Endlich Ordnung im Büro! Aufräumen und Ausmisten in 5 Schritten

Ordnung im Büro - aufgeräumter Ablagekasten

Die Zeit „zwischen den Jahren“ nutze ich immer wieder gerne, um Ordnung im Büro zu schaffen. Das letzte Quartal ist bei mir meist recht arbeitsreich und hinterlässt Stapel und Unordnung. In den ruhigen Phasen zwischen den Feiertagen (zumal bei schlechtem Wetter) ist endlich genug Zeit zum Aufräumen und Ausmisten. Dafür habe ich eine inzwischen bewährte Abfolge von Arbeitsschritten entwickelt, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte.

So schaffen Sie Ordnung im Büro in 5 Schritten

Diese 5 Schritte funktionieren übrigens auch zu jeder anderen Jahreszeit und benötigen bei „normal unordentlichen“ Büros höchstens einen Arbeitstag.

Schritt 1: Schreibtisch aufräumen

Der Schreibtisch ist der wichtigste Ort im Büro, ihm gebührt daher die erste Aufräumanstrengung. Das geht ziemlich schnell: Stapel nehmen, grob vorsortieren (z. B. nach Kunden, Projekten und Privatem) und dann ein Blatt nach dem anderen ansehen und je nach Bedarf ablegen, in Hängeregister oder Projektmappen zur weiteren Bearbeitung legen oder wegwerfen.

Papierstapel sichten

Alles, was danach noch auf dem Schreibtisch liegt, räumen Sie ab, damit Sie die komplette Fläche mit einem feuchten Lappen abwischen können. Wenn Sie die Fläche anschließend wieder „belegen“, prüfen Sie kritisch, was wirklich nochmals Platz darauf finden sollte und was woanders besser aufgehoben ist.

Faustregel: Auf dem Schreibtisch sollten sich nur Dinge befinden, die Sie (fast) täglich benötigen. Alles andere gehört in Schubladen oder Regale.

Schritt 2: Ordner fürs Archiv aussortieren

Für etliche Unterlagen gibt es gesetzliche Aufbewahrungsfristen (auf arbeiten-im-sekretariat.de finden Sie die Aufbewahrungsfristen 2018 im Überblick). Rechnungen zum Beispiel müssen zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Das heißt aber nicht, dass alle Ordner mit Rechnungen der letzten Dekade im Büro stehen müssen. Regalplatz im Büro verdient nur, was zum Nachschlagen und Ablegen aktuell noch benötigt wird.

Faustregel: Alles, was Sie in diesem Jahr sehr wahrscheinlich nicht mehr benötigen, aber aus rechtlichen Gründen aufbewahrt werden muss, gehört ins Archiv.

Bei mir war das diesmal gar nicht so wenig, ich habe eine große Kiste in den Keller getragen.

Fürs Archiv aussortierte Ordner

Das ist auch eine gute Gelegenheit, um über zehn Jahre alte Archivordner zu leeren und zur erneuten Benutzung mitzunehmen. Zur Ordnung im Büro gehört daher auch die Ordnung im Archiv: Wenn Sie die Archivkisten außen klar beschriften, wissen Sie auf Anhieb, welche Unterlagen drin sind und wann sie endgültig entsorgt werden können.

Schritt 3: Wegwerfen, was nicht mehr benötigt wird

Vielen Menschen fällt es schwer, Dinge wegzuwerfen. Man weiß ja nie, was man irgendwann nochmals brauchen kann …

Ich halte mich beim Aussortieren an drei einfache Fragen:

  1. Gibt es eine rechtliche oder sonstige Verpflichtung, das Dokument aufzuheben?
  2. Ist es wahrscheinlich, dass ich das Dokument zukünftig noch einmal brauchen werde?
  3. Ist das Dokument bzw. die Information unersetzlich (d. h. kann es im Bedarfsfall nicht mehr wiederbeschafft werden)?

Faustregel: Falls eine dieser Fragen mit „Ja“ zu beantworten ist, bleibt das Dokument in der Ablage bzw. im Archiv. Können Sie aber alle drei Fragen nach vernünftiger Einschätzung mit „Nein“ beantworten, können Sie es ganz beruhigt wegwerfen. Das gilt übrigens auch für veraltete Fachbücher, Kataloge, Lehrgangsunterlagen, CD-ROMs und Ähnliches.

Nachdem ich alle Ordner und Bücher sowieso in die Hand genommen habe, habe ich auch hier gleich die Gelegenheit genutzt, die Regalböden gründlich abzustauben. Es war durchaus nötig!

Schritt 4: Strukturen überarbeiten

Das geht zum Jahreswechsel natürlich besonders gut, ist aber grundsätzlich auch zu einem anderen Zeitpunkt machbar: Spätestens seit dem Ablegen und Aussortieren wissen Sie vermutlich, welche Strukturen im Ablage- und sonstigen Ordnungssystem sich nicht bewährt haben.

Gab es Unterlagen, die Sie immer wieder gesucht haben, weil Sie selbst nicht so genau wussten, wo sie eigentlich hingehören? Gibt es Ablagestrukturen, die unnötig kompliziert sind? Ordner, die nie voll werden, weil sie zu speziell angelegt sind? Andere, die ständig überquellen? Das können Sie jetzt ändern.

Faustregel: Ein Ablagesystem muss so fein wie nötig sein, aber so grob wie möglich. Vor allem aber müssen Sie es selbst im Kopf haben und problemlos anwenden können.

Wichtig: Die Ablage im PC sollte genauso strukturiert sein wie die im Regal, Sie müssen sie also gegebenenfalls an die Veränderungen anpassen.

