Rezension: Reichtum ist Frauensache

Im Urlaub hatte ich Zeit zum Lesen. Die habe ich unter anderem für das Buch mit dem vielversprechenden Titel „Reichtum ist Frauensache. Werde eine Finanzdiva“ von Katja Eckardt genutzt.

Der Anfang ist vielversprechend, denn gleich der erste Satz lautet:

„Dieses Buch ist ein Aufruf an alle Frauen: Werdet endlich reich!“

Ja, gute Idee! Laut Frau Eckardt können Frauen übrigens sowieso viel besser mit Geld umgehen als Männer. Sie wissen es nur noch nicht, weil es ihnen noch niemand gesagt hat. Das macht jetzt Frau Eckardt mit ihrem Buch.

Teil 1 heißt „Kassensturz!“ (Frau Eckardt liebt Ausrufezeichen).

Darin geht es darum, dass frau nicht mehr Geld ausgeben sollte, als sie verdient. Regel Nummer 1 lautet. „Immer schön bescheiden und sparsam bleiben.“ Das ist ein solider Tipp, auch wenn er für eine zukünftige Finanz-Diva – was das eigentlich ist, bleibt übrigens bis zur letzten Seite ungeklärt – etwas seltsam anmutet. Immerhin definiert die Autorin, was sie unter Reichtum versteht:

„Reich und finanziell unabhängig seid ihr, wenn ihr es schafft, mit genügend Cashflow (= Geldzufluss aus euren Investitionen) eure monatlichen Ausgaben zu decken.“

Einverstanden: Wer von den Einkünften aus seinem Vermögen leben kann und nicht mehr für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, ist reich. Der Weg dahin ist eigentlich ganz einfach: Man muss nur genügend Geld auf die Seite bringen und so anlegen, dass es sich üppig verzinst.

Zunächst also heißt es sparen. Aber:

„Sparen will gelernt sein.“

Dazu gibt die Autorin Tipps aus ihrer eigenen Lebenswelt, etwa den, dass sie nur noch alle zwei Monate zum Friseur geht.

„Zum netten Nebeneffekt gehören schöne lange Haare, und Männer lieben lange Haare. Win-win!“

(Frau Eckardt liebt „win-win“ fast so sehr wie Ausrufezeichen.)

Nachdem durch das Befolgen dieses und ähnlicher Tipps eine Menge Geld übrig ist, kann frau sich endlich ans Anlegen machen. Hier empfiehlt Frau Eckardt Investitionen in Aktien und Aktienfonds. Dem möchte ich nicht widersprechen.

Dann wird es ganz, ganz lustig, denn:

„Finanzgeschäfte sind wie Männer“

Und da gibt es laut Frau Eckardt genau drei Typen:

  1. den passiven Langweiler, etwa ihr Ex-Freund sowie Blue-Chip-Aktien wie Nestlé,
  2. den aufregenden Womanizer, nämlich Batman, Ashton Kutcher und Pennystocks und
  3. den Vollpfosten wie Benjamin Blümchen bzw. das Sparbuch oder das Festgeldkonto.

Obwohl sie ihren Ex-Freund offensichtlich nicht wieder haben möchte, empfiehlt Frau Eckardt der Finanz-Diva im Frühstadium die Blue Chip-Aktien.

Teil 2 heißt: Multiple Choice: GELD MACHT SEXY

Hier erwartet die Leserin zunächst ein gaanz witziger Psycho-Test. Der soll dazu dienen, zu ermitteln, ob frau das Zeug zur Superreichen hat. Immerhin gibt es nun einige Erklärungen zum Aktienhandel, ein paar Anekdoten aus dem Trader-Leben der Autorin sowie einige Tipps zur Aktienauswahl:

„Regel Nummer eins lautet in diesem Kontext: Erfolg kommt durch Leidenschaft. Das gilt für fast alles im Leben, wie für Beziehungen und auch fürs Investieren.“

Na, dann ist ja alles klar.

Die Leserin soll aber erst einmal ein Musterdepot anlegen und für sechs bis zwölf Monate damit herumexperimentieren. Weil das ja doch alles irgendwie riskant ist (irgendwie ist ein weiteres Lieblingswort der Autorin). Frau Eckardt empfiehlt zudem Aktienfonds, insbesondere ETFs. Für die hat sie aber nur eine von ihren insgesamt 250 Seiten übrig.

Teil 3: Home-Shopping: Viel Geld ist nicht genug

Die folgsame Nachwuchs-Diva hat nun 15.000 Euro erspart.

„Zeit für ein neues Abenteuer: Ab jetzt wird fleißig investiert. Schon bald gehört ihr zu den Gewinnern. Sparen gehört der Vergangenheit an. Euer Geld soll endlich so hart arbeiten, dass es euch regelmäßige Einnahmen generiert.“

Zum 50.000-Euro-Ziel gelangt die Leserin, wenn sie in Immobilien investiert. Nicht etwa in ein selbst genutztes Eigenheim, sondern in Mietobjekte. Natürlich muss sie da aufpassen, dass sie nur attraktive Objekte mit besten Renditeaussichten in Städten kauft, in denen es noch keine Preisblase gibt. Das ist leider gar nicht so einfach.

