Sparen und Altersvorsorge in Niedrigzinszeiten: 5 Tipps

Sind Sparen und Altersvorsorge in Niedrigzinszeiten überhaupt noch ein Thema, über das es sich nachzudenken lohnt? „Sparen lohnt sich nicht mehr!“ Diese Einschätzung ist inzwischen ziemlich oft zu lesen bzw. zu hören. Klar: Die schon seit Jahren andauernde Fast-Null-Zins-Phase hat so manchen Sparplan obsolet werden lassen. Zins- und Zinseszinseffekt? Hat sich bis auf Weiteres erledigt. Aus den noch einigermaßen vorteilhaften Bausparverträgen fliegen Sparer gleich nach der Zuteilungsreife raus. Auf der jährlichen Übersicht über den Stand der Lebensversicherung schrumpft die Überschussbeteiligung jedes Mal wieder ein bisschen zusammen. Immer wieder schrecken Gedankenspiele um eine Negativverzinsung von Guthaben die verbliebenen hartnäckigen Geld-Horter auf.

Soll man das Geld abheben und daheim unter die Matratze legen? Alles in Goldbarren investieren und unter dem Apfelbaum vergraben? Oder doch lieber auf Betongold setzen und eine eigene Wohnung kaufen? So günstig wie heute waren Finanzierungen ja noch nie …

Tipps zum Thema Sparen und Altersvorsorge in Niedrigzinszeiten

Sparen ist out und politisch auch nicht erwünscht. Schließlich sollen die niedrigen Zinsen dazu führen, dass mehr investiert und letztlich auch mehr konsumiert wird. Wirtschaftswachstum soll erzeugt werden, das die Steuereinnahmen sprudeln, die Schuldenberge schrumpfen und die Wähler zufrieden sein lässt. Altersvorsorge dagegen ist politisch sehr erwünscht. Schließlich ist absehbar, dass das Rentenniveau angesichts der demografischen Entwicklung zukünftig nicht nur nicht steigen, sondern weiter sinken wird. Das wird auch Frau Nahles mit steigenden Rentenbeiträgen nicht aufhalten können. Wie aber soll man Altersvorsorge betreiben, ohne zu sparen?

1. Ein Puffer muss sein

Egal, was über das Geldmarktkonto und seine nicht mehr vorhandene Rentabilität zu lesen ist: Ein Puffer von drei Nettomonatsgehältern sollte immer darauf liegen. Nur so können Sie dafür sorgen, dass unvorhergesehene Ausgaben wie der Ersatz einer kaputten Waschmaschine, eine Autoreparatur oder eine Heizkosten-Nachzahlung Sie nicht aus der finanziellen Bahn werfen. Wenn der Puffer angegriffen wurde, muss er als erstes wieder aufgefüllt werden. Dieses Sparen dient nicht der Verzinsung, sondern der Erhaltung Ihrer Zahlungsfähigkeit.

2. Null-Zins-Finanzierungen für Konsumgüter lohnen sich nicht

Auch wenn der Gedanke „sofort konsumieren, nach und nach ohne Zinsen zurückzahlen“ verlockend ist: Er trügt. Unternehmen haben nichts zu verschenken. In aller Regel bezahlen Sie bei Ihrem „Null-Prozent-Schnäppchen“ einen höheren Preis als bei Barzahlung. Abgesehen davon zahlen Sie noch monatelang für ein Gut, das bereits in dem Moment, als Sie es mit nach Hause genommen haben, den Löwenanteil seines Werts verloren hat. Das glauben Sie nicht? Dann versuchen Sie mal, es gebraucht zu verkaufen! Nicht zuletzt sollten Sie bedenken, dass Sie auch Geld von Ihren Konsumausgaben abziehen müssen, wenn Sie Ihre Raten zahlen. Das bedeutet im Grunde dasselbe wie Sparen – nur eben nach dem Kauf und nicht davor.

Mein Rat: Wenn Sie eine Anschaffung planen, lohnt es sich daher, erst dafür zu sparen und es dann zu kaufen. Gerne mit Barzahlungsrabatt.