Mein Ordnungssystem ist ziemlich simpel: Unterlagen zu laufenden Projekten bewahre ich in Klarsichthüllen auf, die nach Kunden sortiert sind. Sobald ich ein Projekt bzw. einen Teil davon abschließe und eine Rechnung stelle, lege ich die dazu gehörenden Unterlagen samt Rechnungskopie in Ordner ab. Für die Ordner habe ich ein einfaches Farbsystem: Text- und Redaktionsprojekte sind grün (sie sind weiter nach Kunden und ggf. Produkten unterteilt), Buchprojekte grau, Seminare gelb. Rot ist alles, was mit Geld und Steuern zu tun hat.

Hängeregister nutze ich für alles, das ich zwar nicht täglich, aber doch immer wieder mal zum Nachschlagen brauche: Vertragsunterlagen, Hintergrundinformationen, Produktunterlagen, Flyer. Hier ist regelmäßiges Ausmisten natürlich auch geboten.

Schritt 5: Neue Ordner anlegen und alles neu einräumen

Dieses Jahr habe ich mir erstmals die Zeit genommen, um einheitlich gestaltete Ordneretiketten auszudrucken. Das gehört keineswegs zwingend zur Ordnung im Büro, aber es sieht wirklich viel schöner aus. Ich habe dazu übrigens einfach Etikettenbögen im Schreibwarengeschäft gekauft und auf der Website des Herstellers die Artikelnummer eingegeben, um die passende Druckvorlage zu finden. Das war wenig Aufwand für ein sehenswertes Ergebnis.

Ordneretiketten selbst bedrucken

Jetzt haben Sie die Gelegenheit, alles sinnvoll einzuordnen. Fachbücher stehen bei mir z. B. nach Themen sortiert: Links Wirtschaftsthemen, rechts alles, was mit Schreiben zu tun hat. Die Belegexemplare meiner eigenen Bücher habe ich schlicht nach Erscheinungsdatum sortiert, die Ordner nach meinem oben beschriebenen Farbsystem und darunter nach Kunden bzw. Themen. Machen Sie es einfach so, wie es Ihnen sinnvoll erscheint, damit Sie alles schnell finden. Es ist nach dem Ausmisten ohnehin viel weniger geworden, das mit dem schnellen Finden sollte also klappen.

aufgeräumtes Büroregal

Das war’s schon. So einfach ist das mit der Ordnung im Büro! Jetzt müssen Sie sie nur noch übers Jahr durchhalten …

Endlich Ordnung im Büro - Pin

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7 gute Geld-Nachrichten für 2018

Geldscheine

Manchmal könnte man das Gefühl bekommen, nur schlechte Nachrichten seien einen Bericht bzw. eine Diskussion wert. Und überhaupt herrscht derzeit angesichts der politischen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt eher eine gewisse Skepsis vor. Dabei gibt es auch eine Menge positiver Entwicklungen und erfreulicher Aussichten für 2018. Sieben davon, die mit Geld und Finanzen zu tun haben, habe ich hier für Sie zusammengefasst:

7 gute Geld-Nachrichten für 2018

Das sind die Gründe, warum Sie dem Jahreswechsel positiv gestimmt entgegensehen können:

1. Das Wirtschaftswachstum verstärkt sich

Die Forschungsinstitute rechnen 2018 mit dem stärksten Wirtschaftswachstum seit 2011: Mehr als 2 Prozent sollen es sicher werden.

2. Die Beschäftigung nimmt zu, die Arbeitslosigkeit sinkt weiter

Im Oktober 2017 war die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit der Wiedervereinigung niedriger als 2,4 Millionen. Die Arbeitslosenquote fiel auf 5,4 Prozent, so niedrig war sie seit 1991 nicht mehr. Für 2018 erwarten die Experten einen weiteren Anstieg der Beschäftigung und einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen.

3. Die Staatsverschuldung nimmt erstmals ab

Vor 22 Jahren hat der Bund der Steuerzahler eine öffentliche Schuldenuhr installiert, die die Staatsschuldensumme insgesamt und pro Kopf sowie die Veränderung der deutschen Gesamtverschuldung pro Sekunde darstellt. Bisher lief sie nur in eine Richtung: nach oben. 2018 wird sie rückwärts laufen, bereits seit Dezember 2017 sinkt der angezeigte Schuldenstand um 78 Euro pro Sekunde. 2019 soll dann das „Maastricht-Kriterium“ einer Verschuldung von höchstens 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts endlich wieder erreicht werden (2017 lag sie bei 65,75 Prozent).

4. Die Krankenkassenbeiträge sinken

Genau genommen bleibt zwar der gesetzliche Beitragssatz von 14,6 Prozent unverändert, aber das Gesundheitsministerium hat angesichts der vollen Kassen den durchschnittlichen Zusatzbeitrag (den die Arbeitnehmer allein tragen) von 1,1 auf 1,0 Prozent gesenkt. Einige Krankenkassen verlangen sogar nur 0,8 oder 0,9 Prozent. Wer sehr gut verdient, zahlt allerdings möglicherweise trotzdem mehr, weil die Beitragsbemessungsgrenzen steigen.

5. Der Rentenversicherungsbeitrag sinkt

2017 liegt er bei 18,7 Prozent, ab Januar 2018 verringert er sich um einen Zehntelprozentpunkt auf 18,6 Prozent. Durchschnittsverdiener sparen dadurch 20 Euro im Monat. Gutverdiener sparen allerdings weniger oder gar nichts, weil die Beitragsbemessungsgrenzen weiter steigen (im Westen von 6.350 auf 6.500 Euro, im Osten von 5.700 auf 5.800 Euro). Immerhin: Die Beiträge zur Pflegeversicherung bleiben 2018 stabil und sollen es sogar bis 2022 bleiben.

6. Der steuerliche Grundfreibetrag („Existenzminimum“) steigt

2018 beträgt er für Erwachsene 9.000 Euro, für Kinder 4.788 Euro (2017: 8.820 Euro bzw. 4.716 Euro). Damit hängt der Anstieg des Kindergeldes um jeweils 2 Euro im Monat zusammen; für das erste und zweite Kind gibt es 194 Euro, für das dritte 200 Euro und ab dem vierten 225 Euro.

