Rezension zu Für Kinder Geld anlegen von Henning Lindhoff

Cover von Für Kinder Geld anlegen

„Für Kinder Geld anlegen“ schließt lobenswerterweise eine Lücke, die viele Finanzbücher offenlassen: Schließlich ist es nicht nur für die eigene Daseins- und Altersvorsorge sinnvoll, Geld anzusparen und anzulegen. Sondern auch für den finanziell gepolsterten Start der Kinder in ihr Erwachsenendasein.

Henning Lindhoff rät zu Recht dazu, möglichst kurz vor oder ab der Geburt eines Kindes mit der regelmäßigen Geldanlage zu beginnen. Denn dann beträgt der Anlagehorizont 18 bis 20 Jahre, während derer sich Zins- und andere Vermögenspreisschwankungen glätten und der Zinseszinseffekt zum Tragen kommen kann.

Vorsorgen - Sorgen

Aber was sollen finanziell vorsorgende Eltern – ggf. auch Großeltern oder Paten – konkret tun, wenn sie derart vorausschauend handeln und frühzeitig für Kinder Geld anlegen wollen?

Erst einmal misstrauisch sein, rät der Autor:

„90 Prozent aller Renditeprognosen, Kauf- und Verkaufstipps, Anlagegeheimnisse und Portfolio-Berater, die jeden Tag aufs Neue in Zeitungen, Zeitschriften, im Fernsehen und vor allem im Internet die Runde machen, sind reiner Mist.“ (S. 13)

Das gilt natürlich nicht für den Rat, den Sie in diesem Buch zu lesen bekommen 🙂

Und wie soll man nun für Kinder Geld anlegen?

Hier kommt Henning Lindhoff schnell zur Sache. Die derzeitige Nullzinspolitik, aber auch die irgendwann wieder zu erwartende Inflation machen eine rein zinsbasierte Geldanlage in vermeintlich sicheren Produkten (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld usw.) zu einem Verlustgeschäft. Es gilt also in Sachwerte zu investieren, und zwar möglichst in welche, deren Wert im Zeitablauf sicher steigt. Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte ist das nur bei einer Anlageklasse der Fall:

„Fest steht: Eine Geldanlage ohne Aktien oder Fondsanteile ist zum Scheitern verurteilt.“ (S. 25)

Ein paar Seiten weiter, wir befinden uns inzwischen im 3. Kapitel, stellt der Autor den Kern seiner Geldanlageempfehlung vor, nämlich die Anlage eines ETF-Sparplans:

„Manche nennen es Faulheit. Ich nenne es die >>Formel der Champions<<. Eine Investition in Exchange Traded Funds bedeutet für Sie, dass Sie relativ wenig Aufwand betreiben müssen. (…) Warum sollten Sie sich länger als nötig mit dem Vermögensaufbau für Ihr Kind beschäftigen? Sparen Sie Zeit und schenken Sie diese Ihrem Nachwuchs.“ (S. 43)

Des Pudels Kern ist also ein Aktien-ETF-Sparplan

Das finde ich sehr vernünftig. Ein (Aktien-)ETF ist nämlich nichts anderes als ein Aktienfonds, der so konstruiert ist, dass er weitgehend automatisch einen Aktienindex nachbildet. Dadurch verursacht er geringe Verwaltungskosten (= Gebühren für den Anleger) und ist dennoch genauso erfolgreich wie der Index, den er abbildet. Die Kursschwankungen, die sich im Börsenjahr unvermeidlich ergeben, gleichen sich durch den langen Anlagehorizont aus. Mal kauft man billiger, mal teurer (= Cost-Average-Effekt), nach 20 Jahren aber ist der Wert sicher gestiegen – es sei denn, in der Zwischenzeit geht die Welt unter. Aber dann haben Sie sowieso andere Sorgen als die Auswahl des richtigen Geldanlageprodukts.

Henning Lindhoff erklärt auf den folgenden Seiten, welche Indizes für die ETF-Konstruktion zur Verfügung stehen und welche Vor- und Nachteile sie bieten. Zum Einstieg empfiehlt er einen ETF aus Basis des weltweiten Index MSCI World (ebenfalls sehr vernünftig.)

