Selbstmanagement im Homeoffice – 7 Tipps für mehr Produktivität

Selbstmanagement - eine Frau jongliert mit vielen Aufgaben

Bald sind es 20 Jahre, seitdem ich mich als Fachautorin und Dozentin selbstständig gemacht habe. Fast 20 Jahre im Homeoffice, in denen ich nicht nur ungezählte Fachtexte, sondern auch 20 Bücher geschrieben, 18 Jahre lang Vorlesungen und Seminare gehalten und „nebenher“ drei Kinder großgezogen habe. Ich habe in dieser Zeit gelernt, meine irgendwie immer zu knappe Arbeitszeit extrem produktiv zu nutzen. Tatsächlich kommt es dafür vor allem auf ein konsequentes Selbstmanagement im Homeoffice an.

Wenn Sie heute neu im Homeoffice anfangen oder bereits eine Zeit lang von zuhause aus arbeiten und dabei mit Produktivitätsproblemen kämpfen, können Sie von meinen Erfahrungen möglicherweise profitieren. Deswegen habe ich für Sie die Selbstmanagement-Tipps aufgeschrieben, mit denen ich meine Produktivität maximiere und von denen ich denke, dass sie auch Ihnen nützen werden.

Mit diesen 7 erprobten Tipps klappt das Selbstmanagement im Homeoffice

Probieren Sie sie ruhig aus. Ich freue mich, wenn Sie mir von Ihren Erfahrungen berichten.

1. Geben Sie Ihrem Homeoffice Raum

Das meine ich wörtlich: Sie brauchen einen eigenen Raum, wenn Sie darin konzentriert arbeiten wollen. Ich selbst habe an einem Schreibtisch in der Wohnzimmerecke angefangen und kann Ihnen versichern: Das klappt auf Dauer nicht. Erstens werden Sie ständig abgelenkt, wenn um Sie herum die Bügelwäsche, der Fernseher und die Wollmäuse unter dem Sofa „locken“. Zweitens können Sie in Ihrem Wohnzimmer abends nicht gut entspannen, wenn Sie dabei immer die liegen gebliebene Arbeit auf dem Schreibtisch vor Augen haben. Das gilt übrigens erst recht für den Schreibtisch im Schlafzimmer – mit dem ruinieren Sie sich garantiert Ihren Nachtschlaf und Ihr Sexualleben …

2. Machen Sie es sich in Ihrem Homeoffice gemütlich

Als junge Mutter habe ich jahrelang mit Mühe und Not zehn oder zwölf Arbeitsstunden in der Woche für meine (bezahlte) Arbeit freigeschaufelt, heute verbringe ich 35 bis 45 Wochenstunden in meinem Büro. Und das richtig gerne.

Zum einen, weil meine Arbeit ungefähr die schönste der Welt für mich ist. Zum anderen, weil ich mein Büro so eingerichtet habe, dass es mein Lieblingszimmer in unserer Wohnung ist: Es ist dezent tapeziert, ich habe mein Herr-der-Ringe-Poster neben dem Schreibtisch aufgehängt, die Tür mit Gemälden meiner Kinder geschmückt und allerlei persönlichen Schnickschnack herumstehen. Meinen Schreibtisch habe ich vom Schreiner genau nach meinen Bedürfnissen anfertigen lassen, ich sitze auf einem super-ergonomischen Wippstuhl und habe mir erst kürzlich einen großen Gaming-Bildschirm geleistet.

Mein gemütliches HomeofficeVielleicht graut Ihnen bei dieser Beschreibung, weil Sie minimalistische Einrichtungen in Weiß-Grau lieben. Kein Problem: Richten Sie Ihr Büro einfach so ein, wie Sie wollen. So, dass Sie sich darin pudelwohl fühlen und sich gerne darin aufhalten.

Zum anderen brauchen Sie eine vernünftige Ausstattung. Ein Brett in einer Ecke mit einem flackernden Bildschirm darauf und einem Klappstuhl davor ist kein Arbeitsplatz, an dem Sie dauerhaft produktiv sein werden, denn Ihr Rücken, Ihre Augen und Sie selbst werden hier vor allem eins wollen: nicht wie raus!

3. Arbeiten Sie nach Plan

Im Homeoffice müssen Sie Ihre Aufgaben noch besser planen, als Sie es in einem externen Büro müssten. Schließlich fehlen hier Chef und Kollegen, die Sie anspornen. Dafür gäbe es immer auch eine Menge sonstiger Dinge zu erledigen und die Versuchung zum Prokrastinieren ist zuhause noch größer (siehe Tipp 5). Deshalb sollten Sie es sich leicht machen, die wichtigen Dinge zu erledigen:

Ich mache jeweils eine schriftliche To-do-Liste für den Monat und eine für die Woche. Wenn ich richtig viel zu tun habe, erstelle ich jeweils am Vorabend zusätzlich eine To-do-Liste für den Tag. Damit habe ich immer den Überblick über alles, was ansteht und was am betreffenden Arbeitstag zu erledigen ist. Das tue ich dann auch. Meistens.