7. Riester-Sparer bekommen eine höhere Grundzulage

Das lohnt sich vor allem für Geringverdiener: Wer die vollen Riesterbeiträge zahlt, also mindestens 4 Prozent seiner Einkünfte pro Jahr (Höchstgrenze: 2.100 Euro abzüglich Zulage), bekommt als volle Zulage 175 Euro und damit 21 Euro mehr als noch im Jahr 2017.

Das sind wirklich gute Geld-Nachrichten für 2018!

Mein Rat: Nutzen Sie die positiven Entwicklungen, um Ihre eigene Finanzlage zu verbessern. Die monatlich eingesparten Renten- und Krankenversicherungsbeiträge könnten Sie zum Beispiel in einen ETF-Sparplan einzahlen (die gibt es ab einer Sparrate von 25 Euro im Monat) und sich damit ein Pölsterchen fürs Alter ansparen. Azubis, Frauen in Elternzeit und Geringverdiener sollten 2018 ernsthaft über den Abschluss eines Riestervertrags nachdenken, wenn sie es bisher noch nicht getan haben.

Sie wissen nicht, was ein ETF-Sparplan ist und wie Sie einen solchen abschließen können?

Dann empfehle ich Ihnen den hervorragenden Ratgeber meiner Kollegin Judith Engst (Co-Autor: Rolf Morrien): Wie lege ich 5.000 Euro optimal an? (Partnerlink*). Hier wird auch für kleinere Anlagesummen gut verständlich erklärt, was ein ETF ist, welchen Nutzen er bietet und wie Sie einen Sparplan anlegen können.

*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme. Diese dient mit zur Finanzierung der Kosten, die mir durch dieses Blog entstehen.

7 gute Geld-Nachrichten für 2018

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Selbstmanagement im Homeoffice – 7 Tipps für mehr Produktivität

Selbstmanagement - eine Frau jongliert mit vielen Aufgaben

Bald sind es 20 Jahre, seitdem ich mich als Fachautorin und Dozentin selbstständig gemacht habe. Fast 20 Jahre im Homeoffice, in denen ich nicht nur ungezählte Fachtexte, sondern auch 20 Bücher geschrieben, 18 Jahre lang Vorlesungen und Seminare gehalten und „nebenher“ drei Kinder großgezogen habe. Ich habe in dieser Zeit gelernt, meine irgendwie immer zu knappe Arbeitszeit extrem produktiv zu nutzen. Tatsächlich kommt es dafür vor allem auf ein konsequentes Selbstmanagement im Homeoffice an.

Wenn Sie heute neu im Homeoffice anfangen oder bereits eine Zeit lang von zuhause aus arbeiten und dabei mit Produktivitätsproblemen kämpfen, können Sie von meinen Erfahrungen möglicherweise profitieren. Deswegen habe ich für Sie die Selbstmanagement-Tipps aufgeschrieben, mit denen ich meine Produktivität maximiere und von denen ich denke, dass sie auch Ihnen nützen werden.

Mit diesen 7 erprobten Tipps klappt das Selbstmanagement im Homeoffice

Probieren Sie sie ruhig aus. Ich freue mich, wenn Sie mir von Ihren Erfahrungen berichten.

1. Geben Sie Ihrem Homeoffice Raum

Das meine ich wörtlich: Sie brauchen einen eigenen Raum, wenn Sie darin konzentriert arbeiten wollen. Ich selbst habe an einem Schreibtisch in der Wohnzimmerecke angefangen und kann Ihnen versichern: Das klappt auf Dauer nicht. Erstens werden Sie ständig abgelenkt, wenn um Sie herum die Bügelwäsche, der Fernseher und die Wollmäuse unter dem Sofa „locken“. Zweitens können Sie in Ihrem Wohnzimmer abends nicht gut entspannen, wenn Sie dabei immer die liegen gebliebene Arbeit auf dem Schreibtisch vor Augen haben. Das gilt übrigens erst recht für den Schreibtisch im Schlafzimmer – mit dem ruinieren Sie sich garantiert Ihren Nachtschlaf und Ihr Sexualleben …

2. Machen Sie es sich in Ihrem Homeoffice gemütlich

Als junge Mutter habe ich jahrelang mit Mühe und Not zehn oder zwölf Arbeitsstunden in der Woche für meine (bezahlte) Arbeit freigeschaufelt, heute verbringe ich 35 bis 45 Wochenstunden in meinem Büro. Und das richtig gerne.

Zum einen, weil meine Arbeit ungefähr die schönste der Welt für mich ist. Zum anderen, weil ich mein Büro so eingerichtet habe, dass es mein Lieblingszimmer in unserer Wohnung ist: Es ist dezent tapeziert, ich habe mein Herr-der-Ringe-Poster neben dem Schreibtisch aufgehängt, die Tür mit Gemälden meiner Kinder geschmückt und allerlei persönlichen Schnickschnack herumstehen. Meinen Schreibtisch habe ich vom Schreiner genau nach meinen Bedürfnissen anfertigen lassen, ich sitze auf einem super-ergonomischen Wippstuhl und habe mir erst kürzlich einen großen Gaming-Bildschirm geleistet.

Mein gemütliches HomeofficeVielleicht graut Ihnen bei dieser Beschreibung, weil Sie minimalistische Einrichtungen in Weiß-Grau lieben. Kein Problem: Richten Sie Ihr Büro einfach so ein, wie Sie wollen. So, dass Sie sich darin pudelwohl fühlen und sich gerne darin aufhalten.

Zum anderen brauchen Sie eine vernünftige Ausstattung. Ein Brett in einer Ecke mit einem flackernden Bildschirm darauf und einem Klappstuhl davor ist kein Arbeitsplatz, an dem Sie dauerhaft produktiv sein werden, denn Ihr Rücken, Ihre Augen und Sie selbst werden hier vor allem eins wollen: nicht wie raus!

