganz normale Kundin.) Bei der Zweiradperle bieten sie auch geführte Radtouren an, aber ich würde für Wilhelmsburg jederzeit die Tour aus Hamburg abseits der Pfade II wählen: Wir hatten einen tollen, abwechslungsreichen Tag. Schön flach ist es in Hamburg ja sowieso, das Radeln ist also keineswegs anstrengend.

Mit dem Fahrrad unterwegs in Hamburg-Wilhelmsburg

Zunächst sind wir zu den Landungsbrücken gefahren und von dort aus weiter mit der Hafenfähre Nr. 73 bis zur Ernst-August-Schleuse. Die Fähre kann mit dem ganz normalen HVV-Ticket benutzt werden. Wie Busfahren, nur viel cooler. Kurz nach der Schleuse musste ich schon wieder vom Fahrrad absteigen, denn hinter einem Straßendamm gab es so tolle Streetart zu fotografieren!

Mauer mit Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Das wollte ich mir natürlich ganz genau ansehen:

Junge mit Schlange - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Scifi - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Gefällt mir sehr gut!

Hirschkäfer - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Auf der anderen Straßenseite lockte gleich das nächste Motiv.

Häuserwand - Streetart in Hamburg-Wilhelmsburg

Da wir ja nicht wegen der Streetart gekommen waren, sondern wegen der Recherchtour, fuhren wir erst einmal weiter nach Wilhelmsburg hinein, bis zum Energiebunker. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der inzwischen zu einem regenerativen Kraftwerk mit Großwärmespeicher ausgebaut wurde. Oben drauf ist ein Café mit dem schönen Namen Vju. Tatsächlich hat man von der Caféterrase aus einen tollen Blick auf die Stadt. Ich habe aber erst einmal das Graffito fotografiert.

Der Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg

Graffito auf dem Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg

Sehr sehenswert: der Inselpark, Willi Villa, eine alte Windmühle und die Bunthäuser Spitze

Vom Energiebunker ist es nicht weit zum IGA-Gelände von 2013, das heute als Wilhelmsburger Inselpark für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es ist ein ganz reizender Park, in dem auch ein nettes Café liegt, nämlich die Willi Villa.

Willi Villa in Hamburg-Wilhelmsburg

Seeterrasse an der Willi Villa in Hamburg-Wilhelmsburg

Spätestens hier war ich davon überzeugt, dass das Gerücht unmöglich stimmen kann, wonach Wilhelmsburg eine „schlechte Gegend“ in Hamburg sei. Wenn Ihnen das jemand erzählt, brauchen Sie es nicht zu glauben. Es ist sicher ziemlich multikulti dort, auch eine witzige Mischung aus Urbanität und Ländlichkeit, vor allem aber richtig schön.

Sehr gepflegt ist es in der Gegend rund um die Kreuzkirche.

Kreuzkirche in Hamburg-Wilhelmsburg

Besonders die alte Mühle fand ich toll; so etwas gibt es bei uns im Allgäu nicht!

die Wilhelmsburger Windmühle in Hamburg

Sie trägt übrigens den Namen Johanna und es gibt einen eigenen Verein, der diverse Veranstaltungen in der Wilhelmsburger Windmühle organisiert.

Ausgesprochen ländlich wirkt Hamburg-Wilhelmsburg im südöstlichen Bereich. Dort stehen nur noch wenige Häuser, dafür gibt es viele Felder und das Naturschutzgebiet Heuckenlock. Das haben wir uns nicht näher angesehen, sondern wir sind weiter an den südöstlichsten Zipfel der Wilhelmsburger Insel geradelt: an die Bunthäuser Spitze, wo sich die Elbe in die Norder- und Süderelbe teilt. Dort steht sogar ein sehr niedlicher Leuchtturm.