Bei der Schritt-für-Schritt-Anleitung hapert es aber

Leider entwickelt das Buch ab hier deutliche Schwächen: Die versprochene Schritt-für-Schrittanleitung in Kapitel 5 entpuppt sich als ziemliches Durcheinander. So soll man zuerst einen Sparplan anlegen, dann die Sparrate festlegen, einmal im Jahr einen Finanztag zur kritischen Durchsicht einplanen und dann ein Depot bei einer Bank eröffnen, die möglichst nicht die Hausbank sein sollte.

Anschließend wird erklärt, wie ein Depotwechsel funktioniert, danach die Frage angerissen, ob das Depot auf den Namen des Kindes eröffnet werden sollte oder nicht. Zuletzt geht es um die Auswahl des richtigen ETFs, bei der man erstaunlicherweise nicht bei der Depotbank suchen, sondern die ETF-Suche eines anderen Dienstleisters nutzen soll, der (angeblich) unabhängig ist.

Das fand ich beim Lesen sehr wirr. Die logische Reihenfolge wäre ja, zuerst eine Depotbank auszuwählen (auch ich würde hier eine Direktbank empfehlen), dann zu überlegen, auf wen das Depot laufen soll. Erst danach gilt es, einen ETF auszuwählen, sich für eine Sparrate zu entscheiden und schließlich den Sparplan anzulegen.

Zum Abschluss des Kapitels werden einige ETF-Kennzahlen vorgestellt. Dabei fallen einige Erklärungen aber zumindest für nicht einschlägig vorgebildete Leser zu mager aus. Die zum Vermögensendwert ist schlicht falsch, da hier die Rendite (= Wertsteigerung in Prozent) mit der auf den heutigen Wert abdiskontierten Endsumme verwechselt wird.

Das Durcheinander steigert sich in den Kapiteln 6 und 7

Unter einer ziemlich reißerischen Überschrift („Wie Sie das Vermögen Ihres Kindes vor der Steuerkrake schützen“) gibt es in Kapitel 6 ein paar Informationen zur steuerlichen Situation. Tatsächlich dürfte für die allermeisten Anleger das Ausfüllen des Freistellungsauftrags genügen, um den entsprechenden Schutz zu erlangen.

In Kapitel 7 wird sehr kurz die Frage angerissen, was man tun soll, wenn der (Börsen-)Crash kommt. Die lapidare Antwort:

„Kein Geld anlegen ist auch keine Lösung.“ (S. 129)

Stimmt. Wie auch, dass der lange Anlagehorizont von ca. 20 Jahren dazu beiträgt, die Folgen eines Crashs verschmerzen zu können. Denn nach jedem Crash kommt irgendwann wieder ein Aufschwung. Das hatten wir aber schon im 1. Kapitel geklärt und danach noch einige Male gelesen, es ist also nicht neu.

Rettungsboote tauchen unvermutet auf, Betongold geht zügig unter

Ziemlich überraschend werden in Kapitel 8 „Rettungsboote aus Gold und Silber“ vorgestellt. Henning Lindhoff empfiehlt zur Absicherung von Vermögen und Kaufkraft, zusätzlich zum ETF-Sparplan physisch Edelmetalle zu erwerben. Er stellt Goldbarren und die bekanntesten Goldmünzen vor, rät dann aber konkret zu einem Silber-Sparplan, bei dem jährlich eine Münztube (= 20 Münzen à 1 Feinunze) erworben wird. Begründung: Silber sei „das Gold des kleinen Mannes“.

An dieser Stelle möchte ich inhaltlich widersprechen. Zwar ist Silber tatsächlich billiger zu haben als Gold, und der Silberpreis hat sich in den letzten Jahren annähernd parallel zum Goldpreis entwickelt. Wer aber auf eine Absicherung für Notzeiten bzw. für den Fall einer Superinflation hofft, sollte doch lieber in Gold investieren. Es dürfte im Notfall besser verkäuflich sein als das „Gold des kleinen Mannes“, das vor allem als Industriemetall eine Rolle spielt. Das bedeutet nämlich, dass es in Zeiten, in denen die Wirtschaft und damit die Börse leiden, eben nicht sehr stark nachgefragt wird und deshalb an Wert verliert. Gold dagegen wird in Krisenzeiten immer zum Rettungsanker ausgerufen und damit wertvoller.

GoldbarrenZu diesem Thema empfehle ich die Lektüre meines Artikels Geld- und Goldgeschenke für Kinder: Was ist sinnvoll?, den ich als Gastbeitrag auf gold.de veröffentlicht habe.