3. Arbeiten Sie nach Plan

Im Homeoffice müssen Sie Ihre Aufgaben noch besser planen, als Sie es in einem externen Büro müssten. Schließlich fehlen hier Chef und Kollegen, die Sie anspornen. Dafür gäbe es immer auch eine Menge sonstiger Dinge zu erledigen und die Versuchung zum Prokrastinieren ist zuhause noch größer (siehe Tipp 5). Deshalb sollten Sie es sich leicht machen, die wichtigen Dinge zu erledigen:

Ich mache jeweils eine schriftliche To-do-Liste für den Monat und eine für die Woche. Wenn ich richtig viel zu tun habe, erstelle ich jeweils am Vorabend zusätzlich eine To-do-Liste für den Tag. Damit habe ich immer den Überblick über alles, was ansteht und was am betreffenden Arbeitstag zu erledigen ist. Das tue ich dann auch. Meistens.

Ich persönlich liebe Listen auf Papier, weil ich darauf die erledigten Aufgaben mit einem dicken roten Stift abhaken und am Ende das ganze Blatt abreißen, zerknüllen und wegwerfen kann. Das befriedigt mich ungemein. Wenn Sie kein so haptischer Typ sind, können Sie natürlich auch mit den Outlook-Aufgaben oder einem anderen elektronischen Helferlein arbeiten.

4. Folgen Sie Ihrem Biorhythmus

Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist im Homeoffice herausfordernd. Wenn Sie im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses daheim arbeiten, haben Sie vielleicht Kernzeiten, in denen Sie erreichbar sein müssen. Dann müssen Sie aber immer noch sehen, wie Sie die restlichen Stunden verteilen. Wenn Sie selbstständig im heimischen Büro sitzen, ist es allein Ihre Sache, wann Sie Ihre Arbeit erledigen. Das gibt Ihnen große Freiheit. Und zwingt Sie zu Selbstdisziplin.

Oft liest man zum Thema Selbstmanagement im Homeoffice die Empfehlung, man solle jeden Tag zur selben Zeit aufstehen und sich am besten anziehen und schminken wie fürs Büro. Wenn Ihnen das hilft, ist das okay. Aber es ist kein Muss.

Ich sitze auch meistens um dieselbe Zeit im Büro, aber während der Schulzeiten (ich habe noch zwei schulpflichtige Kinder) früher, in den Ferienzeiten später. Manchmal wird es morgens noch später, wenn ich am Vorabend länger unterwegs war. Oder ich setze mich ungewaschen in meiner Jogginghose am Schreibtisch, weil ich im Lauf des Vormittags noch zum Walken gehen will und erst danach dusche. Ich schminke mich grundsätzlich nicht, also auch nicht fürs Büro. Und ich ziehe an, was ich mag. Meine Freundin C., die ebenfalls selbstständig ist, liebt es, morgens noch im Bett ihre Social Media-Kanäle zu bespielen.

Wie auch immer: Letztlich wissen Sie selbst am besten, wann Sie besonders produktiv sind. Nach diesen Zeiten sollten Sie sich richten. Wenn Sie eine „Eule“ sind, brauchen Sie nicht verbissen um 6 Uhr aufzustehen, um dann um 7 Uhr müde auf den Bildschirm zu starren. Andererseits dürfte es schwierig werden, Ihre To-do-Liste abzuarbeiten, wenn Sie erst mittags damit anfangen. Am besten definieren Sie daher eigene Kernzeiten für sich, an die Sie sich möglichst streng halten.

Kinder schauen auf einen BildschirmSchieben Sie möglichst nichts bis abends vor sich her

Als meine Kinder klein waren, habe ich mich oft an den Schreibtisch gesetzt, wenn sie abends im Bett waren. Es ging halt nicht anders. Heute schiebe ich gelegentlich eine Abendschicht ein, wenn es vor einem Abgabetermin eng wird oder ich insgesamt zu viel zu tun habe, um mein Tagespensum tagsüber zu schaffen. Aber abendliches Arbeiten bezahle ich mit schlechtem Schlaf. Und der führt unweigerlich zu geringerer Produktivität am Folgetag. Deswegen versuche ich normalerweise, meinen Arbeitstag spätestens um 20 Uhr zu beenden. Ich rate Ihnen dazu, das ähnlich zu halten. Das ist ähnlich wie bei den Kindern: Die sollen abends auch nicht bis kurz vor dem Schlafengehen vor einem Bildschirm sitzen.

5. Prokrastinieren Sie ruhig. Aber wenn, dann richtig!

„Konsequent abarbeiten“ klappt natürlich auch im Homeoffice nicht immer. Besonders wenn es sich um eine Aufgabe handelt, die man sowieso nicht gerne erledigt. Die klassischen Versuchungen des Aufschiebens (ich finde ja, dass „prokrastinieren“ gleich viel besser klingt) sind daheim noch viel verführerischer: Mal online die Zeitungen durchsehen, die E-Mails checken, eine Bestellung erledigen, auf YouTube oder Pinterest herumstöbern oder was auch immer. Muss schließlich auch mal gemacht werden. Sieht ja eh keiner!

Mein Trick: Wenn ich so gar keine Lust auf eine Aufgabe habe, wende ich mich erst einmal anderen Dingen zu. Aber nur welchen, die auch schon eine Weile auf Bearbeitung warten: Ich beantworte E-Mails, lege Dokumente ab, mache Überweisungen, ratsche auch mal am Telefon mit jemanden aus meinem beruflichen Netzwerk. Das Gute daran ist: Sobald ich einiges erledigt habe, fühle ich mich besser. Endlich den Posteingang wieder geleert! Endlich den Kram abgelegt! Schön, dass ich mal wieder mit J. oder C. gesprochen habe! Das gibt mir ein gutes Gefühl und neue Energie. Okay, dann kann ich jetzt auch mit der ungeliebten Aufgabe anfangen. Ich werde mich noch viel besser fühlen, wenn sie ebenfalls erledigt ist …

Also: Geben Sie der Versuchung zum Aufschieben ruhig mal nach. In der „Aufschiebezeit“ können Sie nämlich eine Menge Dinge geregelt kriegen. Aber belügen Sie sich nicht selbst, wenn Sie stattdessen nur Dinge machen, die tatsächlich unnötig sind. Das ist eines der zentralen Elemente für ein gutes Selbstmanagement im Homeoffice.