Leuchtturm an der Bunthäsuer Spitze in Hamburg-Wilhelmsburg

Das Café am Campingplatz nebenan hatte zu, deswegen haben wir hier nur eine kleine Brotzeitpause gemacht und auf die Elbe geschaut. Rechts von der Bunthäuser Spitze beginnt schon Niedersachsen.

die Bunthäuser Spitze in der Elbe bei Hamburg

Flach, aber interessant: der Energieberg Georgswerder

Das war sicher der lustigste Teil unserer Recherche: Wir suchten die den Energieberg, fanden ihn aber erst nicht, weil er mit seinen 40 Metern Höhe so niedrig ist, dass er hinter Bäumen und Häusern nicht zu sehen war. Im Allgäu würde der nicht einmal als richtiger Hügel durchgehen … es ist sowieso keine natürlich Erhebung, sondern eine ehemalige Mülldeponie. Heute befindet sich darauf zum einen ein Informationszentrum,

Informationszentrum zum Energieberg Georgswerder

zum anderen wird dort tatsächlich Energie für über 4.000 Haushalte gewonnen: durch Windräder, Photovolatikanlagen und das Gas, das bei den Zersetzungsprozessen in der Deponie entsteht.

der Energieberg in Hamburg-Wilhelmsburg

Auf dem baumlosen Gipfel befindet sich ein Rundweg, von dem aus man weit ins Umland schauen kann.

Auf dem Energieberg in Hamburg-Georgswerder

Wobei der Blick nicht ganz so idyllisch ist, wie ich das vom Alpenrand kenne.

Blick vom Energieberg auf Hamburg

Wie schön, dass ich Hamburg-Wilhelmsburg unter so kundiger Führung und in fröhlicher Gesellschaft kennenlernen durfte! Am besten gefallen haben mir der Inselpark und die Bunthäuser Spitze. Vielleicht schaffe ich es ja einmal zum Mühlentag zur Windmühle Johanna …

Ein Streifzug durch Hamburg-Wilhelmsburg

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Impressionen aus Chemnitz: Kunst & Kontraste

Kleiner Streetart-Streifzug durch Chemnitz

Achtung: Negative Sprache führt zu negativem Denken

Frau mit negativen Gedanken

Wieso ist negative Sprache ein Thema? Ganz einfach: Unsere Sprache prägt unser Denken. Wir können keine Gedanken formulieren, für die uns die Worte fehlen. Umgekehrt bringen uns bestimmte Worte in bestimmte Gedanken- und Stimmungswelten. Daher beunruhigt es mich, wie unsere Sprache sich im öffentlichen Diskurs gerade verändert.

Zum ersten Mal bin ich stutzig geworden, als plötzlich an vielen Stellen von „Gutmenschen“ zu lesen war. Bezogen war das auf die Anhänger jener kurzlebigen Willkommenskultur, die mit Kleider- und Lebensmittelspenden am Bahnhof standen und applaudierten, wenn neue Flüchtlinge ankamen. Ein bisschen naiv war das gewiss. Aber auch sympathisch und liebenswert. Und immerhin ein Versuch, Gutes zu tun.

„Gutmensch“ ist heute eine abwertende Bezeichnung, fast ein Schimpfwort, für Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Selbst in solide bürgerlichen Kreisen höre ich diese Bezeichnung heute öfter mit diesem verächtlichen Unterton.

Was ist schlecht an einem Menschen, der versucht, anderen Gutes zu tun?

Negative Sprache – von der Welle zur Krise

Dann wurde aus den zunehmend ankommenden Flüchtlingen und Asylsuchenden eine Flüchtlingswelle. Assoziiert mit Tsunamis, Riesenwellen, die alles überfluten und zerstören.

2015 kamen wirklich sehr viele Menschen nach Deutschland, die hier Asyl oder sonstigen Schutz suchten. Inzwischen sind es wesentlich weniger; derzeit kommen nur etwa so viele Asylsuchende in Deutschland an wie Anfang der 90er Jahre (Beleg hier). Ist Deutschland überspült und verwüstet worden? Leben wir in einem Land, das von einer Katastrophe heimgesucht wurde und sie nur knapp überlebt hat? Kämpfen wir verzweifelt ums Überleben?