Diese beiden Tipps finden Sie übrigens auch im Ratgeber Niemals pleite! Alles über die ersten eigenen Finanzen (Partnerlink*), den ich mit meiner Kollegin Cordula Natusch geschrieben habe. (*„Partnerlink“ bedeutet, dass ich für jeden Einkauf, der durch einen Klick auf diesen Link zustande kommt, eine kleine prozentuale Beteiligung bekomme. Diese dient mit zur Finanzierung der Kosten, die mir durch dieses Blog entstehen.)

Sie sind aber nicht nur für junge Leute, sondern für Menschen jedes Alters sinnvoll. Junge Leute, die noch im Studium oder in der Ausbildung stehen, müssen sich zwar nicht so viele Gedanken über ihre Altersvorsorge machen. Jedenfalls nicht, solange ihre Einkommenssituation noch keine weitergehenden Sparleistungen zulässt. Für alle anderen sind auch die Tipps 3 bis 5 lesenswert:

3. Eine eigene Wohnung kann ein sinnvolles Investment sein – ist es aber oft nicht.

Es stimmt: Immobilienfinanzierungen sind derzeit so günstig wie praktisch noch nie. Immobilien sind es aber leider nicht, jedenfalls nicht da, wo sie für viele Menschen attraktiv sind. In den Großstädten sind die Immobilienpreise so stark angestiegen, dass viele Experten schon vor der nächsten Blase warnen (war da nicht etwas, so um das Jahr 2008 herum?).

Wenn Sie genügend Geld gespart (oder geerbt) haben, kann es natürlich sinnvoll sein, es in eigene vier Wände zu investieren. Wenn Sie das tun, zahlen Sie keine Miete mehr, sondern einen Kredit ab. Im Alter, wenn Ihr Einkommen niedriger ist, brauchen Sie für das Wohnen dann viel weniger Geld. Das kann funktionieren. Wenn Sie die gesamte Kreditlaufzeit hindurch genügend verdienen, um Ihre Raten plus Zinsen zu zahlen, und zwar auch dann noch, wenn nach einer Umschuldung die Zinsen vielleicht wieder höher sind. Und wenn Sie im Alter entweder noch in Ihrer Immobilie wohnen wollen und können oder sie zu einem vernünftigen Preis verkaufen oder vermieten können.

Modern office buildings in central Hong Kong

Das sind aber ein paar ziemlich entscheidende „Wenns“:

Wer weiß, ob Sie über die nächsten Jahrzehnte immer genug verdienen? Ob Sie sich jahrelang einschränken möchten, nur um Ihre Kredite zu bedienen? Ob sich Ihre Lebenssituation so ändert, dass die Wohnung zu klein oder das Haus zu groß für Ihre Bedürfnisse wird? Werden Sie mit dem Verkaufspreis wenigstens das erlösen können, was Sie hineingesteckt haben?

Auch niedrige Kreditzinsen summieren sich nämlich, wenn sie über Jahre und Jahrzehnte gezahlt werden. Hier greift der Zinseszinseffekt sehr wohl: Wenn Sie ausrechnen, was Sie inklusive Zinsen über die gesamte Laufzeit für die Immobilie zahlen, werden Sie vermutlich erschrecken.

Also: Eine Immobilie sollten Sie nur kaufen, wenn Sie bereits so viel Erspartes/Geerbtes haben, dass Sie die Kreditraten problemlos stemmen können. Auch dann, wenn Sie vorübergehend arbeitslos werden oder aus anderen Gründen deutlich weniger Einkommen erzielen. Und nur, wenn Lage und Ausstattung stimmen, Sie also mit einem guten Wiederkaufswert rechnen können.

4. Investieren Sie da, wo Wertsteigerungen zu erwarten sind

Wenn Geld allein nichts mehr an Verzinsung bringt, setzen vernünftige Sparer auf Sachwerte. Das müssen aber keine Immobilien sein.

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Viele Leute kaufen derzeit auch Gold, weil seine Menge rein physisch begrenzt ist (im Gegensatz zu den rasant wachsenden Geldmengen). Ich denke, es ist durchaus sinnvoll, eine kleinere Menge Gold als „Währung für Notfälle“ vorzuhalten. Als einziges Anlageobjekt lohnt es sich aber nicht. Der Goldpreis schwankt sehr stark, und wenn die Zeiten wirtschaftlich wieder stabiler werden, kann er so sehr fallen, dass Ihr Schatz sich im Wert halbiert oder gar drittelt.