6. Behandeln Sie Arbeitszeit als Arbeitszeit

Früher rief vormittags regelmäßig meine Mutter bei mir an, weil sie wusste, dass ich dann im Büro und sicher zu erreichen war. Es dauerte eine Weile, bis ich ihr klargemacht hatte, dass ich gerne mit ihr plausche, aber nicht während meiner Arbeitszeit. Denn Sie können zwar theoretisch im Homeoffice alles machen, was Sie im „richtigen“ Büro bei einem Arbeitgeber nicht dürfen. Aber Sie sollten es nicht tun, wenn Sie während Ihrer Arbeitszeit produktiv sein und auch mal echte Freizeit genießen wollen.

Deswegen rate ich Ihnen auch, Ihr Smartphone nicht mit an den Schreibtisch zu nehmen oder es am besten während Ihrer Arbeitszeit gar nicht anzuschalten. Das klingt für Sie vielleicht weltfremd, aber glauben Sie mir: Sie werden dadurch nichts Wichtiges verpassen, denn Ihre Familie und Ihre Freunde wissen ja, wo Sie sie erreichen können, wenn es sein muss. Eine Bürozeit ohne WhatsApp, Snapchat & Co. ist garantiert produktiver als mit. Handy-Daddeln gehört auch nicht zum nützlichen Prokrastinieren, es beeinträchtigt Ihre Produktivität im Homeoffice!

Wenn Ihre Muss-Aufgaben für den Tag erledigt sind, räumen Sie den Schreibtisch auf, schreiben ggf. eine neue Liste für den nächsten Tag. Dann machen Sie die Bürotür hinter sich zu, denn dann ist Freizeit angesagt. Wenn Sie es nicht schaffen, den Kopf frei zu bekommen, rate ich zu einem Spaziergang oder zum Sport.

7. Machen Sie Pausen

Teepause für mehr Produktivität im Homeoffice - große Teetasse auf der TerrasseMitunter gibt es auch Phasen, in denen an Prokrastinieren sowieso nicht zu denken ist, sondern in denen richtig Ranklotzen angesagt ist. Dann sitze ich manchmal schon morgens um 7:15 Uhr im Büro (für mich ist das sehr früh!) und hämmere auf die Tasten, denn ich habe keine Zeit zu verlieren.

Gerade dann sind Pausen wichtig. Für mich hat es sich bewährt, alle eineinhalb bis zwei Stunden etwa zehn bis fünfzehn Minuten Pause zu machen. „Pause“ heißt: Aufstehen und den Schreibtisch verlassen. Ob Sie in die Küche gehen und sich einen Kaffee machen oder zwischendrin die Wäsche aufhängen oder die Blumen gießen ist egal, solange Sie etwas Abstand zwischen sich und Ihre Arbeit bekommen und sich wenigstens ein bisschen bewegen.

Im heimischen Arbeitszimmer warten keine Kollegen in der Kaffee- oder Mittagspause. Hier müssen Sie Ihre Pausen und Verabredungen selbst organisieren. Wenn meine Kinder Nachmittagsunterricht haben und ich sonst den ganzen Tag alleine in meinem Büro sitzen würde, verabrede ich mich deswegen nachmittags gerne mit Freundinnen zum Kaffee. Oder ich gehe (gerade im Winter) mittags eine Runde spazieren. Danach ist der Kopf wieder frei und ich kann noch mal zwei oder drei Stunden arbeiten, wenn es sein muss.

Alles in allem liebe ich es, selbstbestimmt von zuhause aus zu arbeiten. Ich hoffe, dass auch Sie es genießen können und meine Tipps zum Selbstmanagement im Homeoffice Ihnen dabei helfen.

Selbstmanagement im Homeoffice

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November-Highlight: der MFA-Tag 2017 in München

MFA-Tag 2017 in München - Kurzbericht

Kaum zu glauben, aber heute findet der 11. Deutsche MFA-Tag und ZFA-Tag in München statt, und ich bin schon zum 9. Mal dabei. „MFA“ ist übrigens die Abkürzung für Medizinische Fachangestellte, und von denen sind heute fast 600 im Leonardo Hotel Royal in München auf dem Kongress, den das PKV Informationszentrum veranstaltet. Da ich für PKV als freie Redakteurin den Newsletter ABRECHNUNG exakt betreue, nehme ich ebenfalls an diesem Kongress teil.

Meine Eindrücke vom MFA-Tag 2017

Das Leonardo ist ein sehr neues und sehr stylishes Hotel in einer der weniger schönen Ecken Münchens.

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Im Foyer vor dem großen Vortragsraum sammeln sich nach und nach die Teilnehmerinnen.

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MFA-Tag - Begrüßung der Teilnehmer durch Herrn Egenberger

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Über diese Anfrage habe ich mich sehr gefreut: Ein Interview, das ich vor einiger Zeit zum Thema Taschengeld für Kinder gegeben hatte, sollte in in Schulbuch in Baden-Württemberg aufgenommen werden. Da habe ich gerne zugestimmt. Nun ist das Belegexemplar eingetroffen:

deutsch ideen Arbeitsheft 7. Klasse - Cover

Und tatsächlich: Das Kapitel zu den Sachtexten beschäftigt sich mit dem Thema „Kinder und Geld“. Das finde ich vorbildlich, denn Gelderziehung ist ein oft sträflich vernachlässigtes Thema, darüber sollte viel mehr gesprochen und geschrieben werden. Mein Interviewtext dient in diesem Arbeitsheft für Siebtklässler als Übungstext zum Erschließen und Zusammenfassen eines Sachtextes.

mein Interview als Schulbuchtext

Darauf bin ich natürlich schon ein bisschen stolz. Und ich hoffe, dass die wichtigen Punkte bei den Schülern (und möglichst auch bei deren Eltern) ankommen …

Hier geht es übrigens zum vollständigen Original-Interview auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Finanzen.