Ich persönlich liebe Listen auf Papier, weil ich darauf die erledigten Aufgaben mit einem dicken roten Stift abhaken und am Ende das ganze Blatt abreißen, zerknüllen und wegwerfen kann. Das befriedigt mich ungemein. Wenn Sie kein so haptischer Typ sind, können Sie natürlich auch mit den Outlook-Aufgaben oder einem anderen elektronischen Helferlein arbeiten.

4. Folgen Sie Ihrem Biorhythmus

Die Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist im Homeoffice herausfordernd. Wenn Sie im Rahmen eines Anstellungsverhältnisses daheim arbeiten, haben Sie vielleicht Kernzeiten, in denen Sie erreichbar sein müssen. Dann müssen Sie aber immer noch sehen, wie Sie die restlichen Stunden verteilen. Wenn Sie selbstständig im heimischen Büro sitzen, ist es allein Ihre Sache, wann Sie Ihre Arbeit erledigen. Das gibt Ihnen große Freiheit. Und zwingt Sie zu Selbstdisziplin.

Oft liest man zum Thema Selbstmanagement im Homeoffice die Empfehlung, man solle jeden Tag zur selben Zeit aufstehen und sich am besten anziehen und schminken wie fürs Büro. Wenn Ihnen das hilft, ist das okay. Aber es ist kein Muss.

Ich sitze auch meistens um dieselbe Zeit im Büro, aber während der Schulzeiten (ich habe noch zwei schulpflichtige Kinder) früher, in den Ferienzeiten später. Manchmal wird es morgens noch später, wenn ich am Vorabend länger unterwegs war. Oder ich setze mich ungewaschen in meiner Jogginghose am Schreibtisch, weil ich im Lauf des Vormittags noch zum Walken gehen will und erst danach dusche. Ich schminke mich grundsätzlich nicht, also auch nicht fürs Büro. Und ich ziehe an, was ich mag. Meine Freundin C., die ebenfalls selbstständig ist, liebt es, morgens noch im Bett ihre Social Media-Kanäle zu bespielen.

Wie auch immer: Letztlich wissen Sie selbst am besten, wann Sie besonders produktiv sind. Nach diesen Zeiten sollten Sie sich richten. Wenn Sie eine „Eule“ sind, brauchen Sie nicht verbissen um 6 Uhr aufzustehen, um dann um 7 Uhr müde auf den Bildschirm zu starren. Andererseits dürfte es schwierig werden, Ihre To-do-Liste abzuarbeiten, wenn Sie erst mittags damit anfangen. Am besten definieren Sie daher eigene Kernzeiten für sich, an die Sie sich möglichst streng halten.

Kinder schauen auf einen BildschirmSchieben Sie möglichst nichts bis abends vor sich her

Als meine Kinder klein waren, habe ich mich oft an den Schreibtisch gesetzt, wenn sie abends im Bett waren. Es ging halt nicht anders. Heute schiebe ich gelegentlich eine Abendschicht ein, wenn es vor einem Abgabetermin eng wird oder ich insgesamt zu viel zu tun habe, um mein Tagespensum tagsüber zu schaffen. Aber abendliches Arbeiten bezahle ich mit schlechtem Schlaf. Und der führt unweigerlich zu geringerer Produktivität am Folgetag. Deswegen versuche ich normalerweise, meinen Arbeitstag spätestens um 20 Uhr zu beenden. Ich rate Ihnen dazu, das ähnlich zu halten. Das ist ähnlich wie bei den Kindern: Die sollen abends auch nicht bis kurz vor dem Schlafengehen vor einem Bildschirm sitzen.

5. Prokrastinieren Sie ruhig. Aber wenn, dann richtig!

„Konsequent abarbeiten“ klappt natürlich auch im Homeoffice nicht immer. Besonders wenn es sich um eine Aufgabe handelt, die man sowieso nicht gerne erledigt. Die klassischen Versuchungen des Aufschiebens (ich finde ja, dass „prokrastinieren“ gleich viel besser klingt) sind daheim noch viel verführerischer: Mal online die Zeitungen durchsehen, die E-Mails checken, eine Bestellung erledigen, auf YouTube oder Pinterest herumstöbern oder was auch immer. Muss schließlich auch mal gemacht werden. Sieht ja eh keiner!