Kapitel 9 diskutiert dann ebenfalls recht unerwartet den Wert der selbstgenutzten Immobilie für den Vermögensaufbau an. Der Autor kommt aber bereits nach zweieinhalb Seiten zum Schluss, dass „Betongold“ nichts taugt. Das ist doch eher wenig Platz für eine tiefere Analyse, zumal wohl kein Leser unter der Überschrift Für Kinder Geld anlegen einen Leitfaden zum Eigenheimerwerb erwartet hätte.

Das große Finale von Für Kinder Geld anlegen fällt klein aus

Kapitel 10 lockt mit der Überschrift: „Die vier Stufen der sicheren Geldanlage für Ihre Kinder“. Ehrlich gesagt war mir an diesem Punkt der Lektüre nicht klar, wie man aus dem Gelesenen – Quintessenz: ETF-Sparplan anlegen und Silbermünzen kaufen – auf 4 Schritte kommen könnte. Diese lauten:

  1. Eröffnen Sie ein Depot für das Kind.
  2. Legen Sie einen ETF-Sparplan an.
  3. Kaufen Sie regelmäßig Edelmetalle.
  4. Lehnen Sie sich entspannt zurück.

Nun ja.

Tatsächlich kam die Diskussion, ob es sinnvoll ist, das Depot auf den Namen des Kindes zu eröffnen oder nicht, zuvor etwas kurz. Schließlich bedeutet ersteres, dass das Kind ab dem 18. Geburtstag die volle Verfügungsgewalt über das Depot hat und dass die Eltern vorher keinen vollen Zugriff auf das angelegte Geld haben, sondern es nur treuhänderisch verwalten. Hier hätte ich mir mehr Information und mehr Rat erwartet.

Und was ist eigentlich, wenn sich klar abzeichnet, dass das Kind das angelegte Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt? Etwa, weil es ein Studium oder eine Ausbildung mitfinanzieren muss. Dann wäre es eher unklug, alles bis zum Schluss in ETFs zu lassen, denn womöglich geht es gerade zu diesem Zeitpunkt an der Börse mal wieder bergab. Gedanken zu einer schrittweisen Umschichtung legt der Autor aber nicht dar.

Der 4-Punkte-Plan ist noch nicht das Ende, sondern es schließt sich ein Kapitel 11 an. Darin geht es allgemein um Gelderziehung, den offenen Umgang mit dem Thema Geld in der Familie und die Vorbildfunktion der Eltern. Das ist ein wichtiges Thema, das auf knapp 7 Seiten naturgemäß nur schlaglichartig beleuchtet werden kann. An dieser Stelle verweise ich gerne auf mein Buch So erziehen Sie Ihre Kinder im Umgang mit Geld, das derzeit leider nur noch antiquarisch erhältlich ist. Oder Sie schreiben mir eine E-Mail, dann sende ich Ihnen gerne ein Exemplar zu.

Mein Fazit zu Für Kinder Geld anlegen

Henning Lindhoff hat dankenswerterweise ein wichtiges Thema aufgegriffen. Sein Rat, zur Geburt eines Kindes einen ETF-Sparplan anzulegen, ist gut und richtig. Auch die Flankierung durch Edelmetallkäufe ist vernünftig, wobei ich vom Silber-Sparplan abrate.

Der interessierte Leser erfährt einiges über ETFs und über Fonds im Allgemeinen, und das in gut verständlicher Sprache.

Er bekommt aber keine Hilfestellung bei der Auswahl der passenden Depotbank (eine Checkliste wäre nützlich gewesen) und wird bei der Auswahl eines konkreten ETF weitgehend alleingelassen. Wirklich ärgerlich sind das kurze Anreißen von Themen, zu denen kaum echte Informationen geliefert werden (Steuer, Crash, Betongold) und die wirre Kapitelstruktur. Wenn Schritt-für-Schritt-Anleitungen und 4-Punkte-Pläne versprochen sind, sollten sie auch geliefert werden. Und zwar so, dass man sie erkennen und befolgen kann.

Insofern fällt meine Rezension zu Für Kinder Geld anlegen gemischt aus: Inhaltlich kann ich das Buch weitgehend empfehlen. Der Lesernutzen könnte aber insgesamt durch mehr Struktur und Stringenz und teilweise auch durch mehr Sachinformation statt flotter Sprüche und unnötiger Wiederholungen deutlich gesteigert werden.

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