Kleiner Streetart-Streifzug durch Chemnitz

Der Chemnitzer Karl-Marx-Kopf im Profil

Letzte Woche war ich zum zweiten Mal in diesem Jahr in Chemnitz, um dort ein Seminar bei der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft eG zu halten. Schon bei meinem Besuch im April war ich fasziniert von dieser ungewöhnlichen Stadt, die neben einem architektonischen Potpourri auch viel Kunst im öffentlichen Raum zu bieten hat. (Hier geht es zu meinem ersten Chemnitz-Post.) Da ich eine Schwäche für Streetart habe, habe ich mir diesmal wieder einen kleinen Streifzug durch die Stadt gegönnt und meine Eindrücke festgehalten.

Streetart in Chemnitz 2017

Auf dem Kaßberg gibt es weniger Graffiti als in anderen Vierteln (wahrscheinlich weil die Jugendstilhäuser dort bereits so detailreich verziert sind). Aber ein wildes Exemplar habe ich doch an einem Garagenhof gefunden.

wilder Geselle am Kaßberg - Streetart in Chemnitz

Etwas fröhlicher gestimmt scheint dieser kleine Mann zu sien, den ich auf dem Weg hinunter ins Zentrum getroffen habe.

kleiner Superheld

Hinter dem Chemnitzer Rathaus wird es dann bunt. Ziemlich gefräßig wirkt dieser Müllcontainer:

gefräßiger Container

Richtig toll fand ich diese fünf Helden, wobei mir der kleine Wicki mit der dicken Friedenstaube am besten gefällt.

5 Comic-Helden

In der Straße der Nationen traf ich diesen fröhlichen Gesellen:

fröhlicher Knilch

Er hat offensichtlich einen etwas skeptischer gestimmten Verwandten in Richtung Brühl:

skeptischer Knilch

In Brühl habe ich auch diese prächtigen Gemälde in einem Durchgang gefunden; das erste wirkt auf mich wie eine Weltraumschlacht. Es könnte natürlich auch etwas ganz anderes sein.

Weltraumschlacht oder etwas anderes

Kein Wunder, dass da alle Suchmaschinenköpfe erst einmal die Hände hoch nehmen:

Hände hoch in Brühl

Bei meinem ersten Besuch in Chemnitz sind mir vor allem die künstlerisch verzierten Stromverteilerkästen aufgefallen. Da habe ich diesmal zwei weitere sehenswerte Exemplare entdeckt. Ich weiß gar nicht, warum ich den schönen Falter am roten Turm nicht vorher bemerkt hatte. Er ist übrigens von Friedrich Benzler, der im Auftrag des örtlichen Energieversorgers insgesamt 15 Verteilerkästen in der Stadt verschönert hat.

Schmetterling von Friedrich Benzler

Sehr passend finde ich auch das Bücherregal beim Karl-Marx-Kopf. Das hätte Marx bestimmt gefallen – auch wenn „Das Kapital“ offensichtlich nicht im Regal steht …

Stromverteilerkasten alias Bücherregal am Nischel

Ich bin schon gespannt darauf, was ich bei meinem nächsten Besuch in der Stadt an Streetart in Chemnitz entdecken werden!

Rezension zu Für Kinder Geld anlegen von Henning Lindhoff

Cover von Für Kinder Geld anlegen

„Für Kinder Geld anlegen“ schließt lobenswerterweise eine Lücke, die viele Finanzbücher offenlassen: Schließlich ist es nicht nur für die eigene Daseins- und Altersvorsorge sinnvoll, Geld anzusparen und anzulegen. Sondern auch für den finanziell gepolsterten Start der Kinder in ihr Erwachsenendasein.

Henning Lindhoff rät zu Recht dazu, möglichst kurz vor oder ab der Geburt eines Kindes mit der regelmäßigen Geldanlage zu beginnen. Denn dann beträgt der Anlagehorizont 18 bis 20 Jahre, während derer sich Zins- und andere Vermögenspreisschwankungen glätten und der Zinseszinseffekt zum Tragen kommen kann.

Vorsorgen - Sorgen

Aber was sollen finanziell vorsorgende Eltern – ggf. auch Großeltern oder Paten – konkret tun, wenn sie derart vorausschauend handeln und frühzeitig für Kinder Geld anlegen wollen?

Erst einmal misstrauisch sein, rät der Autor:

„90 Prozent aller Renditeprognosen, Kauf- und Verkaufstipps, Anlagegeheimnisse und Portfolio-Berater, die jeden Tag aufs Neue in Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen und vor allem im Internet die Runde machen, sind reiner Mist.“ (S. 13)

Das gilt natürlich nicht für den Rat, den Sie in diesem Buch zu lesen bekommen 🙂

Und wie soll man nun für Kinder Geld anlegen?