Wohl kaum. Die Wirtschaft wächst, die Renten steigen. Die Staatsverschuldung sinkt, die Arbeitslosigkeit und auch die Zahl der Straftaten sind so niedrig wie seit Jahren nicht. Was nicht heißt, dass hier alles perfekt wäre. Es fehlen Wohnungen, am Sozialsystem gilt es noch einiges umzubauen. Die Digitalisierung stellt uns vor neue Herausforderungen. Wir leben nicht im Paradies. Aber doch wohl weit entfernt vom Untergang.

Wer heute auch nur „flüch“ bei Google eingibt, bekommt an Platz drei der häufigsten Suchbegriffe bereits die „Flüchtlingskrise“ angeboten.

Wieso eigentlich nicht die „Flüchtlingschance“ oder wenigstens die „Flüchtlingsherausforderung“? Normalerweise ist doch von jeder Krise zu lesen, sie sei auch eine Chance. Bei den Flüchtlingen soll das aber offenbar nicht so sein, hier wird auf dem Krisenmodus bestanden. Obwohl doch nach und nach erste Erfolge der Integrationsarbeit sichtbar werden: Immer mehr Flüchtlinge bestehen ihre Deutsch-Prüfungen auf Niveau B1 oder B2, finden Arbeit, schließen Ausbildungsverträge. Sie lindern den Fachkräftemangel, zahlen Steuern und Sozialabgaben und tragen zur Wertschöpfung in unserem Land bei. Ausbildung und Integration von Flüchtlingen lohnen sich für eine Gesellschaft, wie auch dieses Interview mit dem Historiker Phlipp Ther zeigt.

Negative Sprache dient auch dazu, Menschen abzuwerten

Wer vor Krieg, Terror, Verfolgung und Perspektivlosigkeit geflohen ist, wurde in den letzten Monaten zum Wirtschaftsflüchtling oder illegalen Einwanderer umdeklariert. „Illegal“ ist ein Flüchtling dann, wenn er unerlaubt eingereist ist und „unerlaubt“ heißt: ohne Pass und Visum. Das trifft naturgemäß auf die meisten Menschen zu, die aus akuter Gefahr fliehen und ihre Flucht nicht von langer Hand vorbereiten können.

Wer keinen Pass beibringen kann, ist ein „Identitätsverweigerer“. Selbst dann, wenn er in seinem Heimatland nie einen Pass besessen hat (ja, das gibt es, und zwar gar nicht so seltem) und die Behörden dort sich weigern, ihm einen auszustellen. Selbst dann, wenn er alles versucht hat, um trotzdem einen Pass zu bekommen. Wer es nicht schafft, wird zum Verweigerer erklärt. Das genügt als Grund für eine Abschiebung.

Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und dafür sorgen, dass sie die ihnen zustehenden Rechte wahrnehmen können, sind im Sprachgebrauch von durchaus bürgerlichen Politikern zu „Abschiebe-Saboteuren“ bzw. zur „Abschiebeverhinderungs-Industrie“ mutiert. Als wären sie Kriminelle oder würden aus der Flüchtlingshilfe ein Geschäft machen und damit fragwürdige Reichtümer anhäufen. Dabei bringen Flüchtlingshelfer sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten ein. Und Anwälte tun das, was ihr Job ist.

Auf der anderen Seite wird sprachlich schöngefärbt

Die „Abschiebung“ wird mitunter als „Rückführung“ deklariert. Das klingt nett, wie wenn man ein verirrtes Schäfchen nachhause bringen würde. Dabei werden die Menschen gegen ihren Willen nachts oder frühmorgens von der Polizei abgeholt und in einen Flieger verfrachtet. Oder vorher noch ins Gefängnis gesteckt. Das ist keineswegs ein sanftes Rückführen in den friedlichen Schoß des Heimatlandes.