Mein Trick: Wenn ich so gar keine Lust auf eine Aufgabe habe, wende ich mich erst einmal anderen Dingen zu. Aber nur welchen, die auch schon eine Weile auf Bearbeitung warten: Ich beantworte E-Mails, lege Dokumente ab, mache Überweisungen, ratsche auch mal am Telefon mit jemanden aus meinem beruflichen Netzwerk. Das Gute daran ist: Sobald ich einiges erledigt habe, fühle ich mich besser. Endlich den Posteingang wieder geleert! Endlich den Kram abgelegt! Schön, dass ich mal wieder mit J. oder C. gesprochen habe! Das gibt mir ein gutes Gefühl und neue Energie. Okay, dann kann ich jetzt auch mit der ungeliebten Aufgabe anfangen. Ich werde mich noch viel besser fühlen, wenn sie ebenfalls erledigt ist …

Also: Geben Sie der Versuchung zum Aufschieben ruhig mal nach. In der „Aufschiebezeit“ können Sie nämlich eine Menge Dinge geregelt kriegen. Aber belügen Sie sich nicht selbst, wenn Sie stattdessen nur Dinge machen, die tatsächlich unnötig sind. Das ist eines der zentralen Elemente für ein gutes Selbstmanagement im Homeoffice.

6. Behandeln Sie Arbeitszeit als Arbeitszeit

Früher rief vormittags regelmäßig meine Mutter bei mir an, weil sie wusste, dass ich dann im Büro und sicher zu erreichen war. Es dauerte eine Weile, bis ich ihr klargemacht hatte, dass ich gerne mit ihr plausche, aber nicht während meiner Arbeitszeit. Denn Sie können zwar theoretisch im Homeoffice alles machen, was Sie im „richtigen“ Büro bei einem Arbeitgeber nicht dürfen. Aber Sie sollten es nicht tun, wenn Sie während Ihrer Arbeitszeit produktiv sein und auch mal echte Freizeit genießen wollen.

Deswegen rate ich Ihnen auch, Ihr Smartphone nicht mit an den Schreibtisch zu nehmen oder es am besten während Ihrer Arbeitszeit gar nicht anzuschalten. Das klingt für Sie vielleicht weltfremd, aber glauben Sie mir: Sie werden dadurch nichts Wichtiges verpassen, denn Ihre Familie und Ihre Freunde wissen ja, wo Sie sie erreichen können, wenn es sein muss. Eine Bürozeit ohne WhatsApp, Snapchat & Co. ist garantiert produktiver als mit. Handy-Daddeln gehört auch nicht zum nützlichen Prokrastinieren, es beeinträchtigt Ihre Produktivität im Homeoffice!

Wenn Ihre Muss-Aufgaben für den Tag erledigt sind, räumen Sie den Schreibtisch auf, schreiben ggf. eine neue Liste für den nächsten Tag. Dann machen Sie die Bürotür hinter sich zu, denn dann ist Freizeit angesagt. Wenn Sie es nicht schaffen, den Kopf frei zu bekommen, rate ich zu einem Spaziergang oder zum Sport.

7. Machen Sie Pausen

Teepause für mehr Produktivität im Homeoffice - große Teetasse auf der TerrasseMitunter gibt es auch Phasen, in denen an Prokrastinieren sowieso nicht zu denken ist, sondern in denen richtig Ranklotzen angesagt ist. Dann sitze ich manchmal schon morgens um 7:15 Uhr im Büro (für mich ist das sehr früh!) und hämmere auf die Tasten, denn ich habe keine Zeit zu verlieren.

Gerade dann sind Pausen wichtig. Für mich hat es sich bewährt, alle eineinhalb bis zwei Stunden etwa zehn bis fünfzehn Minuten Pause zu machen. „Pause“ heißt: Aufstehen und den Schreibtisch verlassen. Ob Sie in die Küche gehen und sich einen Kaffee machen oder zwischendrin die Wäsche aufhängen oder die Blumen gießen ist egal, solange Sie etwas Abstand zwischen sich und Ihre Arbeit bekommen und sich wenigstens ein bisschen bewegen.

Im heimischen Arbeitszimmer warten keine Kollegen in der Kaffee- oder Mittagspause. Hier müssen Sie Ihre Pausen und Verabredungen selbst organisieren. Wenn meine Kinder Nachmittagsunterricht haben und ich sonst den ganzen Tag alleine in meinem Büro sitzen würde, verabrede ich mich deswegen nachmittags gerne mit Freundinnen zum Kaffee. Oder ich gehe (gerade im Winter) mittags eine Runde spazieren. Danach ist der Kopf wieder frei und ich kann noch mal zwei oder drei Stunden arbeiten, wenn es sein muss.

Alles in allem liebe ich es, selbstbestimmt von zuhause aus zu arbeiten. Ich hoffe, dass auch Sie es genießen können und meine Tipps zum Selbstmanagement im Homeoffice Ihnen dabei helfen.

Selbstmanagement im Homeoffice

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