Hier kommt Henning Lindhoff schnell zur Sache. Die derzeitige Nullzinspolitik, aber auch die irgendwann wieder zu erwartende Inflation machen eine rein zinsbasierte Geldanlage in vermeintlich sicheren Produkten (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld usw.) zu einem Verlustgeschäft. Es gilt also in Sachwerte zu investieren, und zwar möglichst in welche, deren Wert im Zeitablauf sicher steigt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte ist das nur bei einer Anlageklasse der Fall:

„Fest steht: Eine Geldanlage ohne Aktien oder Fondsanteile ist zum Scheitern verurteilt.“ (S. 25)

Ein paar Seiten weiter, wir befinden uns inzwischen im 3. Kapitel, stellt der Autor den Kern seiner Geldanlageempfehlung vor, nämlich die Anlage eines ETF-Sparplans:

„Manche nennen es Faulheit. Ich nenne es die >>Formel der Champions<<. Eine Investition in Exchange Traded Funds bedeutet für Sie, dass Sie relativ wenig Aufwand betreiben müssen. (…) Warum sollten Sie sich länger als nötig mit dem Vermögensaufbau für Ihr Kind beschäftigen? Sparen Sie Zeit und schenken Sie diese Ihrem Nachwuchs.“ (S. 43)

Des Pudels Kern ist also ein Aktien-ETF-Sparplan

Das finde ich sehr vernünftig. Ein (Aktien-)ETF ist nämlich nichts anderes als ein Aktienfonds, der so konstruiert ist, dass er weitgehend automatisch einen Aktienindex nachbildet. Dadurch verursacht er geringe Verwaltungskosten (= Gebühren für den Anleger) und ist dennoch genauso erfolgreich wie der Index, den er abbildet. Die Kursschwankungen, die sich im Börsenjahr unvermeidlich ergeben, gleichen sich durch den langen Anlagehorizont aus. Mal kauft man billiger, mal teurer (= Cost-Average-Effekt), nach 20 Jahren aber ist der Wert sicher gestiegen – es sei denn, in der Zwischenzeit geht die Welt unter. Aber dann haben Sie sowieso andere Sorgen als die Auswahl des richtigen Geldanlageprodukts.

Henning Lindhoff erklärt auf den folgenden Seiten, welche Indizes für die ETF-Konstruktion zur Verfügung stehen und welche Vor- und Nachteile sie bieten. Zum Einstieg empfiehlt er einen ETF aus Basis des weltweiten Index MSCI World (ebenfalls sehr vernünftig.)

Bei der Schritt-für-Schritt-Anleitung hapert es aber

Leider entwickelt das Buch ab hier deutliche Schwächen: Die versprochene Schritt-für-Schrittanleitung in Kapitel 5 entpuppt sich als ziemliches Durcheinander. So soll man zuerst einen Sparplan anlegen, dann die Sparrate festlegen, einmal im Jahr einen Finanztag zur kritischen Durchsicht einplanen und dann ein Depot bei einer Bank eröffnen, die möglichst nicht die Hausbank sein sollte.

Anschließend wird erklärt, wie ein Depotwechsel funktioniert, danach die Frage angerissen, ob das Depot auf den Namen des Kindes eröffnet werden sollte oder nicht. Zuletzt geht es um die Auswahl des richtigen ETFs, bei der man erstaunlicherweise nicht bei der Depotbank suchen, sondern die ETF-Suche eines anderen Dienstleisters nutzen soll, der (angeblich) unabhängig ist.

Das fand ich beim Lesen sehr wirr. Die logische Reihenfolge wäre ja, zuerst eine Depotbank auszuwählen (auch ich würde hier eine Direktbank empfehlen), dann zu überlegen, auf wen das Depot laufen soll. Erst danach gilt es, einen ETF auszuwählen, sich für eine Sparrate zu entscheiden und schließlich den Sparplan anzulegen.

Zum Abschluss des Kapitels werden einige ETF-Kennzahlen vorgestellt. Dabei fallen einige Erklärungen aber zumindest für nicht einschlägig vorgebildete Leser zu mager aus. Die zum Vermögensendwert ist schlicht falsch, da hier die Rendite (= Wertsteigerung in Prozent) mit der auf den heutigen Wert abdiskontierten Endsumme verwechselt wird.

Das Durcheinander steigert sich in den Kapiteln 6 und 7

Unter einer ziemlich reißerischen Überschrift („Wie Sie das Vermögen Ihres Kindes vor der Steuerkrake schützen“) gibt es in Kapitel 6 ein paar Informationen zur steuerlichen Situation. Tatsächlich dürfte für die allermeisten Anleger das Ausfüllen des Freistellungsauftrags genügen, um den entsprechenden Schutz zu erlangen.

In Kapitel 7 wird sehr kurz die Frage angerissen, was man tun soll, wenn der (Börsen-)Crash kommt. Die lapidare Antwort:

„Kein Geld anlegen ist auch keine Lösung.“ (S. 129)

Stimmt. Wie auch, dass der lange Anlagehorizont von ca. 20 Jahren dazu beiträgt, die Folgen eines Crashs verschmerzen zu können. Denn nach jedem Crash kommt irgendwann wieder ein Aufschwung. Das hatten wir aber schon im 1. Kapitel geklärt und danach noch einige Male gelesen, es ist also nicht neu.

Rettungsboote tauchen unvermutet auf, Betongold geht zügig unter

Ziemlich überraschend werden in Kapitel 8 „Rettungsboote aus Gold und Silber“ vorgestellt. Henning Lindhoff empfiehlt zur Absicherung von Vermögen und Kaufkraft, zusätzlich zum ETF-Sparplan physisch Edelmetalle zu erwerben. Er stellt Goldbarren und die bekanntesten Goldmünzen vor, rät dann aber konkret zu einem Silber-Sparplan, bei dem jährlich eine Münztube (= 20 Münzen à 1 Feinunze) erworben wird. Begründung: Silber sei „das Gold des kleinen Mannes“.

An dieser Stelle möchte ich inhaltlich widersprechen. Zwar ist Silber tatsächlich billiger zu haben als Gold, und der Silberpreis hat sich in den letzten Jahren annähernd parallel zum Goldpreis entwickelt. Wer aber auf eine Absicherung für Notzeiten bzw. für den Fall einer Superinflation hofft, sollte doch lieber in Gold investieren. Es dürfte im Notfall besser verkäuflich sein als das „Gold des kleinen Mannes“, das vor allem als Industriemetall eine Rolle spielt. Das bedeutet nämlich, dass es in Zeiten, in denen die Wirtschaft und damit die Börse leiden, eben nicht sehr stark nachgefragt wird und deshalb an Wert verliert. Gold dagegen wird in Krisenzeiten immer zum Rettungsanker ausgerufen und damit wertvoller.