Grund und Wald

Andere setzen auf Ackerland oder Wald. Schließlich ist Boden auch ein begrenztes Gut. Die Preise sind hier allerdings auch bereits gestiegen, und wenn Sie Pachtverträge abschließen, sind Sie an deren Laufzeit gebunden.  Wenn Sie vorher Geld brauchen, kann es schwierig werden. Ich würde Acker oder Wald für Nicht-Landwirte und Normal-Sparer daher nicht als Investment empfehlen.
Ein Bär im Kornfeld

Was bleibt denn dann noch?

Aktien und Aktienfonds

Auf lange Sicht sind Wertsteigerungen nur da zu erwarten, wo tatsächlich neue Werte geschaffen werden. Das heißt: in Unternehmen. Unternehmen existieren schließlich nur deswegen, weil sie Bedürfnisse befriedigen, die in der Gesellschaft vorhanden sind. Und zwar besser, als andere es können. Allerdings rate ich nicht zur Anlage in Aktien einzelner Unternehmen, denn es ist keine einfache Aufgabe, hier die besten auszuwählen, laufend im Blick zu haben und bei Fehlentwicklungen rechtzeitig abzuspringen.

Wesentlich risikoärmer ist die Anlage in einem Aktienfonds. Auch hier schanken zwar die Kurse, aber wenn Sie einen Sparplan anlegen, z. B. jeden Monat 50 oder 100 Euro in den Fonds einzahlen und ein paar Jahre dabei bleiben, glättet sich das: Sie kaufen über die Jahre mal billiger und mal teurer, so dass sich der Durchschnittspreis nivelliert. Dividenden kassieren Sie jährlich und verkaufen tun Sie dann natürlich am besten erst in einer Phase, in der die Kurse höher sind als der Durchschnittspreis, den Sie gezahlt haben.

Wegen der niedrigeren Kosten empfehle ich für Ihren Sparplan einen so genannten ETF, also einen Fonds, der nicht aktiv von einem Fondsmanager gesteuert wird, sondern der Bewegung eines Korbs an Aktien folgt. Am besten sollten nicht nur deutsche oder europäische Aktien in diesem Korb liegen, sondern welche aus der ganzen Welt – das verringert die Kursausschläge (allerdings nicht nur nach unten, sondern auch nach oben).

5. Sehen Sie das Thema Sparen und Altersvorsorge in Niedrigzinszeiten wie in Hochzinsphasen nicht nur als Geldfrage

Das klingt vielleicht zunächst paradox. Aber worum geht es Ihnen denn eigentlich, wenn Sie sich Gedanken über das Thema machen? Wahrscheinlich um dasselbe wie mir: Wir möchten im Alter ein gutes Leben führen können.

Was aber ist ein „gutes Leben“?

Für mich sieht es das so aus: Ich möchte möglichst nicht auf Sozialleistungen oder Zahlungen meiner Kinder angewiesen sein. Vor allem aber möchte ich ein Leben führen, in dem ich Dinge tue, die ich gerne mache und mit Menschen zusammen sein kann, die ich gerne mag. Ich möchte, dass meine Kinder später sagen können, dass ihre Kindheit ziemlich okay war, dass es Menschen gibt, für die ich hilfreich war und welche, die gerne mit mir zusammen sind. Das ist glücklicherweise nichts, das davon abhängt, ob ich genug Geld spare und es gut anlege. Es hängt vielmehr davon ab, wie ich mein Leben und den Umgang mit meinen Mitmenschen täglich gestalte. Das finde ich sehr beruhigend.

Sparen und Altersvorsorge in NiedrigzinszeitenAnregende Überlegungen dazu, was wir im Alter wirklich brauchen, habe ich übrigens in der Süddeutschen Zeitung gefunden, und zwar im Samstagsessay von Angelika Slavik in der Ausgabe vom 20. August.

Punkt 5 bedeutet aber nicht, dass die finanzielle Altersvorsorge nicht wichtig sei bzw. dass Frauen sich auf diesen sozialen Aspekt zurückziehen und die Altersvorsorge ihren Männern überlassen sollen. Ganz im Gegenteil! Lesen Sie dazu auch meinen Post: Frauen, kümmert euch endlich selbst um die Geldanlage!

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