Ein Geniestreich der pseudopositiven Sprache sind auch die geplanten Ankerzentren. Ein Anker steht schließlich für festen Halt auf unsicherem Grund. Selbst der Dreiklang aus Ankunft, Entscheidung und Rückführung, aus dem das Wort gebildet wurde, klingt noch positiv, so zupackend. Faktisch handelt es sich um Massenunterkünfte, in denen Flüchtlinge ohne Geldleistungen, ohne Deutschkurse, ohne Beschäftigungs- oder Arbeitsmöglichkeiten kaserniert werden, bis über ihren Fall entschieden ist. Da die meisten Asylanträge abgelehnt werden, werden viele Menschen dort bleiben müssen, bis sie abgeschoben werden. Monatelang, oft jahrelang. Für sie bieten diese Zentren alles andere als einen Anker. Der korrekte Name wäre „Abschiebelager“.

Das mag das sein, was viele Menschen in unserem Land tatsächlich wollen. Es sollte dann aber auch klar und ohne Verlogenheit als das benannt werden, was es ist.

Die versprochene „Grenzsicherung“ bedeutet übrigens vor allem verstärkte Überwachung und Kontrollen an allen innereuropäischen Grenzen. Das heißt: Stau, lange Wartezeiten bei der Einreise, Verzögerungen im Warenverkehr. Das wollen wahrscheinlich nicht so viele Bürger. Darum wird dieses Vorgehen ja auch „Sicherung“ genannt. Das klingt gleich viel besser.

Negative Sprache setzt einen Rahmen für negative Gedanken, schönfärberisch positive Sprache verführt zu Fehleinschätzungen in die andere Richtung. Ich denke, wir sollten versuchen, ehrlich miteinander zu sein. Wir sollten Probleme benennen und ruhig auch miteinander streiten. Aber ohne Andersdenkende abzuwerten, ohne Schutzsuchende zu entmenschlichen (Welle/Flut/Illegale). Und ansonsten aufmerksam dafür bleiben, wenn Sprache gezielt manipulativ eingesetzt wird.

Achtung: Negative Sprache führt zu negativem Denken

Und trotzdem: Ein Plädoyer für das Reisen mit der Bahn

Reisen mit der Bahn - Szene am Hauptbahnhof Frankfurt

Das Reisen mit der Bahn ist manchmal äußerst nervig: Züge kommen verspätet oder fallen komplett aus, drinnen ist es wahlweise zu kalt oder zu warm. Wenn es richtig heiß wird, fällt die Klimaanlage aus. Die Toiletten sind meist belegt, oft in erbärmlichem Zustand, manchmal wegen Funktionsunfähigkeit gesperrt. Das Bordbistro ist entweder voll oder ausverkauft oder kaputt. Teuer ist es sowieso.

Und dann erst die Mitfahrer: Vergleichsweise gut dran ist der Reisende, dessen Sitznachbar friedlich schläft, selig vor sich hin schnarcht und sich vertrauensvoll gegen ihn lehnt. Schlimmer hat es den getroffen, der neben einem Dauertelefonierer sitzt und dessen höchst private oder berufliche Angelegenheiten in ausführlicher und lautstarker Erörterung mithören darf. Oder die Musik in den Kopfhörern des Nachbarn.

Und trotzdem: Ich empfehle jedem das Reisen mit der Bahn

Dafür gibt es eine Menge guter Gründe:

  1. Bahnfahren ist ökologisch wesentlich verträglicher als Autofahren oder gar Fliegen.
  2. Wer mit der Bahn fährt, braucht sich um Unfälle, Staus und Parkplätze keine Gedanken zu machen. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Sie stehen als Autofahrer nicht im Stau, Sie sind der Stau!
  3. Es gibt etliche Strecken, auf denen die Bahn genauso schnell oder sogar schneller ist als das Auto (besonders wenn das Reiseziel in der Innenstadt liegt).
  4. Für Alleinfahrer ist die Bahn auch preislich oft günstiger als das Auto; jedenfalls, wenn man frühzeitig bucht und die Parkgebühren in die Vergleichsrechnung einbezieht.
  5. Die Zeit im Auto ist verlorene Zeit – während Sie fahren, können Sie schließlich nichts anderes tun außer vielleicht Radio bzw. Hörbücher zu hören oder zu telefonieren. Im Zug dagegen können Sie auch dösen, lesen, nachdenken, Leute beobachten, Filme ansehen, Spiele spielen und sogar arbeiten. Dieser Text beispielsweise ist auf einer Fahrt nach Darmstadt entstanden.
  6. Beim Autofahren ist Müdigkeit gefährlich. Beim Bahnfahren dürfen Sie unkonzentriert sein, nach einem langen Tag einfach nur abschalten oder sogar schlafen (dabei aber bitte den Kopf nicht auf der Schulter des Sitznachbarn ablegen).
  7. Wer in einen Zug steigt, verlässt seine Filter- und Lebensblase. Am Bahnhof und im Zug bildet sich eine höchst gemischte Gesellschaft: Hier treffen junge Familien und Rentnergruppen aufeinander, Schüler und Geschäftsreisende, Touristen und Asylbewerber, Studenten, Arbeitslose, Obdachlose, Professoren, Freiberufler – einfach alle außer denen, die lieber allein für sich im Auto sitzen als dem prallen Leben zu begegnen.
  8. Zugfahren lehrt Geduld mit den Mitmenschen. Man kann genervt sein von den Mitreisenden. Man kann sie aber auch beobachten und sich an der Vielfalt freuen und daran, wie es in diesem ganz besonderen Biotop auf Zeit menschelt.
  9. Reisen mit der Bahn schult die geistige Flexibilität und lehrt Demut. Wenn der reservierte Sitzplatz von einer alten Dame belegt ist, suche ich mir eben einen anderen. Hat ein Zug zu viel Verspätung für meinen geplanten Anschluss, finde ich schon eine andere Verbindung. Dauert die Fahrt dadurch länger, lese oder schreibe ich eben noch etwas mehr. Es gibt Schlimmeres, ehrlich.

voller Bahnsteig am Bahnhof Darmstadt

Mit ein paar Tipps gelingt das Reisen mit der Bahn noch besser

  1. Buchen Sie bevorzugt Verbindungen, bei denen Sie nicht mehr als einmal umsteigen müssen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Sie einigermaßen pünktlich ankommen, wenn Sie zwei- oder mehrmals umsteigen müssen.
  2. Reservieren Sie einen Sitzplatz, wenn Sie eine beliebte Strecke fahren. Ganz besonders, wenn Sie das am Montagmorgen oder freitags tun.
  3. Nehmen Sie auch an warmen Tagen eine Jacke mit. Unter so mancher Klimaanlage zieht die Luft so kühl heran, dass Sie sonst eine Erkältung riskieren.
  4. Packen Sie bei längeren Fahrten immer eine Flasche Wasser und einen kleinen Snack für unterwegs ein. Auf das Bordbistro ist kein Verlass.
  5. Nehmen Sie eine Beschäftigungsmöglichkeit mit; falls Sie Umgebungsgeräusche ausschalten wollen, ruhig auch Ihre Kopfhörer. Ich persönlich finde es allerdings schade, wenn Reisende sich so abschotten – Sie verpassen dann einiges.

Nein, auch ich fahre nicht immer mit der Bahn. Manche Orte sind von meinem Wohnort tief im Allgäu aus auf der Schiene so schlecht zu erreichen, dass ich dann doch das Auto nehme. Und ja, ich gebe zu, dass ich meine Mitreisenden nicht immer genieße und beim zweiten verpassten Anschluss auch mal die Geduld verliere.

Und trotzdem: Ich mag das Reisen mit der Bahn. Probieren Sie es doch auch mal aus. Und erzählen Sie mir von Ihren Erfahrungen.

9 gute Gründe für das Reisen mit der Bahn