GoldbarrenZu diesem Thema empfehle ich die Lektüre meines Artikels Geld- und Goldgeschenke für Kinder: Was ist sinnvoll?, den ich als Gastbeitrag auf gold.de veröffentlicht habe.

Kapitel 9 diskutiert dann ebenfalls recht unerwartet den Wert der selbstgenutzten Immobilie für den Vermögensaufbau an. Der Autor kommt aber bereits nach zweieinhalb Seiten zum Schluss, dass „Betongold“ nichts taugt. Das ist doch eher wenig Platz für eine tiefere Analyse, zumal wohl kein Leser unter der Überschrift Für Kinder Geld anlegen einen Leitfaden zum Eigenheimerwerb erwartet hätte.

Das große Finale von Für Kinder Geld anlegen fällt klein aus

Kapitel 10 lockt mit der Überschrift: „Die vier Stufen der sicheren Geldanlage für Ihre Kinder“. Ehrlich gesagt war mir an diesem Punkt der Lektüre nicht klar, wie man aus dem Gelesenen – Quintessenz: ETF-Sparplan anlegen und Silbermünzen kaufen – auf 4 Schritte kommen könnte. Diese lauten:

  1. Eröffnen Sie ein Depot für das Kind.
  2. Legen Sie einen ETF-Sparplan an.
  3. Kaufen Sie regelmäßig Edelmetalle.
  4. Lehnen Sie sich entspannt zurück.

Nun ja.

Tatsächlich kam die Diskussion, ob es sinnvoll ist, das Depot auf den Namen des Kindes zu eröffnen oder nicht, zuvor etwas kurz. Schließlich bedeutet ersteres, dass das Kind ab dem 18. Geburtstag die volle Verfügungsgewalt über das Depot hat und dass die Eltern vorher keinen vollen Zugriff auf das angelegte Geld haben, sondern es nur treuhänderisch verwalten. Hier hätte ich mir mehr Information und mehr Rat erwartet.

Und was ist eigentlich, wenn sich klar abzeichnet, dass das Kind das angelegte Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt? Etwa, weil es ein Studium oder eine Ausbildung mitfinanzieren muss. Dann wäre es eher unklug, alles bis zum Schluss in ETFs zu lassen, denn womöglich geht es gerade zu diesem Zeitpunkt an der Börse mal wieder bergab. Gedanken zu einer schrittweisen Umschichtung legt der Autor aber nicht dar.

Der 4-Punkte-Plan ist noch nicht das Ende, sondern es schließt sich ein Kapitel 11 an. Darin geht es allgemein um Gelderziehung, den offenen Umgang mit dem Thema Geld in der Familie und die Vorbildfunktion der Eltern. Das ist ein wichtiges Thema, das auf knapp 7 Seiten naturgemäß nur schlaglichartig beleuchtet werden kann. An dieser Stelle verweise ich gerne auf mein Buch So erziehen Sie Ihre Kinder im Umgang mit Geld, das derzeit leider nur noch antiquarisch erhältlich ist. Oder Sie schreiben mir eine E-Mail, dann sende ich Ihnen gerne ein Exemplar zu.

Mein Fazit zu Für Kinder Geld anlegen

Henning Lindhoff hat dankenswerterweise ein wichtiges Thema aufgegriffen. Sein Rat, zur Geburt eines Kindes einen ETF-Sparplan anzulegen, ist gut und richtig. Auch die Flankierung durch Edelmetallkäufe ist vernünftig, wobei ich vom Silber-Sparplan abrate.

Der interessierte Leser erfährt einiges über ETFs und über Fonds im Allgemeinen, und das in gut verständlicher Sprache.

Er bekommt aber keine Hilfestellung bei der Auswahl der passenden Depotbank (eine Checkliste wäre nützlich gewesen) und wird bei der Auswahl eines konkreten ETF weitgehend alleingelassen. Wirklich ärgerlich sind das kurze Anreißen von Themen, zu denen kaum echte Informationen geliefert werden (Steuer, Crash, Betongold) und die wirre Kapitelstruktur. Wenn Schritt-für-Schritt-Anleitungen und 4-Punkte-Pläne versprochen sind, sollten sie auch geliefert werden. Und zwar so, dass man sie erkennen und befolgen kann.

Insofern fällt meine Rezension zu Für Kinder Geld anlegen gemischt aus: Inhaltlich kann ich das Buch weitgehend empfehlen. Der Lesernutzen könnte aber insgesamt durch mehr Struktur und Stringenz und teilweise auch durch mehr Sachinformation statt flotter Sprüche und unnötiger Wiederholungen deutlich gesteigert werden.

Rezension zu Für Kinder Geld anlegen - Pin

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… und das freut mich wirklich sehr. Auch deswegen, weil mein Reiseführer für Familien mit Kindern zwischen drei und dreizehn Jahren von Anfang an sowohl für Urlauber als auch für Einheimische gedacht war. Schließlich suchen auch Allgäuer immer wieder nach Unternehmungen, die mit Kindern gut machbar sind und allen Familienmitgliedern Spaß machen.

Artikel über meinen Reiseführer Allgäu mit Kindern in der Allgäuer Zeitung vom 22.08.2017

Gleich neben dem Artikel über meinen Reiseführer Allgäu mit Kindern ist übrigens ein Bericht über die Sturmschäden nach dem heftigen Gewitter vom letzten Freitag. Das Foto mit dem umgeknickten Baum stammt aus dem Wirlinger Wald bei Kempten. In diesem Waldgebiet befindet sich auch der Buchenberger Bodenlehrpfad, ein netter kleiner Rundweg, den ich für Familien gerne empfehle. Jedenfalls, sobald die Schäden beseitigt sind.