„Glück und Leid liegen hier nah beieinander.“

Sehr wahr. Frau sollte daher eine solide Finanzierung haben und sich eine Exit-Strategie zurechtlegen. Das war´s dann auch schon mit den Tipps zu den Immobilien, denn nun geht es ans Eingemachte:

Teil 4: Selfmade: UNTERnehmen, nicht ÜBERgeben

Dieses Kapitel kam für mich etwas überraschend, denn die Finanz-Diva sollte bisher ja vor allem sparen und investieren. Nun stellt sich aber heraus, dass das auf dem Weg zum 100.000-Euro-Ziel gar nichts bringt:

„Das Motto in dieser Phase lautet: Viel Geld ist nicht genug! Oder besser gesagt: ich will endlich stinkreich sein! Mit Sparen schafft man das leider nicht. (…) Im Angestellten-Dasein ist es auch unmöglich, zu Reichtum zu gelangen. Die geringen Gehälter, eine hohe Steuerlast und die Vergütung auf Stundenbasis hindern uns daran.“

Warum musste ich bis Seite 216 lesen, um diese bittere Wahrheit zu erfahren? „Stinkreich“ kann man laut Frau Eckardt nur als Unternehmer werden. Dazu zitiert sie erst Donald Trump (der muss es ja wissen) und stellt anschließend einige Unternehmer vor, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Sie sind aber alle wahnsinnig erfolgreich und bis auf eine Amerikanerin alle männlich. Das wiederum liegt sicher nur daran, dass noch nicht genügend Frauen dieses Buch gelesen haben …

„Als Unternehmer schafft man es am schnellsten, wirtschaftlich frei zu sein, also unabhängig von einem Arbeitgeber, von einem Mann, der Familie und vom Staat.“

Also nichts wie los!

„Irgendwie träumt zwar jeder von uns davon, eine eigene Firma zu gründen und damit an Reichtum zu gelangen. Doch nicht jeder trägt das Unternehmer-Gen in sich.“

Och, nö. Wer das Gen nicht hat, bleibt leider unweigerlich arm und unsexy.

Mein Fazit:

Ich muss zugeben, dass ich mich bei der Lektüre durchaus amüsiert habe. Das lag aber weniger an dem im Klappentext versprochenen charmant-witzigen Erzählstil der Autorin als an der Chuzpe, mit der sie ein paar banale Finanztipps auf 250 Seiten aufbläht und als bahnbrechende Neuigkeiten verkauft. Noch dazu hat sie aus ihrem BWL-und VWL-Studium ein paar Begriffe mitgenommen, deren Bedeutung sie zwar grundlegend missverstanden hat, hier aber fantasievoll interpretiert (etwa Adam Smiths „invisible hand“, das Ricardo-Theorem oder das BCG-Portfolio).

Wirklich lästig waren neben den sprachlichen Unschönheiten (irgendwie win-win!) die zahlreichen Redundanzen und die Larmoyanz, mit der Katja Eckardt über Schule, Lehrer, Staat, Männer und das Angestelltendasein herzieht. Schule ist Mist, Lehrer sind „systempropagierende Jasager“, erfolgreiche Männer sind „Business-Kasper“, der Sozialstaat will das Volk nur verdummen und manipulieren. Ach ja, und das Angestelltendasein bedeutet Büroprostitution, „Arschkriechen“ und Hamsterrad.

Ich kann schon verstehen, dass Frau Eckardt gerne reich wäre. Sie hat auch recht, wenn sie meint, Frauen interessierten sich oft zu wenig für Geldanlage und Investitionen. Sparen ist sinnvoll, die Anlage in Aktienfonds und ggf. Immobilien ist es auch. Aber die 16,99 Euro für dieses Buch sowie die Zeit für dessen Lektüre kann frau sich sparen und woanders gewinnbringender anlegen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Mich hätte die Exit-Strategie nach dem Immobilienfehlgriff sehr interessiert. Vielleicht abfackeln, die Bude, und das als Königs-, pardon: Phönix-Weg verkaufen? Am Ende sind es gerade so leichtfertig gegebene Ratschläge, die Unkundige zu den übelsten Entscheidungen ihres Lebens motivieren. Erstaunlich, wie locker manche FachautorInnen diese Verantwortung nehmen … und wie gut, dass es Rezensionen wie diese hier gibt, die zeigen, dass sich lockere Schreibe und fachliche Tiefenschärfe gar nicht widersprechen müssen!

    • Ja, überall, wo man sich in diesem Buch Konkretes erhofft hätte, wird es wolkig … und danke für das Feedback zu meiner Rezension!

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