Impressionen aus Chemnitz: Kunst & Kontraste

Karl Marx-Kopf in Chemnitz

Ende April war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Chemnitz, um dort ein Inhouse-Seminar zu halten. Ich habe die Gelegenheit gleich genutzt, um mir die Stadt mal genauer anzusehen. Ich wusste vorher nicht viel über sie, außer, dass sie zu DDR-Zeit Karl-Marx-Stadt hieß und nach der Zerstörung im Krieg als sozialistische Musterstadt aufgebaut wurde.

Tatsächlich ist Karl Marx in Chemnitz schwer präsent

„Schwer“ ist wörtlich zu verstehen, denn der Bronzekopf auf dem Sockel wiegt etwa 40 Tonnen.

Karl Marx-Monument Chemnitz

Lustig daran finde ich, dass der echte Karl Marx in Wirklichkeit nie in Chemnitz war. Naja, macht nichts. Dafür bietet er eine bequeme Fläche zum Anlehnen:

Karl Marx-Kopf in Chemnitz

Auch sonst finden sich in Chemnitz sozialistische Figurengruppen, die sich weniger durch ihre Ästhetik als durch ihre bombastischen Titel auszeichnen. Eine heißt zum Beispiel Kampf und Sieg der revolutionären deutschen Arbeiterklasse. Sie ist so hässlich, dass ich sie nicht fotografiert habe. Daneben gib es aber auch jede Menge anderer, durchaus ansprechender Werke im öffentlichen Raum, etwa den Neeberger Torso beim Roten Turm …

Neeberger Torso in Chemnitz von hinten

oder diese sinnende Dame am Schlossteich:

Skulptur auf der Schlossteichinsel in Chemnitz

Überhaupt ist es am Schlossteich sehr hübsch. Der Teich ist umgeben von einem gepflegten Park mit Kunstwerken und einem Abenteuerspielplatz. Von hier hat man auch einen guten Blick auf das Schloss, die Schlosskirche – und den bunt geringelten Turm des örtlichen Kohlekraftwerks.

Schlosskirche und Lulatsch in Chemnitz

Der Turm ist übrigens das höchste Bauwerk Sachsens, er wird vor Ort auch „Lulatsch“ genannt. Unterhalb des Schlosses gibt es noch ein paar alte, perfekt restaurierte Fachwerkhäuser, in denen sich Restaurants etabliert haben. Im Kellerhaus habe ich gut und preiswert gegessen, die Bedienung war sehr freundlich.

Restaurant Kellerhaus am Schlosspark in Chemnitz

Impressionen aus Chemnitz vom Kaßberg

Mein Kunde hat sein Geschäftsgebäude auf dem Kaßberg, einem der sieben Hügel von Chemnitz. Dort befindet sich (das wusste ich vorher auch nicht) eines der größten zusammenhängenden Gründerzeit- und Jugenstilviertel Europas. Hier hat die Stadt ein völlig anderes Gesicht:

Straßenzug auf dem Kaßberg

Straßenzug auf dem Kaßberg

die Kyffhäuser Burg auf dem Kaßberg

Jugendstil-Ornamente auf dem Kaßberg

Auf dem Kaßberg gibt es auch nette kleine Läden, Handwerksbetriebe und Cafés. In diesem Viertel findet sich, im Gegensatz zum Stadtzentrum, wenig Streetart.

Streetart in Chemnitz

Zu den buchstäblich farbigsten Impressionen aus Chemnitz zählen für mich nämlich die Graffiti-Kunstwerke. Natürlich gibt es hier auch die pubertäre Variante, bei der es darum geht, seinen Namenszug/Tag so oft und so groß wie möglich zu hinterlassen. Aber es gibt auch kunstvolle Streetart, die das Stadtbild wirklich aufpeppt.

Streetart Chemnitz - Superhelden

Streetart Chemnitz - Superheld in Großaufnahme

Streetart Chemnitz - Unterführung

Streetart Chemnitz - Upset und Lulatsch

Impressionen aus Chemnitz - Streetart im Hinterhof

Besonders gut gefallen haben mir die kreativen Verschönerungsaktionen an den Stromverteilerkästen, die im Normalzustand ja nicht sehr attraktiv aussehen. Mit so einem grünen oder bunten Kerlchen drauf aber schon:

treetart Chemnitz - Stromverteilerkasten mit grünem Pokemon

Streetart Chemnitz - Stromverteilerkasten mit rotem Kopf

Einige dieser Verteilerkästen sind sogar im Auftrag der örtlichen Energieversorgers bemalt worden. Der Graffiti- und Tattoo-Künstler Friedrich Benten Benzler hat sich hier für Meerestiere als Motive entschieden. Sind die nicht toll?

Streetart Chemnitz - Stromverteilerkasten mit Seepferdchen

Streetart Chemnitz - Stromverteilerkasten mit Delfinen

Mein Fazit:

Chemnitz ist eine Reise wert. Ich freue mich schon auf mein zweites Inhouse-Korrespondenzseminar bei der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft e. G. im September. Bis dahin sitzt ihr Maskottchen auf meinem Schreibtisch und erinnert mich an den schönen Aufenthalt und den fröhlichen und produktiven Seminartag.

Maskottchen der Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft auf meinem Schreibtisch

Auf Wiedersehen, Chemnitz – bis September!

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrte Frau Kettl-Römer,

    mein Name ist Grit Linke und ich bin Gästeführerin in Chemnitz. Durch Zufall bin ich auf Ihre Seite gestoßen. Super, dass Ihnen Chemnitz gefällt und Sie im September wieder kommen. Vielleicht haben Sie dann noch Zeit für einen Rundgang? Gern zeige ich Ihnen das Gründerzeitviertel mit seinen verborgenen Schätzen.

    Herzliche Grüße

    Grit Linke
    Gästeführerin (IHK)
    0371/6761545
    0176/23402724
    info@c-entdecken.de
    http://www.c-entdecken.de

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